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Inhaltsverzeichnis

Epoche

Im Rahmen dieser Epocheneinordnung wird zunächst auf die Entstehungsepoche des Theaterstücks das Leben des Galilei eingegangen und daraufhin die historischen und politischen Rahmenbedingungen für die Zeit, in welcher das Drama spielt, analysiert und aufgearbeitet.

Exilliteratur

  • Politisch-historischer Hintergrund: Der Zeitraum dieser Literaturepoche lässt sich ab 1933-1945 einordnen. Damit schließt die Exilliteratur unmittelbar an die Weimarer Klassik an. Ab 1933 besitzt Hitler die Regierungsmacht über Deutschland und verhängt Strafen gegen Autoren, Händler, politische Aktivisten und Bürger, die eine scheinbar anti-deutsche Einstellung vertreten. Aufgrund der prekären Lage in Deutschland bleibt den opportunistischen Schriftstellern nur die Möglichkeit, sich entweder in eine innere Emigration zu begeben, also unterzutauchen, oder aber ins Ausland zu fliehen. Letztere Form des Auswegs wird Exil genannt. Um 1933 suchen die Literaten vorrangig in den Nachbarländern Deutschlands Zuflucht, wobei sie spätestens nach Ausbruch des zweiten Weltkriegs in weiter entferntere Gefilde wie etwa die USA, Lateinamerika oder Russland versuchen zu entkommen
  • Zensur: Unter der Herrschaft des NS-Regimes kommt es vielerorts zu Verboten, die sich gegen Autoren wenden, welche angeblich nicht-arische Inhalte in ihrer Literatur anpreisen. Beispielhaft für die Indizierung zahlreicher, zum damaligen Zeitpunkt in Deutschland situierten Autoren soll die Bücherverbrennung am 10. Mai 1933 genannt werden, welche Hitler kurz nach seiner Machtübernahme anordnet
  • Themengebiete der Exilliteratur: Diese literarische Gattung spricht in erster Linie Anliegen wie das Sehnen nach der entfernten Heimat und Erinnerungen an eine Zeit vor dem Krieg an. Doch auch der Widerstand innerhalb Deutschlands gegen den NS-Staat bildet insbesondere in den Werken innerer Emigranten einen wichtigen Gegenstand. Zuletzt wird in der Exilliteratur aufgeklärt über die Nazizeit, mit dem Ziel, eine Sensibilisierung und ein besseres Verständnis für das Thema Nationalsozialismus zu entwickeln
  • Bertold Brecht: Im Falle Brechts ist zunächst einmal seine Flucht nach Dänemark am 28. Februar 1933 zu vermerken, wo er dann auch die erste Fassung des Theaterstücks das Leben des Galilei verfasst. Der Autor stellt mit seiner marxistischen Lebensanschauung für die Nationalsozialisten die typischen Merkmale eines politischen Gegners dar. Ab 1940 begibt sich der Schriftsteller nach Finnland, da inzwischen deutsche Truppen in Dänemark einmarschiert sind. Da allerdings die geografische Nähe zu Deutschland immer noch eine hohe Gefahr für die meisten verfolgten Autoren bildet, flieht auch Brecht in die Staaten, wo er dann die zweite Fassung des Dramas über Galilei schreibt. Erst 1949 kehrt Bertold Brecht wieder in seine Heimat nach Berlin zurück, nachdem er 16 Jahre ständig auf der Flucht war
  • Form und Stil: Die Gattung Exilliteratur lässt sich in verschiedene politische Kontexte einordnen, die anlässlich politischer Verfolgung eine Flucht aus dem Heimatland einschließen. In Anlehnung an das vorliegende Werk wird die Literaturepoche allerdings im Zusammenhang des Zweiten Weltkriegs beleuchtet. Exilliteratur folgt keiner einheitlichen Form, da der thematische Wissenstransfer eine höhere Gewichtung besitzt als zum Beispiel ein bestimmter stilistischer Aufbau

Historischer und politischer Kontext des Werks

  • Italien im 17. Jahrhundert: Zu Zeiten Galileis besteht Italien aus zahlreichen unabhängigen Staaten, denen alle eine eigene Verfassung zugrunde liegt. Die einzelnen Republiken werden durch Stadtstaaten wie Venedig, Lucca und San Marino vertreten. Insbesondere Venedig gilt als der einflussreichste und mächtigste republikanische Stadtstaat, welcher zwar damals als Demokratie bezeichnet wurde, der heutigen Auffassung dieser Regierungsform jedoch nicht annähernd entspricht. Vielmehr herrscht in italienischen Staaten wie Venedig im 17. Jahrhundert die Alleinherrschaft einer Städtearistrokatie. Letztere findet unter der Führung der Patrizier statt, welche wiederum die Oberschicht des antiken Roms repräsentieren. Parallel zu den Staaten existieren auch noch Fürstentümer wie beispielsweise die Familie di Medici in Florenz und das päpstliche Fürstentum in Rom. Hervorzuheben ist die Stellung des Papstes, der sowohl als kirchliches als auch als weltliches Oberhaupt von Staat und Kirche angesehen wird. Durch die geografische Ausweitung des Osmanischen Reichs werden die Handelswege zum Mittelmeer abgeschnitten und die Wirtschaft Italiens wird dadurch zunehmend in Mitleidenschaft gezogen. Italienische Handelsware findet durch die Streichung der Häfen keine Abnehmer mehr und infolgedessen kommt die italienische Ökonomie zum Erliegen. Als Konsequenz auf die absteigende Wirtschaft kommt es wieder zur feudalen Herrschaftverhältnissen und die arbeitende Bevölkerung greift wieder auf vorrangig landwirtschaftliche Wirtschaftszweige zurück. Da die einzelnen Staaten Italiens keine einheitliche Verfassung beinhalten, weichen die individuellen Umstände in den jeweiligen Stadtstaaten sehr voneinander ab. Etwa in Venedig wird die Wissenschaft unterstützt und respektiert, jedoch schlecht bezahlt. Wiederum im Fürstentum Florenz, welches von der Familie di Medici regiert wird, sind die Gehälter für Forscher höher, jedoch steht der Staat auch unter päpstlichem Einfluss. Letzterer Umstand erklärt auch, weshalb es dem Kardinal Inquisitor möglich ist, Galileo nach Rom rufen zu lassen, um dort über seine Stellung als Wissenschaftler zu richten
  • Geozentrisches Weltbild: Der Begriff geozentrisch stammt von dem altgriechischen Wort geokentrikó. Es handelt sich hierbei um die vorherrschende Auffassung der Beschaffenheit des Universums in Italien zur Zeit Galileis. Ausgegangen wird davon, dass die Erde und der Mensch den Mittelpunkt des Lebens bedeuten und Gott als ihr Schöpfer von oben über sie wacht. Diese Denkweise wird besonders von der Kirche unterstützt, da dieses Weltbild die Präsenz eines Gottes mit einschließt und zudem mit den religiösen Vorstellungen vom Menschen als über allem stehenden Individuum einhergeht. Als wichtiger Vertreter des geozentrischen Weltbildes ist Aristoteles zu nennen. Laut ihm kreisen die übrigen Himmelskörper sowie die Sonne um die Erde, während Letztere unbewegt und zentriert in der Mitte aller Gestirne ruht. Die aristotelische Anschauung lässt sich damit begründen, dass zum damaligen Zeitpunkt die Erde als schwerster Himmelskörper gilt und sich demzufolge im Zentrum des Planetensystems befinden muss. Im Laufe des 17. Jahrhunderts wird das geozentrische Universalmodell von der heliozentrischen Auffassung abgelöst
  • Heliozentrisches Weltbild: Helio bedeutet auf altgriechisch Sonne und lässt bereits den Grundgedanken hinter der gleichnamigen Denkweise vermuten. Die Sonne steht im Mittelpunkt und um sie herum kreisen die übrigen Planeten, darunter auch die Erde. Hauptbegründer der heliozentrischen Theorie ist Nikolaus Kopernikus, wobei man allerdings bereits im alten Griechenland, Indien und in der islamischen Kultur Überlegungen findet, welche Mutmaßungen eines heliozentrischen Weltbildes zulassen. Wenn bisher durch Kopernikus die Ansicht existiert, dass sich die Erde kreisförmig um die Sonne dreht, ruft der Mathematiker und Astronom Johannes Kepler im Laufe des 17. Jahrhunderts eine neue Theorie ins Leben, welche von einer ellipsenförmigen Umkreisung der Sonne ausgeht. Daraufhin wird das neue Weltbild noch entscheidend von Isaac Newton, ebenfalls ein Naturwissenschaftler, fortentwickelt. 1687 entdeckt Newton mit seinem Gravitationsgesetz, dass eine Differenzierung zwischen einer Mechanik auf der Erde sowie im All erforderlich ist und legt zugleich in diesem Zuge auch den Grundstein für die klassische Mechanik. Obwohl diese Auffassung des Planetensystems im weitesten Sinne bis heute gilt, so stellt sich primär die katholische Kirche im 17. Jahrhundert gegen eine Verbreitung dieser bahnbrechenden Entdeckung, und erst ab 1757 gewinnt das heliozentrische Weltbild an öffentlichem Zulauf

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