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Stilmittel

Im Folgenden arbeiten wir Stilmittel in Der Verlorene heraus. Dabei fallen vor allem die verschiedenen rhetorischen Figuren der Wortwiederholung auf.

Wiederholungen

  • Hans-Ulrich Treichel treibt in seinem Werk die Verwendung von Wortwiederholungen auf die Spitze
  • Er arbeitet an unendlich vielen Stellen mit dem Stilmittel Repetitio und wiederholt ein Wort dabei bis zu zehn Mal in aufeinanderfolgenden Sätzen, so etwa bei der Kantinen-Passage in Heidelberg (Vgl. S. 98-99)
  • Außerdem nutzt er eine Vielzahl anderer Stilfiguren der Wortwiederholung, z.B. Anaphern, Alliterationen oder Parallelismen (s. u.)
  • Mit den Wiederholungen hebt der Autor bedeutende Gefühle oder Erlebnisse für den Leser hervor
  • Aus Sicht des Erzählers wirken die Wiederholungen wie ein verzweifelter Versuch, seinem sonst so bedeutungslosen Dasein durch die wiederholten Beteuerungen endlich eine Bedeutung zu geben

Leitbegriffe

  • Hans-Ulrich Treichel arbeitet entsprechend seines Hangs zu Wiederholungen auch mit Leitbegriffen, die im Werk immer wieder auftauchen und dem Leser nahezu eingeprügelt werden
  • „Das Schreckliche“: Vor allem die Mutter spricht immer wieder von dem Schrecklichen, das ihr auf der Flucht aus ihrer Heimat widerfahren ist; das Schreckliche steht dabei für die für sie unaussprechliche Tatsache, dass sie von russischen Soldaten vergewaltigt wurde, und aus Angst zuvor ihren Sohn in die Arme einer Fremden weggegeben hat; so häufig wie Vater und Mutter das Schreckliche immer wieder erwähnen, zeigt sich, dass sie ihr Trauma nie überwinden konnten
  • „Schuld und Scham“: Die Familie wird ständig von Schuld und Scham gequält; der Erzähler beschreibt immer wieder, wie er sich seit seiner Geburt beim Essen, bei Ausflügen mit den Eltern, beim Fernsehschauen oder sogar bei den Untersuchungen in Heidelberg schuldig fühlt oder sich schämt; alle Personen in der Familie haben ständig das Gefühl, den Erwartungen anderer nicht zu genügen oder gar etwas Verbotenes zu tun, dabei entbehrt dieses Empfinden jeglicher Grundlage

Stilmittel

  • Akkumulation: „Schweinebacke und Schweinezunge, Schweineohren und Schweineschnauze, Schweinekopfbrühe und Schweinekopfpastete“ (S. 41)
    \(\rightarrow\) Um die Bedeutung hervorzuheben, werden verschiedene Begriffe zu einem Oberbegriff gehäuft aufgezählt
  • Anapher: „Wer sein Haus verläßt, der versündigt sich. Wer sein Haus verläßt, dem lauern die Russen auf. Wer sein Haus verläßt, dem wird sein Haus geplündert.“ (S. 122)
    \(\rightarrow\) Ein Wort wird am Satzanfang aufeinanderfolgender Sätze wiederholt, um sie eindringlicher wirken zu lassen
  • Alliteration: „sagte dann mit einem leichten Lächeln“ (S. 126)
    \(\rightarrow\) Worte mit gleichem Anfangsbuchstaben folgen direkt aufeinander, um Aufmerksamkeit auf die Schilderung zu lenken
  • Figura etymologica: „So verspürte ich beispielsweise immer während des Essens eine Schuld und Scham ... Ich fühlte mich schuldig, weil ich aß, und ich schämte mich, weil ich aß.“ (S. 17)
    \(\rightarrow\) Für mehr Nachdrücklichkeit werden Wörter des gleichen Wortstammes in unterschiedlicher Wortart wiederholt
  • Metapher: „Eine Frau, die im Nebel von Traurigkeit verschwand“ (S. 139)
    \(\rightarrow\) Ein Begriff wird aus seinem Bedeutungszusammenhang herausgerissen und in einen anderen übertragen, um dem Leser die Situation der Trauer durch die Verknüpfung mit dem ihm bekannten Begriff des Nebels verständlicher zu machen
  • Neologismus: „Schuld- und Schamprozessionen“ (S. 19)
    \(\rightarrow\) Durch die Kombination bekannter Elemente wird ein neuer Begriff gebildet; hier um die traurigen Ausflüge mit den Eltern bildlicher zu beschreiben
  • Parallelismus: „Ich ließ dem Vater den Vortritt, und der Vater ließ der Mutter den Vortritt“ (S. 94)
    \(\rightarrow\) Gleich aufgebaute Satzteile bzw. parallele Wortfolgen werden aneinandergereiht, um der Aussage mehr Fokus zu geben
  • Personifikation: „Und doch sah ich, wie die Zeit an ihnen fraß, wie die Kinder älter wurden“ (S. 65)
    \(\rightarrow\) Der Zeit wird die menschliche Eigenschaft zugeschrieben, dass sie fressen kann, um den abstrakten Vorgang des Alterns bildlicher darzustellen
  • Synekdoche: „Der Russe war völlig überraschend aus dem Morgennebel aufgetaucht“ (S. 14)
    \(\rightarrow\) Ein Begriff wird durch einen anderen aus dem gleichen Bedeutungsfeld ersetzt. So steht der Russe für den Teilbegriff der russischen Soldaten
  • Vergleich: „Fast schien es, als würde ich die Schnitte spüren, mit denen mir Arnold aus dem Gesicht geschnitten wurde“ (S. 56)
    \(\rightarrow\) Um eine Sache verständlicher darzustellen, wird sie mit einer anderen, bekannten Sache verglichen

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