Wille
Mario und der Zauberer beschäftigt sich abgesehen von der politischen Komponente auch mit dem Willen bzw. der Willensfreiheit des Menschen.
Definition Wille
- Wille meint das Festlegen von Zielen, das Umsetzen dieser Vorstellungen in die Realität, sowie ein bewusstes und absichtsvolles Handeln
- Der Wille und vor allem die Willensfreiheit ist die Fähigkeit, sich selbstbestimmt für bestimmte Handlungen zu entscheiden
- Auch das Unterlassen bzw. Vermeiden einer Handlung, wie etwa Drogen zu konsumieren, kann die Verwirklichung des eigene Willens sein
- Der freie Wille bzw. die Willensfreiheit ist die subjektiv empfundene Überzeugung, in seinem eigenen Wollen und Tun frei zu sein
- Willensfreiheit hängt damit stark mit der Handlungsfreiheit des Menschen zusammen, welche beschreibt, dass ein Mensch frei zwischen Handlungsoptionen wählen kann
- Der Begriff der Willensfreiheit ist umstritten, da der Wille und die Entscheidungen eines Menschen immer beeinflusst werden; ob z.B. durch Erziehung, das Umfeld oder politische Grundsätze
Faschismus & freier Wille
- Im Faschismus und bei Diktaturen ist es das Ziel der Machthaber, die Willensfreiheit beim Volk zu unterdrücken
- Alle Bürger sollen die Ideologie des Führers übernehmen und als eigenen Willen verinnerlichen
- Die freie Meinungsbildung wird durch Zensur und einseitige Berichterstattung sowie Manipulation verhindert
- Das Volk wird unablässig mit den Ansichten und Meinungen der führenden Partei indoktriniert
- Selbst die Wahlen werden geschickt fremdgesteuert, um die Macht der Diktatur zu erhalten
- Die Handlungsoptionen der Bürger werden durch Gesetze, Angstmache und Kontrolle eingeschränkt
- Personen, die das System kritisieren oder Widerstand leisten, werden öffentlichkeitswirksam bestraft und beseitigt
Willensfreiheit im Werk
- Um zu fördern, dass alle Italiener die faschistische Ideologie leben, wird an dem Erzähler und seiner nackten Tochter ein Exempel statuiert durch die hohe Geldstrafe
- Vor allem aber Cipolla unterdrückt durch seine Hynose die Willensfreiheit der Menschen
- Weil ein junger Mann im Publikum bei Cipollas Kartentrick beweisen will, dass er sich nicht fremdbestimmen lässt, erklärt der Hypnotiseur: „An dem Ergebnis wird ihr Widerstand nichts ändern. Die Freiheit existiert, und auch der Wille existiert; aber die Willensfreiheit existiert nicht, denn ein Wille, der sich auf seine Freiheit richtet, stößt ins Leere. Sie sind frei, zu ziehen oder nicht zu ziehen. Ziehen Sie aber, so werden Sie richtig ziehen, - desto sicherer, je eigensinniger Sie zu handeln versuchen.“ (S. 67) Worte, mit denen er Recht behalten sollte
- Als der junge Bursche Giovanotto gegenüber Cipolla aufmüpfig wird, unterdrückt dieser exemplarisch dessen freien Willen und lässt ihn sich vor vermeintlichen Schmerzen krümmen, obwohl Giovanotto versuchte, sich zu weigern (Vgl. S. 55 ff.)
- Cipolla spricht offen an, dass die Willensfreiheit nur bedingt existiert, als er Giovanotto fragt: „Du tust, was du willst. Oder hast du schon einmal nicht getan, was du wolltest? Oder gar getan, was du nicht wolltest?“ (S. 43)
- Cipolla pervertiert die Willensfreiheit sogar, indem er die Menschen dazu bringt, es als Freiheit und Erlösung vom Leid zu empfinden, sich dem fremden Willen zu ergeben
- Cipollas Reitpeitsche ist ein Symbol für die entwürdigende, aber trotzdem als lustvoll und befreiend empfundene Unterwerfung unter den fremden Willen