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Advokat Huld

Advokat © SchulLV 2015Huld

Der Armen-Advokat © SchulLV 2015Huld steht für die ominöse Welt des Gerichts. Passenderweise wohnt er in der gleichen Vorstadt, in der sich auch die Dachboden-Kanzleien befinden, in einem dunklen Haus. Er tritt auf in den Kapiteln Der Onkel / Leni, Advokat © SchulLV 2015/ Fabrikant / Maler und Kaufmann Block / Kündigung des Advokaten.
Der Name „Huld“ bedeutet Geneigtheit, Wohlwollen des Herrn gegenüber dem Untergebenen. Der Begriff wird oft im religiösen Sprachgebrauch verwendet und spielte in den mittelalterlichen Herrschafts- und Lebensordnungen eine wichtige Rolle (in den Quellen lat. gratia). Vorhandene bzw. nicht vorhandene Huld, Gunst oder Gnade des Herrschers entschieden über Belohnung bzw. Strafe des Untertans. Übertrat dieser die Gebote des Herrschers, verlor er dessen Huld - dazu war kein ordentliches Gerichtsverfahren nötig. Durch einen demonstrativen Unterwerfungsakt konnte der Untertan wieder in die Huld des Herrschers aufgenommen werden.
Das Verhalten des Anwalts entspricht nun der herrschaftlichen, teils sogar der religiösen Konnotation des Begriffes „Huld“, wie noch zu zeigen sein wird.
Huld ist ein Schulfreund von Onkel K. Er wirkt alt und trägt einen langen Bart, wie die Zuschauer in der ersten Reihe bei K.s Anmeldung. Obwohl er an einem Herzleiden erkrankt und bettlägerig ist, übernimmt er K.s Vertretung in dessen Prozess. Dabei arbeitet er vom Bett aus und empfängt bei sich zuhause Parteien in einem dunklen Zimmer, das nur von einer Kerze erleuchtet wird. Der kranke Advokat © SchulLV 2015wird von Leni gepflegt, die wohl auch seine Geliebte ist.
Wirkt Huld anfangs noch matt, als der Onkel und K. sein Zimmer betreten, ist er sogleich lebhafter, als es um den Prozess geht (vgl. Kap. 6) - wie andere Menschen, die mit dem Gericht zu tun haben, bestimmt dieses sein Leben und ist wichtiger als alles andere. Von K.s Prozess hat er bereits aus Gerichtskreisen gehört, wie er erzählt (Kap. 6). Damit ist nicht die gewöhnliche Justiz, sondern das für K. verantwortliche Gericht gemeint - Huld arbeitet sowohl in normalen wie in „speziellen“ Gerichtssachen, hat also eine Doppelfunktion inne, wobei ihm seine Arbeit für das ominöse Gericht wichtiger ist und seine gesamte Zeit verschlingt.
Da er mittlerweile bettlägerig ist, hilft der Advokat © SchulLV 2015seinen Klienten vom Bett aus, indem er Gerichtspersonen wie etwa den Kanzleidirektor empfängt. Dennoch bleibt seine Arbeitsweise für K. genauso unverständlich wie die langen, ermüdenden Reden. Schon dem Gespräch mit dem Onkel und dem Kanzleidirektor kann K. nicht folgen (Ende Kap. 6). Auch der Leser muss so im Dunkeln bleiben: Zwar redet Huld immer von einer ersten Eingabe, die er dem Gericht einreichen müssen, doch reicht er die Schrift aber nie ein, was sich aus anderen schwer nachvollziehbaren Gründen aber immer als vorteilhaft herausstellt (Kap. 7); er bringt K. das Wesen des Gerichts näher bei, wobei er vor allem die persönlichen Beziehungen zu Beamten betont, doch seien diese Beziehungen nicht vertrauenswürdig (Kap. 7); er bezeichnet sich als großen Advokaten, womit er sich von den Winkeladvokaten abgrenzt, doch laut Block sei er keiner von den großen, sagenumwobenen Anwälten. Seine Arbeitsweise wirkt für Anwälte äußerst seltsam und fügt sich in die korrupte Welt des Gerichts: Auch er hat keinen Einblick in Gesetze und höhere Gerichte, er setzt daher auf Beziehungen und Gefälligkeiten.
Obwohl selbst nur zu den Kleinen seines Fachs gehörend, steht Huld als Advokat © SchulLV 2015in der Rangfolge weit über den Angeklagten. Dies zeigt bereits sein Büro, ein hohes großes Zimmer, dazu geeignet, die Mandanten einzuschüchtern. Überhaupt ist die Welt des Gerichts dem Leben der Menschen seltsam entrückt, wie auch Huld freimütig einräumt: „Den Beamten fehlt der Zusammenhang mit der Bevölkerung [...]“ und sie haben „nicht den richtigen Sinn für menschliche Beziehungen [...].“ (Kap. 7, Z. 163 ff.)
Huld ist kein Gegenspieler zum Gericht, sondern an ihm beteiligt. Er spricht über rachsüchtige Beamte, ist laut Kaufmann Block, einem seiner Mandanten, aber ebenfalls rachsüchtig und verhält sich diesem gegenüber autoritär und demütigend, als sei er dessen Herr. Dies führt mit K.s Zweifel an der Nützlichkeit von Hulds Arbeit zum Entzug des Mandats.

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