Lerninhalte in Deutsch
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Sprache

Bei der Lektüre des Sandmanns fällt die Vielseitigkeit der Sprache und des Stils auf.
Dies soll im Folgenden genauer analysiert werden.
Die Erzählung beginnt zunächst in Briefform. Im ersten Brief berichtet Nathanael seinem Freund Lothar von seiner schicksalhaften Begegnung mit Coppola. Die Verängstigung und Verwirrung des Studenten wird durch sprachliche Mittel wie kurze Sätze und Ausrufe verdeutlicht, die meist von einem Gedankenstrich getrennt sind. Dann wiederum scheint sich der Schreiber in langen Sätzen zu verzetteln. Nathanael macht seine Verzweiflung sogar selbst zum Thema, erklärt „Wie vermochte ich denn euch zu schreiben, in der zerissenen Stimmung des Geistes“ (S. 5, Z: 11-12) oder „Wie fange ich es denn an, dich nur einigermaßen empfinden zu lassen, was mir vor einigen Tagen geschah“ (S. 5, Z. 20-22). Bei der Beschreibung der traumatischen Erlebnisse mit Coppola und Coppelius ist die Sprache sehr bildhaft: „Dunkle Ahnungen“ vergleicht Nathanael mit „schwarzen Wolkenschatten“ (S. 5, Z. 16). Außerdem werden kleinste Details genauestens beschrieben, so etwa das Gesicht von Coppelius: „Denke dir einen großen, breitschultrigen Mann mit einem unförmigen dicken Kopf, erdgelbem Gesicht, buschigten grauen Augenbrauen, unter denen ein paar grünliche Katzenaugen stechend hervorfunkeln, großer, starker über die Oberlippe gezogener Nase“ (S. 9, Z.27-31). Der Bericht soll dadurch wahrer wirken. Auch die vielen szenischen Elemente in Nathanaels Rückblick und die wörtlichen Zitate schaffen eine große Nähe zur erzählten Welt. Die Wiederholungen der kurzen Ausrufe wie „Zu Bette! Zu Bette!“ (S. 6, Z. 32) oder „Augen her! Augen her!“ (S. 11, Z. 36-37) sorgen außerdem für Dramatik.
Der zweite Brief ist von Clara verfasst. Ihre Brief ist von einer sachlichen Sprache und einer klaren Syntax geprägt, was Claras vernüftige, ruhige Art widerspiegelt. Sie argumentiert logisch, bringt Beweise und Erklärungen an. Zugleich aber verdeutlicht sie ihre große Liebe zu Nathanael und ihre Fürsorge ihm gegenüber, in dem sie ihn immer wieder sanft anspricht mit den Worten „Ach, mein herzgeliebter Nathanael“ (S. 15, Z.18; S. 17, Z. 1 u. Z. 36).
Den dritten Brief hat wieder Nathanael geschrieben, er unterscheidet sich allerdings vom ersten. Die Sprache wirkt deutlich klarer, die Sätze strukturierter. Nathanael bringt selbst Beweise an, dass Coppola nicht Coppelius sein könne, schreibt: „Übrigens ist es wohl gewiss, dass der Wetterglashändler Giuseppe Coppola keineswegs der alte Advokat Coppelius ist“ (S. 19, Z. 3-4). Allerdings zeigt schon das kleine Wort „wohl“, dass er weiterhin zweifelt. Wie er dann seinen Professor und dessen Tochter beschreibt, geht Nathanael aber wieder sehr ins Detail. Diese Beschreibung wirkt eher wie ein mündlicher Bericht.
Nach diesen drei Briefen folgt eine Ansprache des auktorialen Erzählers. Er wendet sich direkt an den Leser und bewertet das Geschehen: „Seltsamer und wunderlicher kannn nichts erfunden werden, als dasjenige, was sich meinem armen Freund, dem jungen Studenten Nathanael, zugetragen, und was ich dir, günstiger Leser! zu erzählen unternommen“ (S. 20, Z. 20-23). Zunächst rechtfertigt der Erzähler seine Erzählweise und beschreibt, wie schwer es war, die richtigen Worte für die wunderbare, seltsame und verhängnisvolle Geschichte zu finden (Vgl. S. 21-22). Außerdem liefert er dem Leser nötige Hintergrundinformationen über Nathanaels Familie und Claras Charakter. Dabei arbeitet er mit Vergleichen, ihre Haare seien „wunderbares Magdalenenhaar“ (S. 23, Z. 3) oder ihre Augen wie der „See von Ruisdael“ (S. 23, Z. 6). Erst danach erzählt er den Fortgang der Handlung. Dieser Erzählerbericht durchbricht mit hypotaktischen Sätzen, rhetorischen Fragen und einem mancherorts ironischen Unterton die Nähe zur erzählten Welt. Stellenweise aber vermittelt der auktoriale Erzähler mit direkter Rede für zeitdeckendes Erzählen wieder Unmittelbarkeit und unterstützt die Illusion. Dieser Wechsel sorgt beim Leser für Verwirrung, was eine Identifikation mit dem verwirrten Nathanael darstellt.

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