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Epoche

Die Entstehung von Aus dem Leben eines Taugenichts von Joseph von Eichendorff begann 1817 in der Hochromantik. Nachdem der Autor 1821 das Werk fertiggestellt hatte, wurde dann 1826 die Novelle vollständig publiziert und sie gilt bis heute als eines der wichtigsten Werke der Spätromantik.

Politischer Kontext

  • Mit der Französischen Revolution 1789 wird das feudale System umgestürzt und der Bürger als Individuum tritt in den Vordergrund
  • Der erste Koalitionskrieg 1792-1797 zwischen England, Preußen und Österreich gegen Frankreich wird durch das Verhandlungsgeschick der Franzosen nicht zu deren Verhängnis und endet friedlich. 1799-1802 treten dann Österreich, Italien und Russland im zweiten Koalitionskrieg gegen Frankreich an, was jedoch scheitert, da sich die Verbündeten untereinander zerstreiten und auch dieser Krieg endet in einem Friedensabkommen, dem Frieden von Amiens. Nachdem 1804 Napoleon Bonaparte zum französischen Kaiser gekrönt wird, unternimmt man ein letztes Mal den Versuch, Napoleon 1805 in einem dritten Koalitionskrieg zu besiegen, was jedoch ebenso scheitert wie die beiden Male zuvor. Diese Koalitionskriege sollen die allgemeine Aufbruchstimmung, die von Frankreich auf ganz Europa überzugreifen scheint, aufhalten, was jedoch missglückt
  • 1805 kommt es zur Dreikaiserschlacht bei Austerlitz zwischen Österreich, Russland und Frankreich, die Napoleon gewinnt und Österreich ergibt sich, während Russland keine friedliche Einigung einsieht
  • Als Folge wird dann 1806 das Römische Reich aufgelöst, und der von Napoleon gegründete Rheinbund ruft neue Reformen ins Leben, wie etwa die Bauernbefreiung, die Gewerbefreiheit und die Bildungsreform, die ebenso zur Entwicklung sowie einem Umdenken in den Köpfen der Gesellschaft beitragen und die alten Herrschaftsformen stürzen sollen
  • Schlussendlich gehören nur noch Österreich und Preußen nicht dem Rheinbund an und Napoleon schreckt nicht davor zurück, seine Macht auch auf die beiden letzten Staaten auszuweiten, trotz der immer noch stattfindenden Koalitionskriege gegen seine Vorherrschaft
  • Ab 1813 beginnen dann die Befreiungskriege gegen den französischen Kaiser und auch Eichendorff nimmt bis 1815 als Vertreter der preußischen Freikorps an dem Krieg teil, der dann 1815 in der Schlacht von Waterloo endgültig sein Ende findet

Definition Romantik

  • Die Romantik ist eine Epoche in der Literatur, Kunst, Musik und Philosophie, die Ende des 18. Jahrhunderts begann und bis ins späte 19. Jahrhundert andauerte
  • Man unterscheidet in der Romantik zwischen drei Zeiträumen: der Frühromantik (bis 1804), der Hochromantik (bis 1815) und der Spätromantik (bis 1848)
  • Die Welt der Romantik stellte ein Paralleluniversum zum vernunftgeleiteten bürgerlichen Dasein dar: Hier durfte man Träume und Sehnsüchte haben und es ging um das Unbewusste, für unsere Augen Unsichtbare. Allerdings existierte im Weltbild der Romantiker auch Mystisches, Dunkles, Ungeheuerliches und die beiden antithetischen Begriffe teuflisch und heilig wurden einander gegenüber gestellt
  • In dieser Literatur- und Kunstepoche wurde der Begriff der Universalpoesie vom Autoren und Philosophen Friedrich Schlegel geprägt. Er besagte, dass die Poesie nicht länger an eine bestimmte Herkunft oder ein festes Schema geknüpft war, sondern sich die Künstler frei und von innen heraus entwickeln sollten. Dies bedeutete ebenso, dass neben dem Freiheitsgedanken, die Literatur durch die Einflüsse der Romantiker auch unbeständiger und fragmentartiger wurde
  • So fortschrittlich der Freiheitsgedanke auch war - Romantiker bezogen sich ebenso zurück auf das Mittelalter und sehnten sich nach dem Ursprünglichen, einer Welt ohne Technik. Auch das Heimatgefühl wurde in Werken der Romantiker großgeschrieben und so kam es nicht selten zu Lobliedern auf das eigene Land
  • Der Glaube an die schützende Hand des Schöpfers und Gott selbst stand ganz vorne, wenn es um Werte in der Romantik ging. Demzufolge zeichnete den typischen Romantiker eine starke Zuversicht bezüglich des eigenen Schicksals und Lebensweges aus
  • Die ehemals feste und vorgegebene Form literarischer Texte vermischte sich zunehmend und so war es nicht selten, dass eine Erzählung Einflüsse anderer literarischer Textsorten wie Märchen oder Lieder aufwies

Merkmale der Epoche im Werk

  • Die offene Form: Der epische Text Aus dem Leben eines Taugenichts besitzt zahlreiche lyrische Elemente, die Eichendorff in Form von Liedern und Gedichten in den Fließtext aufnimmt. Diese Verschmelzung unterschiedlicher literarischer Gattungen ist typisch für die Literatur der Romantik
  • Taugenichts als Prototyp eines Romantikers: Er ist ein unbesorgter Reisender, der sich ohne ein bestimmtes Ziel vor Augen treiben und das Leben auf sich zukommen lässt. Zudem fällt ihm, scheinbar ohne Anstrengung und größeren Aufwand, das Glück zu, sei es in Form von Arbeitsplätzen, Kameradschaften, Bewirtungen oder sogar der großen Liebe. Auch die innere Unruhe, die Taugenichts immer wieder aufs Neue ergreift und die ihn zum Weiterreisen antreibt, spiegelt ganz klar die Unbeständigkeit wider, die viele Künstler in der Romantik spürten
  • Gottverbundenheit: Wenn immer sich Taugenichts unwohl fühlt, greift er zu seiner Geige, auf welcher er dann über sein Vertrauen zu Gott spielt und singt und daraufhin wieder neuen Mut fasst
  • Aus dem Leben eines Taugenichts wird der Spätromantik zugeschrieben, da es die Merkmale dieser Romantik-Epoche wie die Hinwendung zum Mystischen, Unheimlichen und den Rückbezug zum Konservativen beinhaltet
  • Hinwendung zur Natur: Ein starkes Merkmal der Literatur in der Romantik ist die Naturverbundenheit, die auch in Eichendorffs Novelle beschrieben wird. Unser Protagonist fühlt sich am meisten im Einklang mit sich selbst, wenn er in der Natur unterwegs ist, ob Wald oder Feld - Hauptsache fernab von allem menschlichen Treiben
  • Wirklichkeitsflucht: Für die Romantiker und auch für Taugenichts ist die Stadt ein Ort, der ihn nach gewisser Zeit in innere Unruhe und Unbehagen versetzt. Deshalb zieht es den Reisenden immer wieder an Orte, die märchenhaft und fantastisch sind, in denen er träumen kann und die Welt für eine Weile vergisst. Diese Flucht aus der Realität ist auf ein starkes Bedürfnis nach Geborgenheit zurückzuführen, nach Harmonie und Einklang

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