Auf einen Blick
- Gefühlvolle, oft pathetische Sprache mit bisweilen vielen Stilmitteln
- Aber auch Soziolekte: Sprache zeigt die Zugehörigkeit zum Stand an (berechnende, gekünstelte Sprache des Hofs vs. einfache, derbe Sprache des Bürgertums), außer bei den Liebenden, die sich sprachlich ähneln
- Miller spricht vulgär, Schiller verwendet also eine realistische und für damalige Verhältnisse ungekünstelte Sprache
- Typische Sprache des Sturm und Drang
Auch in seinen jungen Jahren schrieb Schiller bereits mit einer hohen, vom Pathos geprägten Sprache, die sich von der des einfachen Volkes absetzt, ohne jedoch für damalige Verhältnisse gekünstelt zu sein. Allerdings finden sich in der Sprache viele Übertreibungen (
Hyperbeln), die damals als typischer Bestandteil eines hohen, „klassischen“ Stils galten. Ein Beispiel hierfür ist die überschwängliche Sprache Ferdinands: „Die Stürme des widrigen Schicksals sollen meine Empfindung emporblasen, Gefahren werden meine Luise nur reizender machen. [...] Ich will mich zwischen dich und das Schicksal werfen“ (S. 16). Diese inhaltliche und stilistische Übertreibung soll Ferdinands von der Liebe tief bewegtes Gemüt verdeutlichen. Hier ist der Einfluss der
Empfindsamkeit offensichtlich: Sprache soll bei Schiller die Gefühle zeigen, z. B. demonstrieren viele Bindestriche und damit ständig stockende und abgebrochene Sprache innere Aufgewühltheit an. Schiller vereint somit zumindest bei Ferdinand und Luise künstlerische Norm mit Innovation: Einerseits ist die Sprache für das Theater angemessen und nicht schlicht, andererseits zeigt sie die Gefühle der Figuren.
Schillers Sprache kann aber auch derb sein - dann markiert sie aber die soziale Herkunft des Sprechenden. Der Hof und das Bürgertum sind auch sprachlich abgegrenzt. So verwendet Miller die plumpe Sprache des einfachen Volkes samt Flüchen („Ins Feuer mit dem Quark.“ (S.7)), was noch einmal seine bürgerliche Herkunft unterstreicht. Der Präsident (und auch sein Sekretär Wurm, obwohl dieser strenggenommen ein Bürgerlicher ist) verwenden die kalte und berechnende Sprache des Hofs. Sie sagen oft nicht, was sie denken und zielen darauf ab, ihr Gegenüber zu manipulieren. Nachdem Ferdinand den falschen Liebesbrief Luises gelesen hat, gibt sein Vater vor, Luise als Ehefrau zu akzeptieren - wohl, um seinen Sohn zu testen. Dabei preist der Präsident Luise entgegen seiner wahren Ansichten zum Himmel: „Ich rechne ihre Tugend für Ahnen, und ihre Schönheit für Gold.“ (S. 82) Das ist Kritik am Adel: Schiller wirft ihm vor, Sprache nicht für die Äußerung der Gefühle zu benutzen, sondern um andere Menschen zu betrügen.
Einen Gegenpol zu dieser standesgemäßen Sprache bilden Luise und Ferdinand. Im Großen und Ganzen unterscheiden sie sich sprachlich nicht sonderlich voneinander. Wie ihre Liebe ist ihre Sprache losgelöst vom Stand.