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Stilmittel

Im Nachfolgenden wird eine Auswahl der Stilmittel aus dem bürgerlichen Trauerspiel Emilia Galotti vorgestellt und anhand beispielhafter Textstellen in ihrer Wirkungsweise sowie Beschaffenheit analysiert.
  • Anakoluth: „Hämisch ist der Affe; aber -“ (Aufz. 2, Auft. 10, Z. 137)
    \(\rightarrow\) Der Abbruch oder Unterbrechung eines Satzgefüges. Nach dieser Störung ist es möglich, dass ein Satz mit veränderter syntaktischer Struktur oder gar ungrammatisch fortgeführt wird. Dieses Stilmittel verstärkt das von dem Sprecher ausgehende Gefühl von Unruhe und Trubel

  • Anapher: „Ich bin beschäftiget. Ich bin nicht allein“ (Aufz. 4, Auft. 4, Z. 13 f.), „So bin ich verloren! - So will ich nicht leben!“ (Aufz. 1, Auft. 6, Z. 150 f.)
    \(\rightarrow\) Hiermit ist eine einmalige oder mehrmalige Wiederholung eines Wortes oder eines Satzes zu Beginn des jeweiligen Textabschnitts gemeint. Das Wort oder der Textabschnitt kann beliebig oft hintereinander auftauchen. Diese rhetorische Figur dient der Strukturierung und Rhythmisierung des Textes

  • Antithese: „Mit dem lustigsten Wesen sagte sie die melancholischsten Dinge: und wiederum die lächerlichsten Possen mit der allertraurigsten Miene.“ (Aufz. 1, Auft. 6, Z. 53 f.), „Nie hätte meine Andacht inniger, brünstiger sein sollen, als heute: nie ist sie weniger gewesen, was sie sein sollte.“ (Aufz. 2, Auft. 6, Z. 28 f.)
    \(\rightarrow\) Wenn wir zwei widersprüchliche Inhalte werden einander gegenüber stellen, sprechen wir von einer Antithese, also einer These, die antagonistisch (konträr) zu einer anderen These fungiert. Verwendet wird dieses Stilmittel, um einen Sachverhalt besonders hervorzuheben, es verstärkt also die Wirkung beim Leser

  • Apokope: „Ich war so ruhig, bild ich mir ein“ (Aufz. 1, Auft. 1, Z. 20 f.), „[...] wollt ich sagen“ (Aufz. 1, Auft. 1, Z. 36), „[...] ich wär es zufrieden“ (Aufz. 1, Auft. 3, Z. 8), „Eben das wollt' ich in die Seele der Orsina schwören“ (Aufz. 1, Auft. 6, Z. 169 f.)
    \(\rightarrow\) In einer Apokope wird der letzte Buchstabe oder die letzte Silbe eines Wortes weggelassen

  • Chiasmus: „Nichts klingt in dieser Sprache wie Alles: und Alles in ihr ist so viel wie Nichts“ (Aufz. 2, Auft. 6, Z. 161 f.)
    \(\rightarrow\) Die diagonale Gegenüberstellung zwei gleichwertiger Wörter oder Inhalte. Im vorliegenden Beispiel werden etwa die Begriffe „Nichts“ und „Alles“ in aufeinanderfolgenden Satzteilen verwendet, doch nicht in identischer Reihenfolge, sondern nach dem Doppelpunkt spiegelverkehrt. Das Schema sieht in diesem Fall so aus: Nichts - Alles - Alles - Nichts

  • Epipher: „Hätte es mir bloß geträumet? [...] Leider nicht bloß geträumet!“ (Aufz. 4, Auft. 5, Z. 38 ff.), „Was hab ich hören müssen? Und wo, wo hab ich es hören müssen?“ (Aufz. 2, Auft. 6, Z. 16 f.)
    \(\rightarrow\) Eine oder mehrmalige Wiederholung eines oder mehrerer Wörter am Satzende. Das Gegenstück zur Epipher stellt damit die Anapher dar

  • Exclamatio: „O das wahre Original!“ (Aufz. 1, Auft. 4, Z. 31), Bei Gott! (Aufz. 1, Auft. 4, Z. 93), Ha, Mörder! (Aufz. 3, Auft. 8, Z. 75)
    \(\rightarrow\) Diese Art der Interjektion oder des Ausrufs soll die Emotionalität des Sprechers unterstreichen, indem beispielsweise durch das „O“ eine Verstärkung der Emotionalität des Gesagten betont wird

  • Klimax: „Eine Höflichkeit wird in ihr zur Empfindung; eine Schmeichelei zur Beteurung; ein Einfall zum Wunsche; ein Wunsch zum Vorsatze.“ (Aufz. 2, Auft. 6, Z. 159 ff.)
    \(\rightarrow\) Eine Klimax lässt sich daran erkennen, dass eine Steigerung des Gesagten stattfindet und somit die Intensität der Aussage zum Höhepunkt gebracht wird. Dieses Stilmittel erzielt eine Verstärkung der Aussage

  • Metapher: „der Schritt, den er heute Morgen in der Kirche getan [...] - dass dieser Schritt dennoch nicht in den Tanz gehörte“ (Aufz. 4, Auft. 1, Z. 132 ff.)
    \(\rightarrow\) Durch die Einbettung in einen neuen Kontext wird einem Wort eine andere Bedeutung zugesprochen. Metaphorisch meint auch das Gesagte weniger wortwörtlich, sondern sinnbildlich zu interpretieren. Marinellis Aussage über den Schritt im Tanz ist so zu interpretieren, dass der Prinz Emilia nicht persönlich hätte aufsuchen sollen, da dies nicht Teil des ursprünglichen Plans war

  • Rhetorische Frage: „Aber ich blickte nicht um; ich wollte tun, als ob ich es nicht hörte. - Was konnt ich sonst?“ (Aufz. 2, Auft. 6, Z. 59 f.), „Was für ein albernes, furchtsames Ding ich bin! - Nicht, meine Mutter?“ (Aufz. 2, Auft. 6, Z. 151 f.)
    \(\rightarrow\) Eine rhetorische Frage unterscheidet sich dahingehend von einer herkömmlichen Frage, dass sie keine Antwort erwartet, also weniger um der Antwort willen gestellt wird, sondern vielmehr zu einem beeinflussenden und beurteilenden Zweck. Anhand des zweiten Beispiels ist etwa bereits eine Wertung aus der Frage herauszuhören? Nämlich, dass sich Emilia für kindisch hält. Sie stellt ihrer Mutter die nachfolgende Frage nicht aus Interesse, sondern um sich in ihrer bereits existierenden Meinung zu bestätigen

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