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Vorwort des Herausgebers

Hermann Hesse hat seinen Roman Der Steppenwolf in drei Teile gegliedert.
1. Vorwort des Herausgebers (S. 7-32)
2. Harry Hallers Aufzeichnungen (S. 33-53, 87-278)
3. Tractat vom Steppenwolf (S. 54-86)
Alle drei Teile stellen die Hauptfigur Harry Haller aus verschiedenen Perspektiven dar und beschreiben einen etwa zehn Monate langen Abschnitt seines Lebens.
1. Vorwort des Herausgebers (S. 7-32)
Der Roman beginnt mit einem ausführlichen Vorwort des fiktiven Herausgebers. Dieser stellt sich als Neffe von Hallers Vermieterin vor und berichtet anschließend als Ich-Erzähler.
Nachdem Haller etwa zehn Monate nach seinem Einzug nicht mehr aufgetaucht ist, fand der fiktive Herausgeber Harry Hallers Aufzeichnungen in dessen Dachgeschosskammer vor. Diesen will er eigene Erinnerungen hinzufügen und ein deutlicheres Bild zeichnen, denn er habe von ihm „einen starken und, wie ich trotz allem sagen muß, sympathischen Eindruck behalten“ (S. 7).
Obwohl die beiden in ein und demselben Haus lebten, hatten sie kaum Kontakt miteinander: „Er war in einem hohen, von mir bisher bei niemandem beobachteten Grade ungesellig, er war wirklich, wie er sich zuweilen nannte, ein Steppenwolf, ein fremdes, wildes und auch scheues, sogar sehr scheues Wesen aus einer anderen Welt als der meinigen.“ (S. 7/8) Und doch hatte der Herausgeber einen Eindruck von Haller gewonnen, der dem Bild, das er in den Aufzeichnungen von ihm vorfand, im Grunde entsprach. So ist es keine große Überraschung für den Herausgeber, dass Harry Haller sich vereinsamt fühlte.
Dann berichtet der fiktive Herausgeber genauestens, wie Haller vor einigen Jahren im Haus seiner Tante auftauchte, die Mansarde im Dachgeschoss mietete und sein Leben dort verbrachte. Der Leser erhält so schon vor den eigentlichen Aufzeichnungen Hallers ein grobes Bild über das, was ihn später erwartet.
Abschließend erklärt der Herausgeber: „Nun, es ist genug geplaudert! Es bedarf weiter keiner Berichte und Schilderungen, um zu zeigen, daß der Steppenwolf das Leben eines Selbstmörders führte. Aber dennoch glaube ich nicht, daß er sich das Leben genommen hat, damals, als er unversehens und ohne Abschied, aber nach Bezahlung aller Rückstände unsere Stadt eines Tages verließ und verschwunden war.“ (S. 28) Er gesteht, dass er Hallers Manuskript nicht auf seinen Wahrheitsgehalt hin überprüfen konnte. Er hält die Aufzeichnungen zum größten Teil für Dichtung „im Sinne eines Ausdrucksversuches, der tief erlebte seelische Vorgänge im Kleide sichtbarer Ereignisse darstellt“ (S. 29). Diese Vorgänge haben seiner Meinung nach vermutlich einen wahren Kern, der in den letzten Monaten von Hallers Anwesenheit stattgefunden haben muss. Der Herausgeber erinnert sich, dass Haller damals plötzlich viel außer Haus war, verjüngt und vergnügt gewirkt hatte. Kurz bevor er verschwand allerdings sei eine neue schwere Depression über Haller hereingebrochen.
Der Herausgeber beschäftigt sich seither oft mit Hallers Geschichte. Dessen Aufzeichnungen erscheinen ihm nämlich nicht als „pathologische Phantasien eines einzelnen, eines armen Gemütskranken (...) Ich sehe in ihnen aber etwas mehr, ein Dokument der Zeit, denn Hallers Seelenkrankheit ist - das weiß ich heute - nicht die Schrulle eines einzelnen, sondern die Krankheit der Zeit selbst.“ (S. 30) Das sei ihm klargeworden, weil Haller ihm einmal sagte: „Zum wirklichen Leiden, zur Hölle wird das menschliche Leben nur da, wo zwei Zeiten, zwei Kulturen und Religionen einander überschneiden. (...) Es gibt nun Zeiten, wo eine ganze Generation so zwischen zwei Zeiten, zwischen zwei Lebensstile hineingerät, daß ihr jede Selbstverständlichkeit, jede Sitte, jede Geborgenheit und Unschuld verlorengeht.“ (S. 31) Nach diesem Fazit erklärt der Herausgeber nur noch, dass nun jeder Leser nach seinem Gewissen über die Aufzeichnungen Hallers urteilen soll.

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