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Kapitel 2-8: Beziehung und punktuelles Glück

(2) In einer Rückblende beginnt E. das Geschehene zu erzählen. Er lernt Agnes im April in der Public Library kennen, als er Recherche für sein neues Sachbuch betreibt. Ihre Gegenwart - sie setzt sich ihm direkt gegenüber - verunsichert ihn und raubt ihm die innere Ruhe, woraufhin er die Bibliothek verlässt, um eine Zigarette zu rauchen. Wie wir erfahren, kennt E. niemanden in Chicago, was sich erst ändert, als Agnes neben ihm auf der Freitreppe vor der Bibliothek Platz nimmt. Dem gängigen Klischee entsprechend kommen sie ins Gespräch, als E. ihr Feuer anbietet.
(3) In den nächsten Tagen sehen sie sich in der Bibliothek wieder,
(4) bis E. Agnes in ein Restaurant einlädt. Vor dem Restaurant liegt eine tote Frau, die nicht älter ist als Agnes. Nach dem Essen kommen sie auch auf das Thema Tod zu sprechen, wobei Agnes kühl feststellt, dass E. nicht lange über diesen Gegenstand nachgedacht hat.
(5) Am Ende des Abends schlafen sie miteinander, wobei es für Agnes das erste Mal ist, was stark mit der nüchternen, leidenschaftslosen Schilderung E.s kontrastiert. Als sie in der Dämmerung erwachen, fragt Agnes, ob E. Bücher schreibe, weil er keine Kinder habe. Damit taucht ein Motiv erstmals auf, das im Laufe der Romanhandlung an Bedeutung gewinnt: Das Spurenhinterlassen. Während E. meint, er wolle nicht ewig leben und keine Spuren hinterlassen, entgegnet ihm Agnes einfach „Doch“.
(6) Dieses Motiv kehrt im nächsten Kapitel wieder. Der Doktorandin Agnes - sie hat eine Assistenzstelle an der Universität inne - gefällt der Gedanke, dass andere, die sich mit ihrem Thema befassen, eines Tages auf ihre Dissertation stoßen werden. Wie im weiteren Gesprächsverlauf klar wird, ist es Agnes wichtig, nicht spurlos von der Welt zu verschwinden. Auch erfahren wir von ihrer problematischen Beziehung zu ihrem Vater und davon, dass E. früher versucht hat, einen Roman zu schreiben.
(7) E. erzählt, dass er sich wieder besser auf seine Arbeit konzentrieren kann, seit er Agnes kennt. Nun befindet er sich im Zug nach New York, weil er auf Bücher von dort angewiesen ist. In diesem Zug sitzt er neben einer überaus dicken Frau, die gemäß seiner Beschreibung („[sie] roch nach altem saurem Schweiß. Ihr weiches Fleisch quoll über die Armlehne zwischen uns“) widerlich anmutet. Sie liest ein Buch mit dem Titel What Good Girls Don‘t Do - offensichtlich eine Anleitung zu schmutzigem Sex, was die Szene grotesk wirken lässt.
Wenngleich das Kapitel die Handlung nicht vorantreibt, hat es Verweischarakter: Zum einen steht die Aussage „es war mir nicht möglich, ihrer Berührung auszuweichen“ für generelle Berührungsängste des Erzählers, der darauf bedacht ist, Distanz zu wahren und anonym zu bleiben. Zum anderen thematisiert das Kapitel die Liebe zwischen zwei Unbekannten, vergleichbar mit der Geschichte von Herbert und der Frau (3).
(8) E. kommt aus New York zurück und betritt erstmals Agnes‘ Wohnung, die auf ihn unbelebt wirkt. In diesem Kapitel finden sich zahlreiche intertextuelle Bezüge. Dies bedeutet, dass konkrete Bezüge zu anderen literarischen Texten oder Kunstformen auftauchen. Besonders interessant ist hier Oskar Kokoschkas Mörder, Hoffnung der Frauen, da es auf Beginn („Eine Geschichte hat [Agnes] getötet.“) und Ende des Romans verweist. Agnes erzählt E. von Herbert und lässt ihn eine von ihr geschriebene Kurzgeschichte lesen, die ebenfalls Parallelen zum Romanbeginn hat und die innere Distanziertheit zwischen ihr und E. bei gleichzeitiger körperlicher Nähe betont. E. gibt zu verstehen, dass die Geschichte wie eine mathematische Formel wirke, dabei muss er sich eingestehen, dass sie besser geschrieben ist als alles, was er „in den letzten zehn Jahren geschrieben“ hat. Demnach ist sein Urteil durch Neid getrübt.
Im weiteren Verlauf des Kapitels taucht zum ersten Mal die Punktmetaphorik auf. Agnes zeigt E. ihre Arbeiten über Symmetrie, wobei dieser auf den Glasplatten überall winzige Punkte erkennt. Das Geheimnisvolle ist für sie jedoch die Leere in der Mitte, die Punkte befinden sich also außen, wie auch die Lichtpunkte auf dem Bildschirmschoner ihres Computers.

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