Personen |
Handlungs-ort |
Inter-
pretation |
Margarete
Faust
Mephisto-
pheles
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„Ein kleines reinliches Zimmer“
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Die Enge in Gretchens Zimmer empfindet Faust nicht als erdrückend, sondern als erotisch
Lied vom König von Thule Gretchen hat auch Verständnis für Liebe, die nicht an die Eheschließung gebunden ist
König gibt sich der Geliebten hin, was durch den Becher symbolisiert wird, den er auch nach ihrem Tod noch behält
Am Ende des Liedes fällt der Becher ins Meer Vorausdeutung von Gretchens Schicksal
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Der Schauplatz wechselt zu Gretchens „kleinem, reinlichen“ Zimmer (Regieanweisung).
Gretchen denkt noch einmal an ihre Begegnung mit Faust, der ihr eigentlich nicht schlecht gefällt - sie hält ihn für einen Adeligen (vgl. Sz. 8, Z. 8), was sie fasziniert.
Nachdem Gretchen ihre Kammer verlassen hat, betreten Faust und Mephisto das Zimmer. Faust ist von der Ordnung in Gretchens Zimmer beeindruckt und leitet daraus ab, dass Gretchen eine liebreizende Person sein muss.
Die Atmosphäre des Zimmers wirkt auf ihn sexuell anziehend. Faust verliebt sich in Gretchen und ist über seine Gefühle verwirrt (vgl. Sz. 8, Z. 63-71).
Faust und Mephisto hinterlassen ein mit Schmuck gefülltes Kästchen in Gretchens Zimmer und verschwinden.
Als Gretchen in ihre Kammer zurückkehrt, merkt sie intuitiv, dass sich die Atmosphäre in ihrem Zimmer verändert hat: „Es ist so schwül, so dumpfig hie“ (Sz. 8, Z. 116). Auch sie bemerkt nun die erotische Atmosphäre des Zimmers, ohne ihre Gefühle benennen zu können. Sie sing jedoch das
Lied vom König von Thule, das von der außerehelichen Beziehung eines Königs zu dessen Geliebten und ewiger Hingabe über den Tod hinaus handelt. Dies zeigt auch, dass sie bereits - wenn auch unbewusst -
von einer Beziehung mit dem ihr noch fremden Faust träumt.
Als sie das Lied zu Ende gesungen hat und ihren Kleiderschrank öffnet, erblickt sie das Schmuckkästchen und ist entzückt - das Gold hat auch Macht über das fromme Gretchen.