12. Vigilie
In der zwölften Vigilie wendet sich nun noch einmal der Erzähler an den Leser und berichtet davon, dass Anselmus als Dichter mit Serpentina in dem wunderbaren Reich Atlantis sein Glück gefunden hat. Der Erzähler selbst aber fühlt sich in seinem Alltagsleben gefangen. Er träumte beim Schreiben lieber von Anselmus und dessen Leben und verzweifelte, weil er sich nicht im Stande fühlte, sein Werk treffend zu vollenden.
Weiter beschreibt er, dass er einen Brief von Lindhorst erhalten habe, der ihn zu sich in das blaue Zimmer einlud. Der Erzähler folgte dieser Einladung und wurde von Lindhorst mit einem Becher angezündetem Arrak begrüßt, in den dieser selbst als Salamander eintauchte. Kurz darauf erschien dem Leser eine Vision von Anselmus im Zauberreich Atlantis. Er hörte Anselmus schwärmen: „Serpentina! - der Glaube an dich, die Liebe hat mir das Innerste der Natur erschlossen! - Du brachtest mir die Lilie, die aus dem Golde, aus der Urkraft der Erde, noch ehe Phosphorus den Gedanken entzündete, entsproß - sie ist die Erkenntnis des heiligen Einklangs aller Wesen, und in dieser Erkenntnis lebe ich in höchster Seligkeit immerdar. - Ja, ich Hochbeglückter habe das Höchste erkannt.“ (S. 101, Z. 5-12) Und während der Erzähler sich wie in einem Nebel eingetaucht fühlte, hatte er die zwölfte Vigilie niedergeschrieben, berichtet er nun dem Leser. Zurück in der Realität aber wurde ihm die Armseligkeit seines eigenen Lebens wieder bewusst. Lindhorst antwortete: „Waren Sie nicht soeben selbst in Atlantis, und haben Sie denn nicht auch dort wenigstens einen artigen Meierhof als poetisches Besitztum Ihres innern Sinns? - Ist denn überhaupt des Anselmus Seligkeit etwas anderes als das Leben in der Poesie, der sich der heilige Einklang aller Wesen als tiefstes Geheimnis der Natur offenbarer?“ (S. 102, Z. 1-6) Mit diesen Worten endet das Märchen.