Kriegserinnerung
Treichel ließ in seiner Erzählung einige historische Kriegserinnerungen einfließen, die im folgenden betrachtet werden sollen.
Flucht
- Die Thematik der Flucht wird durch das Schicksal der Eltern aufgegriffen
- In den Erzählungen der Mutter sind viele historische Details enthalten
- Treichel greift als Basis die Materialien zur Flucht auf, die seine eigenen Eltern gesammelt hatten
Vergewaltigungen
- Es ist historisch belegt, dass mehr als 2 Mio. Frauen und Mädchen auf der Flucht vergewaltigt oder missbraucht wurden
- Im Werk wird dieser Fakt durch „das Schreckliche“ aufgegriffen
- Die Mutter macht mehrfach Andeutungen, dass sie von einem Soldaten vergewaltigt wurde
- Das Trauma setzt sich wie bei vielen Familien auch in der Erzählung über Generationen fort, da das Schweigen die Atmosphäre in der Familie vergiftet
Holocaust
- In der Kantine in Heidelberg unterhält sich die Familie mit einem Leichenwagenfahrer über Verbrennungsöfen
- Der Lobgesang des Leichenwagenfahrers auf die guten Verbrennungsöfen wirkt in Erinnerung an den Holocaust grotesk
- Außerdem wird dieser Gedanke durch die detailreiche Beschreibung von Überresten der menschlichen Knochen noch verstärkt
Fremdenhass
- Durch die Beschreibung des Lebens der Familie wird klar, dass sie in einer feindlich gesinnten neuen Heimat klarkommen mussten
- Der Erzähler etwa scheint ein Außenseiter ohne Freunde zu sein
- Bei der Beschreibung der Gäste beim Schweinekopfessen wird klar, dass es sich dabei wohl auch um Vertriebene handelt
- Auch Prof. Liebstedt hat scheinbar Vorurteile gegenüber der Eltern, nachdem er erfährt, dass sie aus der polnischen Seite von Rakowiec kamen, während seine Familie im rein deutschen Rakowiec I. lebte (Vgl. S 109)
Lastenausgleich
- Durch den Krieg haben viele tausende Menschen ihr Hab und Gut verloren
- Plan der Regierung war es, durch den Lastenausgleich Verluste dieser Menschen finanziell abzufinden
- Im Werk wird dies insofern thematisiert, als angesprochen wird, dass die Eltern nie etwas bekommen haben
- In der Familie war der Lastenausgleich früher wohl häufig Thema und vor allem die Mutter hat nie verkraftet, dass sie leer ausgegangen sind
- Dagegen wird nie erwähnt, dass der Vater seinen Hof in Rakowiec selbst nur durch eine vom NS-Regime völkerrechtswidrige Vertreibung bekommen hat und dadurch den ursprünglichen Besitzern zugefügt hat, was später ihm von den Russen zugefügt wurde