Personen |
Handlungs-ort |
Inter-
pretation |
Margarete
Faust
Mephisto-
pheles
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Marthens Garten
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Berühmtes Religionsgespräch:
Gretchen will Faust zum Christentum bekehren, Faust nimmt sie jedoch nicht ganz ernst
Deutlicher Wesensunterschied:
Faust ist ein aufgeklärter Pantheist, für ihn sind „Glück, Herz, Liebe, Gott“ eins
Gretchen ist kirchengläubig und vertraut dem Pfarrer
Gretchen spürt intuitiv Mephistos wahres Wesen
Verrät ihre Ideale und wird zur Komplizin Fausts: Sie will ihrer Mutter sein Schlafmittel geben, damit sie sich nachts treffen können macht sich mitschuldig
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Die Szene beginnt mit Fausts und Gretchens so genanntem
Religionsgespräch:
Gretchen, die
nicht an einer rein oberflächlichen Beziehung interessiert ist, möchte Faust auf seine Religiosität hin überprüfen, da das
Christentum und seine Moral ihr bürgerliches Leben maßgeblich bestimmt. Hier zeigen sich deutliche charakterliche Unterschiede.
Gretchens naive Religiosität - denn laut ihr müsse man an die Lehre der Kirche glauben - steht
im direkten Gegensatz zu Fausts aufgeklärtem Weltbild. Faust entschärft die offene Kritik an seiner fehlenden Frömmigkeit durch eine Erklärung, dass er Glück, Liebe und Gott gleichsetze (vgl. Sz. 16, Z. 47 ff.). Laut seinem
pantheistischen Weltbild (= Gott und die Welt sind eins) könne man Gott nur erfühlen - zum Beispiel in der Liebe zu einem anderen Menschen - und nicht mit dem Verstand erfahren.
Als Gretchen gehen muss, überreicht Faust ihr ein Schlafmittel, das sie ihrer Mutter geben soll, damit sie sich nachts treffen können.
Die beiden versuchen, ihr außereheliches Verhältnis geheim zu halten, da ein solches zur damaligen Zeit ein absolutes Tabu bedeutete und zur gesellschaftlichen Ächtung führen konnte.
Gretchen, die eigentlich die Moral des Bürgertums verinnerlicht hat,
verrät als Komplizin und Geliebte Fausts ihre eigenen Vorstellungen von Anstand und Sitte.
Nach ihrem Verschwinden erscheint Mephisto und belächelt Faust für seine Liebe zu einem frommen Mädchen.