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Inhaltsverzeichnis

Erzählweise

Wirkung der Erzählweise

  • Die Erzählweise ist anonym, wodurch sich keine Identifikation mit den Figuren für den Leser ergibt.
  • Der Text bleibt gegenüber Reisenden und Offizier neutral. Es kommt zu keiner Positionierung.
  • Innensicht des Reisenden; Außensicht auf den Reisenden
  • Es ist kein auktorialer Erzähler, wenig Innenperspektive und es sind nur sehr geringe objektive Informationen vorhanden. Dies sorgt für eine emotionale Distanz des Lesers zur Geschichte.
  • Der Offizier ist keine neutrale Instanz. Er legitimiert den Apparaten, was dem Reisenden zum Verhängnis wird, da dieser als Medium zum eigenen Vorteil ausgenutzt wird.
  • Die Außenaufsicht auf die Geschehnisse im Sinne der externen Fokalisierung bewirkt die Nichtidentifizierung des Lesers weder mit dem Offizier noch mit dem Kommandanten.
  • Der Leser erhält aufgrund des intern fokalisierten Reisenden einen Einblick in seine subjektive Vorstellungswelt. Die interne Fokalisierung bietet weitreichende Möglichkeiten bei der Darstellung innerer Vorgänge. (Wörtliche Gedankenrede und erlebte Rede)

Die Funktion der Sprache

  • Die Sprache spielt in Kafkas Werk eine zentrale Rolle.
  • Kafka gibt die Handlung für den Leser äußerst präzise wieder und scheut auch nicht davor zurück, die Grausamkeit der Geschichte auf in detailreicher Weise darzustellen.
  • Die Sprache zeichnet sich weitestgehend durch eine Natürlichkeit aus. Zeitweise ist der Sprechstil jedoch auch gehoben, beinhaltet lange parataktische Schachtelsätze und eine besondere Wortwahl. (s. Offizier)
  • Auffällig ist, dass die Sprache einfach, klar und rational gehalten ist.
    • Kafkas einfache Sprache zeichnet sich durch eine gehäufte direkter Rede in Form von erlebter Rede aus. Gedanken und Gefühle einer Person werden in der 3. Person Singular ausgedrückt.
    • Der beschreibende Sprachstil erinnert an einen Reisebericht.
    • Durch die häufige Verwendung von Parataxen wird das Handlungsgeschehen vorangetrieben; es bewirkt Bewegung und Dynamik; auf emotionale Ausschweifungen wird somit eher verzichtet
  • Zur Bezeichnung der Figuren werden keine individualisierenden Namen, sondern Funktionsbezeichnungen (Soldat, Reisender etc.) verwendet.
  • Jede Figur bedient sich auf ihrer eigenen Art der Sprache. Der Offizier spricht eher hastig und dynamisch.
    • Diese Dynamik zeigt sich bei genauem Hinsehen auch in der Form: mehrfache Verwendung von Semikolons statt einfachen Punkten
    • Der Offizier ist Teil einer asynchronen Kommunikation in Gesprächen, an denen er beteiligt ist: Der Begriff steht dafür, dass die Kommunikationspartner nicht gleichrangig sind. In diesem Werk überwiegen die seine Redeanteile sehr deutlich.
    • Diese Tatsache korrespondiert mit seinem hohen Bildungsniveau. Sprachlich überwiegt er den anderen Figuren in der Strafkolonie sowohl quantitativ, als auch qualitativ.
    • Auffällig ist hier jedoch, dass seine Bildungssprache im Gegensatz zu seinem militärischen Berufsstatus steht. Er kommuniziert z.B. mit dem Reisenden auf einer höheren sprachlichen Ebene. Die Militärssprache und einen strengeren Umgangston verwendet er nur, wenn er z.B. seinem Soldaten Anweisungen gibt.
    • Der Offizier möchte den Reisenden argumentativ überzeugen; bedient sich dabei jedoch eher der manipulativen Rhetorik
    • Die verharmlosenden Bemerkungen des Offiziers erzeugen auch eine emotioanle Distanz zum Handlungsgeschehen und eine gewisse Gleichgültigkeit im Leser.
    • Der Apparat und die dazugehörige Prozessur wird allein durch den Offizier erklärt und dies auf sehr ausführliche Weise. Die Maschine erhält somit ihre Bedeutung durch das Medium der Sprache.
  • Der Reisende verhält sich wortkarg, obwohl er, im Gegensatz zum Verurteilten, die Chance hätte sich zu äußern und insbesondere seine Meinung zum Apparaten ausführlich darzustellen.
    • Es lässt sich darauf schließen, dass der Reisende aufgrund seiner Herkunft und Tätigkeit einer intellektuellen Sprachschicht angehört.
    • Er äußert sich aufgrund der langen Monologe des Offiziers nur in einzelnen Bemerkungen und Zwischenfragen.
  • Der Verurteilte bleibt hingegen in seiner Wortlosigkeit verhaftet. Ihm wird deshalb auch keine Machtfunktion zugesprochen.
    • Dem Verurteilten ist es noch nicht einmal möglich zu schreien. Jegliche Möglichkeit, sich zu äußern und seinen Schmerzen Ausdruck zu verleihen, wird ihm durch das Filzstück genommen, welches das Seufzen und Schreien des Verurteilten dämpfen soll.
    • Die fehlende Mündlichkeit bzw. das Recht frei zu sprechen repräsentiert die Ungerechtigkeit des Grundsatzes der Strafkolonie: „Die Schuld ist immer zweifellos“. (S. 43, Z. 1f.)
  • Die Sprache fungiert als Machtinstrument.
    • Die Sprache ist das eigentliche Medium der Meinungsäußerung und Entscheidungsfähigkeit des Reisenden hinsichtlich des ihm vorgestellten Apparaten. Demenentsprechend unterliegt dem Reisenden auch eine hohe Verantwortung.
    • Die Bedeutung der Schriftlichkeit und Mündlichkeit wird auch in der Exklusivität, Einmaligkeit und Macht der alten Schriften (Zeichnungen) des ehemaligen Kommandanten deutlich. Ihre außerordentliche Bedeutung wird mehrmals durch den Offizier erwähnt.
    • Missbrauch der Macht: Das Urteil ist nicht anzuzweifeln und bedarf keiner mündlichen Verteidigung.

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