3. Kapitel
3. Kapitel: Im leeren Sitzungssaal / Der Student / Die Kanzleien
K. wartet trotz seiner Absage auf eine Nachricht des Gerichts, er kann sich nicht vorstellen, von ihm in Ruhe gelassen zu werden. Er begibt sich daher am nächsten Sonntag erneut um 9 Uhr in die Vorstadt. Empfangen wird er von der jungen Wäscherin, die ihm mitteilt, dass heute keine Sitzung stattfinde. K. bittet darum, sich immerhin die Bücher ansehen zu dürfen, die noch immer auf dem Podiumstisch liegen. Allerdings kann die Frau seiner Bitte nicht stattgeben. Als K. bereits gehen möchte, findet er heraus, dass die Frau mit einem Gerichtsdiener verheiratet ist und auch den Untersuchungsrichter kennt. Sie lebe in dem Vorzimmer des Gerichts, wobei die Wohnung an Gerichtstagen geräumt werden müsse.
Sie will ihr Techtelmechtel mit dem Mann am letzten Sonntag erklären. Ihr Ehemann habe sich damit abgefunden, dass sie ein Verhältnis mit einem anderen habe und dieser andere sei Student, gelange also wahrscheinlich „zu größerer Macht“ (Z. 48). Sie habe K.s Rede gehört und bittet ihn, die „widerlich[en]“ Verhältnisse (Z. 56) des Gerichts zu verändern. K. entgegnet, dass er um seinetwillen eingreifen werde, will aber auch ihre Unterstützung in seinem Prozess. Als er daraufhin die Gerichtsunterlagen gezeigt bekommt, entdeckt er, dass das Heft des Untersuchungsrichters ein pornographisches Magazin ist. Die Frau bietet K. weitere Hilfe an und macht ihm Komplimente für sein Aussehen. K. lehnt ihr Angebot ab, da er meint, sie habe keine Beziehung zu hohen Beamten. Er erwidert aber ihr Kompliment, auch sie gefalle ihm gut. Auf K.s Frage hin wird jedoch klar, dass die Wäscherin immerhin den Untersuchungsrichter kennt, der sie verehre (Z. 97 ff.). Er sei sehr fleißig und bestimmt einflussreich.
K. und die Wäscherin werden plötzlich durch das Eintreten des Studenten Bertold unterbrochen. Sie müsse jetzt zu ihm gehen, „diesem scheußlichen Menschen“, aber sie komme zurück und dann könne K. mit ihr machen, was er wolle. (Z. 203 ff.) K. entwickelt ein Verlangen zur Waschfrau. Der eifersüchtige K. gerät mit dem Studenten über die Frau in Streit, woraufhin der Student die Frau ergreift und wegträgt - diese wehrt sich jedoch nicht, was K. erzürnt. Der Student trägt die Frau die Treppe zum Dachboden hinauf. Daraus schließt K., dass er angelogen worden sei: Die Frau behauptete, sie werde zum Untersuchungsrichter getragen, doch kann er sich nicht vorstellen, dass dieser auf dem Dachboden warte. Neben dem Aufgang entdeckt er allerdings einen Zettel, welcher die Treppe tatsächlich als „Aufgang zu den Gerichtskanzleien“ ausweist (Z. 307 f.).
In diesem Moment erscheint der Mann der Waschfrau. Er beschwert sich, dass man ihm seine Frau wegnehme - er wünscht sich den Tod des Studenten. Bei dieser Erzählung fühlt auch K. Eifersucht in sich aufsteigen (Z. 361 f.). Er bietet auf eine Bitte des Gerichtsdieners hin an, sich den Studenten vorzuknöpfen (Z. 379 f.). Da sich der Mann in der Kanzlei melden muss, gibt er K. die Möglichkeit, sich die Kanzleien anzusehen, was dieser dankend annimmt.
Der Dachboden ist dunkel und nur roh mit Holz zusammengezimmert. Vor den Zimmern findet K. weitere Angeklagte, die demütig dastehen. Von einem von ihnen möchte K. wissen, worauf er warte. Erst als der Gerichtsdiener nochmals nachfragt, bekommt K. eine Antwort: Er warte auf die Erledigung seiner gestellten Beweisanträge. Auf Nachfrage wird aber klar, dass der Mann nicht weiß, ob ein solcher Antrag nötig sei. K. jedenfalls hat keinen gestellt, sorgt sich aber darum, dass ihm der Mann nicht glaubt, dass auch er angeklagt ist und packt ihn am Arm, woraufhin der Mann laut aufschreit (Z. 460). Zunächst will K. die Kanzleien weiter erkunden, doch fühlt er sich zunehmend müde, unwohl und beengt. Als wäre dies nicht schon genug, hat er offenbar auch die Orientierung verloren und verlangt vom Gerichtsdiener, hinausgeleitet zu werden. In das Zimmer tritt nun ein Mädchen, das K.s Unwohlsein bemerkt und ihm anbietet, sich zu setzen - fast jeder bekomme einen Schwächeanfall, wenn er das erste Mal herkomme. Die Luft sei hier kaum noch atembar, doch gewöhne man sich mit der Weile daran. Sie bietet ihm an, ihn ins Krankenzimmer zu führen. K. will dies jedoch nicht und nimmt den Vorschlag eines Mannes begeistert auf, dass es wohl am besten sei, K. aus den Kanzleien zu führen.
Es stellt sich heraus, dass der Mann der Auskunftgeber ist, der laut dem Mädchen auf alle Fragen eine Antwort weiß und als erster mit den Angeklagten in Kontakt trete. Letztlich helfen der Auskunftgeber und das Mädchen K. nach draußen, da er sich in seiner Benommenheit nicht auf den Beinen halten kann und nicht einmal die Worte seiner Helfer versteht. Vor der geöffneten Ausgangstür kehren seine Kräfte plötzlich zurück und er bedankt sich bei seinen Rettern. Dabei glaubt er zu sehen, dass diese umgekehrt die frische Luft nicht vertragen. Wegen seines Schwächeanfalls denkt K. darüber nach, bald zu einem Arzt zu gehen.