Kaufmann Block
Kaufmann Block
Kaufmann Block erscheint im Kapitel Kaufmann Block / Kündigung des Advokaten. Von Leni wird er mit „Rudi“ angesprochen (Kap. 8, Z. 109). Seine Gestalt und sein Auftreten sind wenig imposant - Block ist ein „kleiner dürrer Mann mit Vollbart“ (Kap. 8, Z. 41) -, weshalb K. sich ihm überlegen wähnt und ihn herablassend behandelt. Später hört K. ihm aufmerksam zu, da sich Block mit den schier unendlichen Verästelungen des Gerichts gut auszukennen scheint. K. ärgert sich dann sogar, als Leni „liebevoll, aber doch auch herablassend“ zu Block spricht, da er für sie einen „gewissen Wert“ hat (Kap. 8, Z. 401).
Block besitzt ein Getreidegeschäft, das anfangs sehr gut lief. In Geschäftsdingen wird er bereits seit 20 Jahren von Huld vertreten und ist laut Leni eine „große Kundschaft des Advokaten“ (Kap. 8, Z. 117 f), was nicht zu Hulds verächtlichem Verhalten seinem Mandanten gegenüber passt. Vor über 5 Jahren begann Blocks Prozess, nachdem seine Frau gestorben war. Laut der Aussage eines Richters, die der Advokat
am Ende des Kapitels wiedergibt, ist es allerdings unklar, ob der Prozess überhaupt schon begonnen hat.
Interessant sind die Parallelen zwischen dem Verlauf von Blocks Prozess und dem Verfahren gegen K. Block erzählt, dass er sich anfangs in einer ähnlichen Situation befunden habe. Er sei mit der Arbeit des Anwalts unzufrieden gewesen, weil es keine greifbaren Fortschritte gegeben habe. So habe er weitere Anwälte dazugeholt, ohne dass sich etwas geändert habe - noch immer habe es keine Hauptverhandlung gegeben. Die Gemeinsamkeit zwischen Block und K. besteht also darin: Je stärker sich die Angeklagten mit ihrem Prozess beschäftigen, desto mehr fixieren sie sich auf ihn, ohne jedoch Fortschritte zu erzielen. Damit einher geht der berufliche und persönliche Niedergang. Aufgrund der Erfahrenheit Blocks in Gerichtssachen steigt dieser in K.s Achtung und wird zu einer weiteren Bezugsperson.
Block dient vor allem als Beispiel dafür, wie sich Angeklagte verhalten, die ihre gesamte Konzentration auf ihre Verteidigung richten und damit als mahnendes Beispiel für K.: Block legt vor Huld jede Würde ab, um sich dessen Rückhalt zu versichern. Er macht sich fast zum Sklaven des Anwalts. K. ist schockiert über die Behandlung Blocks und sieht vor sich keinen Klienten, sondern den „Hund des Advokaten“ (Kap. 8, Z. 816), was wiederum auf K.s eigenes Ende verweist. Der Kaufmann jedoch will für sein demütiges Verhalten nicht ausgerechnet von K. verachtet werden. Er selbst sieht sich mindestens auf Augenhöhe mit ihm, einem weiteren Angeklagten (vgl. Kap. 8) - zumindest sagt er dies vor dem Advokaten, vor dem er sich anders verhält als in der Unterredung mit K.