Oliviers Erzählung
Die Szene weckt Erinnerungen an den mysteriösen Anfang. Brusson wird von Desgrais um Mitternacht in das Haus von Scuderis gebracht. Man lässt sie alleine mit dem ehemaligen Golschmiedsgehilfen. Das Fräulein ist gespannt, sie meint im Gesicht des vor ihr knienden Jünglings dessen gute Absichten zu entdecken. Dieser spricht seine Verehrung für sie aus und betrauert, dass sie ihn nicht erkenne. Er beginnt nun seine Erzählung, die (fast) alle Geheimnisse, Andeutungen und Unklarheiten der Novelle aufdeckt. Olivier offenbart sich dem Fräulein als Sohn Anne Guiots, eines armen Mädchens, das von Scuderi aufgenommen und aufgezogen hatte.
Von Scuderi erinnert sich an die herzensgute Pflegetochter und deren rechtschaffenen Geliebten, Claude Brusson, ein talentierter Uhrmacher. Aus dieser glücklichen Ehe war nun Olivier hervorgegangen, zu dem von Scuderi gleich Liebe gefasst hatte. Sie hatte sich gemeinsam mit Anne um seine Erziehung gekümmert. Claude war aber mit Frau und Kind in seine Heimatstadt Genf gezogen. Olivier erzählt nun weiter: Die Familie verarmte in Genf, seine Eltern starben in kurzen Abständen, wenige Zeit, nachdem er bei einem Goldschmied in die Lehre gegangen war. Er erwies sich als tüchtiger Lehrling, ein Kunde riet ihm schließlich, nach Paris zu ziehen und bei René Cardillac zu lernen, da niemand sonst ihm mehr etwas beibringen könne. Olivier beherzigte diesen Rat und es gelang ihm, Cardillac durch eine Probearbeit von seinem Können zu überzeugen. Er wurde als Geselle aufgenommen und verliebte sich in die Tochter seines Meisters, Madelon. Der Vater entdeckte jedoch die verborgene Liebe und warf Olivier kurzerhand aus dem Haus. Da Olivier Madelon aber so sehr liebte, schlich er sich Nachts regelmäßig zu Cardillacs Haus in der Hoffnung, mit Madelon sprechen zu können. In einer Mitternacht bemerkte er, wie Cardillac aus einem Geheimgang in der Mauer trat. Übles ahnend folgte er ihm in eine Gasse. Cardillac fiel einen Passanten an. Olivier sprang hinzu, doch zu spät - der Passant lag bereits erstochen auf der Straße, Cardillac bemerkte Olivier und flüchtete. Der Lehrling berichtet, wie ihn der Vorfall zutiefst bestürzt habe. Nie habe er gedacht, dass Cardillac ein Mörder sein könne.
Das heimtückische Wesen Cardillacs offenbarte sich am nächsten Tag. Cardillac besuchte Olivier in seiner Unterkunft und bot ihm in freundlichem Tonfall an, wieder in seiner Werkstatt zu arbeiten und sprach ihm seinen Segen für Madelon zu. Er warnte ihn ausdrücklich, ihn bei la Regnie anzuzeigen, da Cardillac als angesehener Bürger gelte und der Vorwurf auf Olivier zurückfalle. Der plötzliche Gesinnungswandel Renés erklärt sich danach. Madelon war nach Oliviers Entlassung krank geworden, da sie sich so sehr nach ihm sehnte. Cardillac sah keine andere Chance, ihr Leben zu retten, als den unliebsamen Lehrling mit ihr zu vereinigen. Aus Liebe zu Madelon erklärte sich Olivier einverstanden, doch plagte ihn sein Gewissen, da er Cardillac verachtete, ihn aber nicht verraten wollte, um Madelons Bild von ihrem Vater nicht zu zerstören.
Von Scuderi ist entsetzt darüber, dass René Cardillac nicht bloß ein Mitglied der Bande von Räubern und Mörder war, sondern dass er alle Verbrechen allein verübt hat. Olivier berichtet ihr vom weiteren Geschehen.
Eines Tages rief Cardillac seinen Gehilfen zu sich, er wolle ihm den Grund für seine Morde nennen. Er schob seine Verbrechen einem bösen Stern zu, der in ihm den Trieb erweckt habe, zu töten. Cardillac begann seinerseits eine Erzählung, die die schicksalhaften Umstände beschrieb, die ihn zu dem gemacht hatten, was er war.
Cardillac sah seinen Werdegang durch Einflüsse während der Schwangerschaft seiner Mutter als vorherbestimmt an. Bei einem Hoffest in Trianon, einem Lustschloss des Königs, hatte sie einen mit Juwelen reich geschmückten Mann in spanischer Kleidung entdeckt, der ihr früher Avancen gemacht hatte. Damals hatte sie ihn abgewiesen, aber seine Juwelenkette hatte Begierde in ihr entfacht, dass der Mann in ihren Augen nun zum „Inbegriff aller Schönheit“ (S. 55) geworden war. Sie hatte sich in Trianon mit ihm eingelassen. In dem Moment, an dem er sie umarmt und sie nach seiner Kette gegriffen hatte - womit sich ihr wahres Verlangen offenbart -, war er gestorben. Sie hatte sich nicht aus den starren Armen des Toten befreien können und hatte einen Schock erlitten. Nach einer kurzen Krankheit war sie aber wieder zu Kräften und Cardillac gesund auf die Welt gekommen. Das Fest hatte Cardillac aber geprägt, schon früh hatte er eine Leidenschaft für Juwelen und Gold gezeigt. Die Züchtigungen seines Vaters hatten seine Diebstähle nicht verhindern können. Schließlich war er Goldschmied geworden, um seine Leidenschaft ausleben zu können. Die Eigenarten Cardillacs erklären sich: Er hatte den Schmuck als sein Eigentum angesehen und einen Hass auf seine Kunden entwickelt, die ihm sein Werk nahmen. Der Kauf seines Hauses, welches über bereits erwähnten Geheimgang verfügte, hatte seine Morde ermöglicht, nun hatte er sich Nachts herausschleichen und seine ehemaligen Kunden töten und den Schmuck rauben können, wodurch er seine innere Ruhe wiederherstellte.
Cardillac offenbarte sich Olivier als Triebtäter, der auch Gnade walten lassen könne, indem er manche Aufträge für Personen, die er schätze, gar nicht erst annehme. Er zeigte Olivier seine geheime Schmucksammlung, in welcher jedes Stück mit einem Zettel versehen war, das den früheren Besitzer kennzeichnete. Cardillac stellte eine gewisse Reue zur Schau. Er war nicht stolz auf seine Verbrechen, sagte, er ließe seine Opfer am Leben, wenn er ein Mindestmaß an Kontrolle über seinen bösen Stern erhielte. Er forderte, dass Olivier den Schmuck nach seinem Ableben vernichtet. Tief verstört verriet Olivier seinen Meister immer noch nicht, da seine Liebe stärker war als sein Schuldbewusstsein.
Wie von Scuderi in den Besitz des Schmucks kam, klärt sich nun ebenfalls auf. Eines Tages kam Cardillac heiter in die Werkstatt und zitierte die Verse, die von Scuderi dem König aufgesagt hatte. Er lobte ihre Tugend und dachte, dass ihre Rechtschaffenheit über den bösen Stern siegen müsse. Um seine Seele zu retten, wollte er ihr als Inkarnation (Fleischwerdung) der Tugend selbst ein Geschenk darbieten. Olivier sollte den Schmuck überreichen. Dieser erinnerte sich an die Liebe, die ihm von Scuderi als jungem Knaben entgegengebracht hatte und erhoffte sich von ihr Rettung aus dem Dilemma, in dem er sich befand. Das Geheimnis um die Mitternacht lüftet sich, das Verhalten des verzweifelten Olivier ist für den Leser nun nachvollziehbar.
In den Monaten nach der Übergabe des Schmucks war Cardillac aber wieder unruhig geworden, er bereute sein Geschenk. Olivier sorgte sich daher um das Wohl von Scuderis, weshalb er ihr den Zettel mit der Warnung in die Kutsche warf. Um sie zu schützen, war er in der Nacht von Cardillacs Tod seinem Meister auf die nächtlichen Straßen gefolgt, er befürchtete, dass er beabsichtigte, von Scuderi zu töten. Cardillac fiel aber einen Offizier an, der ihn abwehren und tödlich verletzen konnte. Beim Anblick Oliviers floh der Offizier, der Geselle nahm den Dolch, den der Offizier fallengelassen hatte, und trug Cardillac in dessen Haus.
Olivier offenbart von Scuderi durch diese Erzählung seine Unschuld, doch will er nicht vor Gericht aussagen, da er Madelons Liebe zu ihrem Vater nicht erschüttern möchte.
Von Scuderi erinnert sich an die herzensgute Pflegetochter und deren rechtschaffenen Geliebten, Claude Brusson, ein talentierter Uhrmacher. Aus dieser glücklichen Ehe war nun Olivier hervorgegangen, zu dem von Scuderi gleich Liebe gefasst hatte. Sie hatte sich gemeinsam mit Anne um seine Erziehung gekümmert. Claude war aber mit Frau und Kind in seine Heimatstadt Genf gezogen. Olivier erzählt nun weiter: Die Familie verarmte in Genf, seine Eltern starben in kurzen Abständen, wenige Zeit, nachdem er bei einem Goldschmied in die Lehre gegangen war. Er erwies sich als tüchtiger Lehrling, ein Kunde riet ihm schließlich, nach Paris zu ziehen und bei René Cardillac zu lernen, da niemand sonst ihm mehr etwas beibringen könne. Olivier beherzigte diesen Rat und es gelang ihm, Cardillac durch eine Probearbeit von seinem Können zu überzeugen. Er wurde als Geselle aufgenommen und verliebte sich in die Tochter seines Meisters, Madelon. Der Vater entdeckte jedoch die verborgene Liebe und warf Olivier kurzerhand aus dem Haus. Da Olivier Madelon aber so sehr liebte, schlich er sich Nachts regelmäßig zu Cardillacs Haus in der Hoffnung, mit Madelon sprechen zu können. In einer Mitternacht bemerkte er, wie Cardillac aus einem Geheimgang in der Mauer trat. Übles ahnend folgte er ihm in eine Gasse. Cardillac fiel einen Passanten an. Olivier sprang hinzu, doch zu spät - der Passant lag bereits erstochen auf der Straße, Cardillac bemerkte Olivier und flüchtete. Der Lehrling berichtet, wie ihn der Vorfall zutiefst bestürzt habe. Nie habe er gedacht, dass Cardillac ein Mörder sein könne.
Das heimtückische Wesen Cardillacs offenbarte sich am nächsten Tag. Cardillac besuchte Olivier in seiner Unterkunft und bot ihm in freundlichem Tonfall an, wieder in seiner Werkstatt zu arbeiten und sprach ihm seinen Segen für Madelon zu. Er warnte ihn ausdrücklich, ihn bei la Regnie anzuzeigen, da Cardillac als angesehener Bürger gelte und der Vorwurf auf Olivier zurückfalle. Der plötzliche Gesinnungswandel Renés erklärt sich danach. Madelon war nach Oliviers Entlassung krank geworden, da sie sich so sehr nach ihm sehnte. Cardillac sah keine andere Chance, ihr Leben zu retten, als den unliebsamen Lehrling mit ihr zu vereinigen. Aus Liebe zu Madelon erklärte sich Olivier einverstanden, doch plagte ihn sein Gewissen, da er Cardillac verachtete, ihn aber nicht verraten wollte, um Madelons Bild von ihrem Vater nicht zu zerstören.
Von Scuderi ist entsetzt darüber, dass René Cardillac nicht bloß ein Mitglied der Bande von Räubern und Mörder war, sondern dass er alle Verbrechen allein verübt hat. Olivier berichtet ihr vom weiteren Geschehen.
Eines Tages rief Cardillac seinen Gehilfen zu sich, er wolle ihm den Grund für seine Morde nennen. Er schob seine Verbrechen einem bösen Stern zu, der in ihm den Trieb erweckt habe, zu töten. Cardillac begann seinerseits eine Erzählung, die die schicksalhaften Umstände beschrieb, die ihn zu dem gemacht hatten, was er war.
Cardillac sah seinen Werdegang durch Einflüsse während der Schwangerschaft seiner Mutter als vorherbestimmt an. Bei einem Hoffest in Trianon, einem Lustschloss des Königs, hatte sie einen mit Juwelen reich geschmückten Mann in spanischer Kleidung entdeckt, der ihr früher Avancen gemacht hatte. Damals hatte sie ihn abgewiesen, aber seine Juwelenkette hatte Begierde in ihr entfacht, dass der Mann in ihren Augen nun zum „Inbegriff aller Schönheit“ (S. 55) geworden war. Sie hatte sich in Trianon mit ihm eingelassen. In dem Moment, an dem er sie umarmt und sie nach seiner Kette gegriffen hatte - womit sich ihr wahres Verlangen offenbart -, war er gestorben. Sie hatte sich nicht aus den starren Armen des Toten befreien können und hatte einen Schock erlitten. Nach einer kurzen Krankheit war sie aber wieder zu Kräften und Cardillac gesund auf die Welt gekommen. Das Fest hatte Cardillac aber geprägt, schon früh hatte er eine Leidenschaft für Juwelen und Gold gezeigt. Die Züchtigungen seines Vaters hatten seine Diebstähle nicht verhindern können. Schließlich war er Goldschmied geworden, um seine Leidenschaft ausleben zu können. Die Eigenarten Cardillacs erklären sich: Er hatte den Schmuck als sein Eigentum angesehen und einen Hass auf seine Kunden entwickelt, die ihm sein Werk nahmen. Der Kauf seines Hauses, welches über bereits erwähnten Geheimgang verfügte, hatte seine Morde ermöglicht, nun hatte er sich Nachts herausschleichen und seine ehemaligen Kunden töten und den Schmuck rauben können, wodurch er seine innere Ruhe wiederherstellte.
Cardillac offenbarte sich Olivier als Triebtäter, der auch Gnade walten lassen könne, indem er manche Aufträge für Personen, die er schätze, gar nicht erst annehme. Er zeigte Olivier seine geheime Schmucksammlung, in welcher jedes Stück mit einem Zettel versehen war, das den früheren Besitzer kennzeichnete. Cardillac stellte eine gewisse Reue zur Schau. Er war nicht stolz auf seine Verbrechen, sagte, er ließe seine Opfer am Leben, wenn er ein Mindestmaß an Kontrolle über seinen bösen Stern erhielte. Er forderte, dass Olivier den Schmuck nach seinem Ableben vernichtet. Tief verstört verriet Olivier seinen Meister immer noch nicht, da seine Liebe stärker war als sein Schuldbewusstsein.
Wie von Scuderi in den Besitz des Schmucks kam, klärt sich nun ebenfalls auf. Eines Tages kam Cardillac heiter in die Werkstatt und zitierte die Verse, die von Scuderi dem König aufgesagt hatte. Er lobte ihre Tugend und dachte, dass ihre Rechtschaffenheit über den bösen Stern siegen müsse. Um seine Seele zu retten, wollte er ihr als Inkarnation (Fleischwerdung) der Tugend selbst ein Geschenk darbieten. Olivier sollte den Schmuck überreichen. Dieser erinnerte sich an die Liebe, die ihm von Scuderi als jungem Knaben entgegengebracht hatte und erhoffte sich von ihr Rettung aus dem Dilemma, in dem er sich befand. Das Geheimnis um die Mitternacht lüftet sich, das Verhalten des verzweifelten Olivier ist für den Leser nun nachvollziehbar.
In den Monaten nach der Übergabe des Schmucks war Cardillac aber wieder unruhig geworden, er bereute sein Geschenk. Olivier sorgte sich daher um das Wohl von Scuderis, weshalb er ihr den Zettel mit der Warnung in die Kutsche warf. Um sie zu schützen, war er in der Nacht von Cardillacs Tod seinem Meister auf die nächtlichen Straßen gefolgt, er befürchtete, dass er beabsichtigte, von Scuderi zu töten. Cardillac fiel aber einen Offizier an, der ihn abwehren und tödlich verletzen konnte. Beim Anblick Oliviers floh der Offizier, der Geselle nahm den Dolch, den der Offizier fallengelassen hatte, und trug Cardillac in dessen Haus.
Olivier offenbart von Scuderi durch diese Erzählung seine Unschuld, doch will er nicht vor Gericht aussagen, da er Madelons Liebe zu ihrem Vater nicht erschüttern möchte.