Venusmotivik
Das Venusmotiv
- Historische Bezüge: Seit jeher existiert das Motiv der erotischen Bindung an eine Statue. Schon Ovid bettet in seine Metamorphosen den Topos, dass sich ein Künstler in sein Kunstwerk verliebt, mit ein. Eichendorff verwendet als weibliche Verführerin die lebendig gewordene Marmorfigur, beziehungsweise die heidnische Göttin Venus
- Symbolik: Bereits in interpretatorischen Untersuchung des Brentano-Romans sind sich die Sprachwissenschaftler einig, „dass die Versteinerung eines Lebendigen in einer Statue dessen Unerlöstheit verbildlichen solle“ (Meixner, S. 449). Der Umstand, dass sich also jemand Lebendiges von einer Statue angezogen fühlt, deutet entweder auf eine innere Gefangenheit hin oder darauf, dass jemand es nicht vollbringt, etwas zu Ende zu bringen
- Tot: Nicht nur die Legende besagt, dass es sich bei Venus um eine, bereits vor langer Zeit verstorbene Figur handelt. Auch ihre stoffliche Beschaffenheit wird nicht zufällig von Eichendorff ausgewählt. Marmor ist ein kaltes und hartes Material, dass gegensätzlich zur Wärme und Weichheit menschlicher Haut steht und nicht-lebendig wirkt
- Verwirrend: Nicht nur Florio besitzt ein zwiegespaltenes Verhältnis zu Venus, sondern auch Fortunato warnt seinen Schützling zwar vor der heidnischen Göttin, verehrt sie allerdings auch in seinem ersten Lied (Abschn. 1, Z. 151 ff.) und nennt sie „klingend und weich“ (Abschn. 1, Z. 172). Dies spiegelt die Kontroverse der Figur der Venus wider: Zum einen handelt es sich bei ihr um eine gefährliche Verführung für Florio, zum anderen verkörpert sie nichtsdestotrotz eine der wichtigsten und verehrtesten Götterfiguren, die je existierten