Aufbau
Das herausragende Werk Theodor Fontanes Effi Briest zählt zu der Gattung des poetischen Realismus und da es zu den ersten Gesellschaftsromanen des 19. Jahrhunderts gehört, prägt es diese neue Form des Erzählens maßgeblich.
Literaturgattung Roman
- Es handelt sich bei dem Roman um eine langwierige Form der Erzählung
- Bis ins 13. Jahrhundert hinein zählte man auch Erzählungen in Versform zu der Gattung der Romane, inzwischen ist mit Romanen jedoch ausschließlich Prosa gemeint
- Der Vorgänger des Romans war die Historie, welche dieser ab dem 18. Jahrhundert ablöst. Inzwischen werden als Historie historische Fakten und Erzählungen bezeichnet
- Ein Roman beschreibt meist eine umfassende und komplexe Handlung, anders als etwa die Novelle, welche meist nur einen Einblick in einen Handlungsverlauf ermöglicht
- Inhaltlich zeichnet sich ein Roman darin aus, dass er ausschließlich fiktive Geschehnisse beschreibt
- In einem Roman gibt es in der Regel eine Hauptfigur, die im Falle des vorliegenden Romans von Effi Briest verkörpert wird. Das erzählte Geschehen fokussiert sich vornehmend auf eine Einzelperson, wobei die übrigen Charaktere als Randfiguren fungieren
- Da ein Roman über eine freie Form verfügt, lassen sich keine strengen einheitlichen Regeln in Form und Aufbau nennen
Aufbau und Struktur
- Der Roman besteht aus 36 Kapiteln, welche einem linearen Handlungs-und Erzählstrang folgen. Es wird die Biografie einer jungen Frau aus gutem Hause erzählt, die bereits im jungen Alter heiratet und sowohl mit den Herausforderungen der Ehe als auch mit den gegenwärtigen gesellschaftlichen Anforderungen und Erwartungen an eine Frau hadert
- Die Kapitel sind in eine klassische Dramenstruktur einzuteilen, welche sich in Exposition, erregendes Moment, Höhepunkt, retardierendes Moment und anschließende Katastrophe gliedert. Anhand des vorliegenden Romans lässt sich zudem noch als Finale, ein Ausklingen der Kathastrophe verzeichnen. Die einzelnen Stationen in der Erzählung werden im Folgenden erläutert
- Exposition: In den Kapiteln 1-5 werden die Protagonistin und ihr Leben in Hohen-Cremmen geschildert sowie die Unbeschwertheit Effis betont. Die frisch Verlobten Geert und Effi könnten unterschiedlicher in ihrem Wesen nicht sein, was zunächst jedoch noch ein Problem darstellt. Bereits zu Beginn der Vermählung zwischen Instetten und Briest lassen sich jedoch Vorboten für die tragische Wendung im Roman entdecken. Beispielsweise gibt Effi gegenüber ihrer Mutter zu, sich vor ihrem Ehemann zu fürchten (Ende des 4. Kapitels). Diesen Andeutungen wird jedoch weder seitens der Eltern noch Effis selbst nähere Beachtung geschenkt und allmählich verblassen die anfänglich aufflackernden Warnsignale wieder
- Erregendes Moment: Die darauffolgenden Kapitel 6-14 beschreiben die wachsenden Unterschiede in Lebensanschauung und Charakter des Ehepaars und wie es dadurch immer wieder zu Konflikten und Disputen zwischen dem Baron und seiner jungen Frau kommt. Die anfänglich noch harmlose Langeweile der jungen Briest weicht bedenklichen Empfindungen der Einsamkeit, von welchen sie allenfalls ihr einziger Vertrauter und Freund der Apotheker Gieshübler abzulenken vermag. Der Anstieg der Handlung zeigt sich durch das sukzessiv ansteigende Spannungsverhältnis der Baronin und ihrem Mann, da Letzterer die Ängste und Sorgen seiner Frau nicht ernst nimmt und somit ihr Gefühl des Alleinseins verstärkt
- Höhepunkt: Ab dem 15. bis zum 22. Kapitel findet ein Ausbrechen aus den gesellschaftlichen Normen statt, und Effi bricht aus dem ihr auferzwungenen Idealbild einer Ehefrau aus und beginnt sich Major von Crampas anzunähern. Als es dann im 19. Kapitel zum Kuss zwischen den beiden kommt, ist die sich bereits anbahnende Affäre Effis und Crampas nicht länger von der Hand zu weisen
- Retardierendes Moment: Nachdem die junge Baronin und Instetten nach Berlin gezogen sind, scheint sich die Situation vom 23. bis zum 26. Kapitel etwas zu entspannen. Inzwischen vergehen sechs Jahre ohne weitere dramatische Vorfälle und das Leben der Protagonistin und Geert scheint sich normalisiert zu haben
- Katastrophe: Nicht umsonst existiert das Sprichwort: „Die Ruhe vor dem Sturm“. Die Harmonie im Hause Instetten in der Keithstraße in Berlin findet ein jähes Ende, als der Ehemann Geert im 27. Kapitel die Briefe des Majors findet. Im darauffolgenden Kapitel kommt es zum Duell zwischen Instetten und Crampas, was Letzteren sein Leben kostet. Was folgt, ist die Reue des Barons über die vollzogene Rache am Liebhaber seiner Frau in Kapitel 29. Im 30. sowie 31. Kapitel wird dann Effi von ihren Eltern über das Auffliegen ihrer Untreue in Kenntnis gesetzt und muss sich dem Schicksal fügen, weder ihren Mann noch ihre Tochter jemals wiederzusehen
- Finale: Nach dem zuvor eskalierenden Handlungsverlauf werden nun die Folgen der Tragödie sichtbar und erläutert. In Kapitel 32-36 kommt es zur Einsicht Effis, Verantwortung und Schuld für das Geschehene zu übernehmen. Auch Instetten zeigt mit bestimmten Gesten, wie etwa, Annie ihre Mutter besuchen zu lassen oder Rollo nach Hohen-Cremmen zu schicken, Anzeichen der Versöhnung. Kurz vor ihrem Tod ruft Effi ihre Mutter zu sich, um Geert ausrichten zu lassen, dass sie in allem seiner Meinung sei. Es ist das typische Bedürfnis eines jeden, der kurz vor dem Sterben ist, sich mit der eigenen Welt und den Menschen darin versöhnen zu wollen. Auch die Eltern Briest fragen sich am Ende, ob sie nicht auch eine Teilschuld mit am Geschehen tragen
Lokalität im Roman
- Die Orte in Effi Briest lassen direkte Rückschlüsse auf den Seelenzustand der Protagonistin zu. Wir werden uns im Zuge dieser Analyse besonders auf drei prägnante Orte im Buch konzentrieren, welche alle gleichermaßen Effis jeweilige Stimmung und ihren Zustand widerspiegeln
- Hohen-Cremmen: Zugleich ihr Geburts- und Sterbensort rahmt Hohen-Cremmen die Biografie Effi Briests ein. Hier verlebt die Tochter Briest eine glückliche, harmonische und unbeschwerte Kindheit und verbindet demzufolge auch nur Gutes mit dieser Stätte. Effi, die im Herzen selbst im Erwachsenenalter noch ein Kind ist, fühlt sich in dem Elternhaus geborgen. Nur dort ist es ihr möglich, dem gesellschaftlichen Druck und der herrschenden Norm zu entkommen und ganz sie selbst zu sein. Dass der von ihr so geliebte Garten des Herrenhauses in Hohen-Cremmen von einer Mauer umgeben ist, verstärkt in Effi noch das Gefühl der Sicherheit und des Behüteten. Das elterliche Haus und die Umgebung sind Schauplatz für die Exposition und das Finale der Handlung, welche gleichzeitig die harmonischsten Stellen im Buch ausmachen
- Kessin: Sobald das frisch verheiratete Ehepaar Instetten nach Kessin kommt, überkommen Effi negative Empfindungen wie die der Angst, der Einsamkeit und der Langeweile. Das heimische Anwesen Instettens wird außerdem als dunkel und eng beschrieben, was im Einklang zur Stimmung der Protagonistin steht. Elemente wie der verstorbene Chinese, Spukgerüchte und dass Geert seine Frau des Öfteren in dem großen Haus alleine lässt, intensivieren den schweren, bedrückenden Eindruck Kessins. An diesem Ort kommt es auch zum Höhepunkt der Handlung, der Affäre mit Crampas
- Berlin: Die Großstadt verkörpert zunächst einmal die Hoffnung der jungen Briest auf einen Neubeginn, ein Ende des tristen Daseins und die Knüpfung neuer, erfrischender Kontakte. In Berlin wohnt auch der Vetter Dagobert, welcher durch seine Wortgewandtheit und seinen außerordentlichen Humor auffällt und gleichzeitig die Vorstellung der heutigen Haupstadt widerspiegelt, aufregend und unkonventionell zu sein