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Frauenfiguren im Werk

Dominantes Verhalten

Im Zuge dieser Analyse werden die Verhaltensweisen der verschiedenen Frauenfiguren im Werk untersucht und anschließend ein Resümee über den Grund hinter der sehr dominanten Darstellungsweise dieser Damen gezogen. Im Folgenden werden die Figuren derjenigen Damen analysiert, welche ein dominantes Erscheinungs- oder Charakterbild aufweisen. Außerdem wir untersucht, in welchem Verhältnis die Damen zum Protagonisten stehen und inwiefern daraus Rückschlüsse auf Kafkas eigenes Leben und die Frauen darin zu ziehen sind. Die Wahl ist hierbei auf das Dienstmädchen Johanna Brummer, Klara, die Tochter Pollunders sowie die Oberköchin Grete Mitzelbach und Therese Berchtolt gefallen. Eines haben alle die ersten beiden Figuren gemein: Sie lösen beim männlichen Protagonisten ein Unbehagen aus, welches durch (sexuelle) Übergriffigkeit verursacht wird. Hingegen Grete Mitzelbachs Dominanz ist weniger offensichtlich als die Johannas und Klaras. In Therese wiederum lässt sich kein einziger dominanter Charakterzug erkennen.

Johanna Brummer

Bei Johanna Brummer handelt es sich um das Dienstmädchen, welches im Elternhaus Karls angestellt ist und welches Karl schwängert. Johanna ist mit ihren 35 Jahren mehr als doppelt so alt wie der halbwüchsige Sohn ihrer Arbeitgeber. Wir erfahren, dass die Frau dem jungen Rossmann gegenüber zu Übergriffen physischer Natur neigt sowie ihn derart bedrängt, dass der Siebzehnjährige zu weinen beginnt (vgl. S. 31). Die Präsenz Johanna Brummers versetzt Karl in Angst und Schrecken, sodass er sich eingeschüchtert nicht traut, sich gegen sie zu behaupten. Brummers Annäherungsversuche empfindet Rossmann als „widerlich“ (S. 31, Z. 27) und hegt „keine Gefühle für jenes Mädchen“ (S. 30, Z. 27). Mit ihrer dominanten Art stülpt Johanna dem unerfahrenen Protagonisten ihre Anwesenheit über. Während man beim anfänglichen Erwähnen Karls, der das Dienstmädchen geschwängert haben soll, an eine Affäre denkt, verflüchtigt sich diese Annahme schnell. Spätestens dann, als man als Leser erfährt, dass das Stelldichein zwischen Johanna und Karl eher einer Vergewaltigung gleichkommt, verändert sich das Bild der Beziehung zwischen den beiden drastisch.
Unklar bleibt, weshalb Karls Eltern ihren Sohn fortschicken, obwohl er Opfer eines Übergriffs wurde. Ob Rossmann seinen Eltern nie von dem Missbrauch erzählt hat oder ob sie ihn trotz des Wissens darüber rauswarfen, bleibt unerläutert. Denkbar ist auch, dass der Protagonist seinen Eltern aus Scham über das Geschehene verschweigt, was wirklich vorfiel. Festzuhalten bleibt, dass erst durch die Schwangerschaft Johannas Karls Exil hervorruft. Demzufolge verursacht Brummer die Verstoßung des Protagonisten aus der Heimat.

Klara Pollunder

Klara ist die Tochter von Karls Onkels Arbeitskollegen Pollunder. Ihre Dominanz zeigt sich sowohl in ihrer physischen Erscheinung, die in Form eines „vom Sport gestählten Körper“ (S. 64, Z. 1) erscheint. So bereitet es ihr auch keinerlei Anstrengung, den Protagonisten durchs Zimmer zu tragen (vgl. S. 63). Darüber hinaus besitzt Klara auch ein sehr herrisches Wesen und ist es demzufolge gewöhnt, zu bestimmen. Als ihr Karl etwa nicht Folge leistet, übt sie an ihm kurzerhand eine „fremdartige Kampftechnik“ (S. 64, Z. 17), die den jungen Mann außer Gefecht setzt. Doch auch Klaras Charakterzüge, die Karl als „wahnsinnig“ (S. 64, Z. 24) wahrnimmt und die ihn in „Wut und Scham“ (S. 64, Z. 23) versetzen, weisen starke dominante Züge auf. Die junge Frau sucht einerseits Karls Nähe, doch die Art und Weise, in welcher sie sie einfordert, ist von Brutalität und Rücksichtslosigkeit gekennzeichnet.
Kurz nach der Auseinandersetzung mit Klara im Landhaus ihres Vaters findet die zweite Verstoßung Karls statt. Wäre Rossmann nicht von Klara aufgehalten worden, hätte er sich früher zurück zu seinem Onkel begeben und somit das gestellte Ultimatum einhalten können.

Grete Mitzelbach

Der Oberköchin im Hotel Occidental, welche einer gemütlichen, runden und anpackenden Mutterfigur gleicht, verdankt Karl seine Anstellung als Liftboy. Dominante Züge lassen sich bei der aus Wien stammenden Grete Mitzelbach vor allem an ihrer äußeren Erscheinung einer korpulenten Dame mittleren Alters sowie ihrem energischen Charakter finden. Allerdings missbraucht Mitzelbach anders als die bereits erwähnten Frauenfiguren ihren Einfluss und ihre körperliche Überlegenheit nicht, um Karl in die Enge zu treiben. Stattdessen setzt sie sich anfangs für das Wohl des Jungen ein, indem sie ihn mit Essen versorgt, ihm eine Übernachtungsmöglichkeit und schließlich eine Anstellung anbietet und stellt eine Art Mutterfigur für den jungen Mann dar.
Gretes Einfluss, der Karl zu Beginn ihres Kennenlernens imponiert, stößt jedoch spätestens zum Zeitpunkt seiner Kündigung an seine Grenzen, sodass sie dann nur hilflos mitansehen muss, wie Karl entlassen wird. Diese Ohnmacht zum Ende hin ist damit in Verbindung zu setzen, dass Kafka selbst ein schwaches Männern untergeordnetes Bild seiner eigenen Mutter hat.

Therese Berchtolt

Therese arbeitet als Sekretärin der Oberköchin, stammt aus Pommern und ist mit ihren 18 Jahren nur wenig älter als Karl. Gegenüber dem Protagonisten verhält sich Therese ab Beginn an sehr freundlich, rücksichtsvoll und hilfsbereit. Im Laufe der Zeit entwickelt sich zwischen Therese und Rossmann eine Freundschaft, im Zuge derer die junge Frau Karl auch ihre schwere und schicksalhafte Vergangenheit anvertraut. Als Karl entlassen wird, geht Therese der Abschied von ihrem neu gewonnenen Freund so nahe, dass sie weinen muss.
Bereits der Vater des Prager Autors warnte vor Beziehungen in die Unterschicht. Die Verbindung, welche Karl mit Therese eingeht, stellt eine solche Verletzung der Ständegesellschaft dar und ist deshalb in den Augen des Autors zum Scheitern verurteilt. So trifft der tragische Umstand ein, dass die einzige Person, welcher sich Karl richtig anvertrauen konnte, unterhalb seines Standes ist und damit für ihn unerreichbar bleibt.

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