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Luise

Luise ist ein ausgesprochen schönes Mädchen von gerade einmal 16 Jahren. Ihr Leben wird von Autoritäten bestimmt: Als frommes Mädchen ist sie kirchenhörig, weshalb sie auch die Liebe zu Ferdinand aufgibt (vgl. S. 65), als Tochter achtet sie das Wort ihres Vaters. Jedoch findet sie auch, dass ihre Liebe zu Ferdinand von Gott gegeben ist (S. 90). Offensichtlich führt diese Liebe zu einem Gewissenskonflikt, da sie einerseits Ferdinand inniglich liebt und Gott hierfür verantwortlich macht, andererseits hält diese Liebe eine Sünde und meint, dass sie gegen die gottgewollte Ständeordnung verstoße. Luise will sich aus diesem Konflikt durch Selbstmord befreien und hofft auf eine Selbsttötung Ferdinands, damit sie im Jenseits, losgelöst von allen Ständeschranken, frei und in Liebe vereint sein können. Ihr Vater weist sie aber darauf hin, dass Selbstmord die größte Sünde sei. Das Patriarchat und die bürgerlich-christliche Moral, die ihr Vater vertritt, sind ihr letzten Endes wichtiger als die Liebe zu Ferdinand, der mit ihrer Liebe zum Vater nicht konkurrieren kann.
Ferdinand hat sie nichtsdestotrotz innig und ehrlich geliebt. Dass sie ohne ihn nicht leben wollte, zeigt, wie viel er ihr bedeutet. Andererseits ist sie nicht so schwärmerisch wie Ferdinand und kann ihre Liebe durchaus vernünftig reflektieren. Luise weiß, dass ihre Liebe gesellschaftlich nicht möglich ist und hat zudem noch moralische Zweifel. Den Wert der Familie hält sie für höher als den Wert der Liebe, weshalb Luise ihren Anspruch auf Ferdinand aufgibt. Sie tut das aber nicht nur für ihre eigene Familie, sondern auch, um Ferdinand die Versöhnung mit seinem Vater zu ermöglichen. Dieser Verzicht ist keine kalte Aufgabe, sondern eine Aufopferung Luises. Moralisch standfest lässt sie sich von der Liebe nicht zu Unrecht verleiten.
Luise zeigt mehrmals im Dramenverlauf eine beachtliche Größe. Im Gespräch zu Lady Milford ist Luise aufrichtig und vom Zorn der Lady unbeeindruckt, kann leicht hinter deren Fassade sehen und bringt sie mit der Frage, ob sie denn glücklich sei, aus der Fassung. Vor Mächtigen schreckt sie nicht zurück und zeigt ihre edle Gesinnung, sodass sie sogar die selbstbewusste Lady dazu bringt, ihr Verhalten zu ändern und das Land zu verlassen. Groß, aber tragisch ist auch die Behauptung, den falschen Liebesbrief geschrieben zu haben, selbst als Ferdinand vermutet, dass sie hierbei lügt. Luise nimmt damit größte seelische Qualen auf sich, um ihre Familie zu retten.
Luise repräsentiert das Frauenideal der Stürmer und Dränger: Sie ist fromm, hübsch und sinnlich. Trotz ihrer Schönheit und Leidenschaftlichkeit ist sie aber nicht wollüstig und immer zart und treu. Dem Sturm und Drang entsprechend beweist sie gefühlvolle Größe und ist keine seelenlose Puppe. Luise fällt aber nicht aus dem Rollenbild der Frau Ende des 18. Jahrhunderts heraus, denn sie ist niemals rebellisch und betont Christentum, Familie, Harmonie und Moral. Auch Stürmer und Dränger wie Schiller betonten ein „natürliches, weiches“ Wesen der Frau, sie sprachen sich für neue Geschlechterrollen aus und nicht für das Fehlen solcher.

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