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Autor

Zur Analyse von Der Verlorene ist es unerlässlich, sich die Biografie von Hans-Ulrich Treichel näher anzuschauen. Dabei fallen viele Parallelen zur fiktiven Handlung auf, welche im Folgenden herausgearbeitet werden. Allerdings darf der Autor trotz aller autobiografischen Bezüge nicht mit dem Ich-Erzähler gleichgesetzt werden.

Biografie

  • Am 12. August 1952 geboren in Westfalen, nachdem seine Familie aus Ostpreußen geflohen ist
  • Sein älterer Bruder Günter wurde am 24.09.1943 in Racowiec geboren und starb angeblich auf der Flucht
  • Aufgewachsen in Versmold mit zwei älteren Brüdern
  • Die Eltern betrieben zunächst eine Leihbücherei, dann einen Tabakwarenhandel
  • 1968 wegen schlechter Noten auf ein Internat geschickt
  • Abitur in Hanau und anschließendes Studium der Germanistik, Philosophie und Politikwissenschaft in Berlin
  • 1981/82: Tätigkeit als Lektor für deutsche Sprache an der Universität Salerno
  • 1983 promovierte Treichel über Schriftsteller Wolfgang Koeppen
  • 1984/85: Lektor an der Scuola Normale Superiore in Pisa
  • 1991: Treichel erfährt von seiner Mutter kurz vor deren Tod, dass sein älterer Bruder Günter nicht tot ist, sondern auf der Flucht vor der Roten Armee 1945 verlorengegangen ist, weil sie ihn in Todesangst auf einem Pferdewagen zurückgelassen hat; die Eltern haben heimlich jahrzehntelang nach Günter gesucht und 1959 ein Findelkind entdeckt, das sie für ihren Sohn hielten; es wurden damals erbbiologische Gutachten erstellt
  • 1993 Habilitation
  • 1993-1995: Privatdozent im Fachbereich Germanistik der Freien Universität Berlin
  • 1995 bis 2018: Lehrauftrag als Professor am Deutschen Literaturinstitut in Leipzig
  • Hauptthemen: Flucht und Vertreibung

Autobiografische Bezüge

  • Lebensdaten: Der Vater im Buch hat dieselben Lebensdaten wie Treichels Vater, nämlich 1909 bis 1964
  • Herkunft: Treichels Eltern stammen, wie die Eltern im Werk, aus Racowiec (heutiges Polen) und hatten dort einen Gutshof
  • Erstgeborener: Sowohl Treichels Eltern als auch die Eltern in Der Verlorene bekamen ihren ersten Sohn im Osten
  • Das Foto: Nach dem Tod seiner Mutter fand der Autor bei den Unterlagen seiner Eltern ein Foto seines verschollenen Bruders. Dieses baute er im Werk ein, wenn auch der Erzähler anders als er selbst von Kindheit an damit konfrontiert wurde
  • Das Schreckliche: Wie der Ich-Erzähler vermutet auch Treichel, dass seine Mutter auf dem Treck in den Westen von russischen Soldaten vergewaltigt wurde
  • Erfolg: Entsprechend seiner eigenen Eltern hat auch der Vater im Buch anfangs eine Leihbücherei betrieben und sich dann zum Handelskaufmann hochgearbeitet, während die Mutter ihn im Betrieb unterstützte
  • Scham: Das im Werk beschriebene Schweigen am sonntäglichen Mittagstisch kannte Treichel aus seiner eigenen Kindheit; auch seine Eltern wollten nie über die Vergangenheit sprechen
  • Schattenkind: Das Gefühl, den Eltern nicht zu genügen, welches der Erzähler beschreibt, kannte Treichel selbst nur zu gut
  • Suche: Wie die Eltern im Buch haben auch Treichels Eltern jahrelang heimlich nach dem verlorenen Sohn gesucht
  • Findelkind: Das Findelkind, welches die Eltern für ihren Sohn halten, findet sich in der fiktiven und der realen Geschichte
  • Gutachten: Die Beschreibung der erbbiologischen Gutachten basiert auf den Unterlagen, die Treichel nach dem Tod seiner Mutter gefunden hat
  • Enttäuschung der Eltern: Sowohl Treichels Eltern als auch die fiktiven Eltern konnten das Findelkind nicht als ihren Sohn zu sich nach Hause holen
Hans-Ulrich Treichel selbst sagte über sein autobiografisches Werk Der Verlorene 2007 im Kulturmagazin Kunststoff: „Ich glaube, ich suche nach der Wahrheit über mich, nach der wahren Geschichte. (...) Ich bekomme erst ein biografisches Kontinuitäts- und Substanzgefühl, wenn ich etwas zu meinem empirischen Leben hinzu erfinde. Ich werde erst schreibend autobiografisch.“ Außerdem beschreibt Treichel selbst, er habe versucht, die Leere der Kindheit rückwirkend durch die autobiografische Arbeit zu füllen.
Das Thema des verlorenen Bruders beschäftigte Treichel in seinem Schaffen weiterhin sehr. Nach seiner Erzählung Der Verlorene schrieb er 2005 in Menschenflug über einen erwachsenen Mann, der nach seinem verschollenen Bruder weitersucht. In Anatolin (2008) dann begibt sich der Protagonist nach einer Kindheit, die vom Verlust des Bruder überschattet war, auf die Suche nach seiner eigenen Geschichte. Auch in diesen beiden Werken sind autobiografische Züge erkennbar.

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