Martin Luther
In Kleists Werk Michael Kohlhaas spielt auch der Theologieprofessor Martin Luther eine Rolle. Allerdings entspricht seine literarische Ausgestaltung nicht 1:1 der historischen Person.
Infos
- Theologieprofessor und Initiator der Reformation hin zur evangelischen Kirche
- Lebt zur Zeit der Handlung in Wittenberg
- Arbeitet an Büchern und Schriften
- Vorbild für viele Menschen damals, so auch für Michael Kohlhaas oder die Kurfürsten
- Kann nicht mit dem historischen Martin Luther gleichgesetzt werden
Charakter
- Ängstlich: als Kohlhaas ihn unangemeldet in seinem Zimmer aufsucht, reagiert Luther verängstigt und beunruhigt
- Großer Gerechtigkeitssinn: klagt Kohlhaas in einem Plakat an, ungerecht zu handeln, weil er glaubt, der Landesherr wisse nicht um Kohlhaas‘ Sache; als Kohlhaas vom Tod seiner Frau erzählt und bittet, sein Anliegen mit Luthers Hilfe vor dem Landesherren vortragen zu dürfen, willigt Luther trotz allem ein, damit Gerechtigkeit walten kann
- Aufrichtig und loyal: Luther hält sein Wort und verschafft Kohlhaas freies Geleit nach Dresden
- Prinzipientreu: als Kohlhaas von ihm die Beichte und das heilige Sakrament erbittet, weigert sich Luther; er will die Bitte erst erfüllen, wenn Kohlhaas sich durch Vergebung als würdig erwiesen hat
- Scheut kritische Worte nicht: er macht Kohlhaas deutlich, dass Vergebung der richtige Weg gewesen wäre und er den Rachefeldzug nicht gutheißen kann; Luther kritisiert in seinem Brief an den Kurfürsten von Sachsen dessen korrupte Hofmitglieder
- Intelligent: erkennt, dass die Öffentlichkeit auf Kohlhaas‘ Seite ist und er daher sehr gefährlich werden könnte
- Leicht befangen: aufgrund seiner religiösen Tendenz, kann Luther nicht unvoreingenommen auf die Situation schauen; bei seinen taktisch Ratschlägen an den Landesherren spielt die protestantische Meinung eine größere Rolle als die objektive Sicht auf die Politik