Kommunikationsverhalten
Die Erzählung kann in Bezug auf das Thema Kommunikation interpretiert werden, die an vielen Stellen scheitert.
Gesagtes und Nichtgesagtes
- Schaut man sich das Kommunikationsverhalten der Ich-Erzählerin genauer an, fällt auf, dass es einen deutlichen Unterschied zwischen Gesagtem und Nichtgesagtem gibt
- Einerseits berichtet sie selbst über ihr Leben und ihre Gedanken, das Gesagte ist dabei geprägt von einer rationalen, kühlen, objektiven und zurückhaltenden Darstellung
- Betrachtet man nur das Gesagte, wirkt die Ich-Erzählerin wie eine unabhängige, junge Frau, die ihr Leben im Griff hat und sich über ihre Gefühle im Klaren ist
- Auf der anderen Seite aber gibt es das Nichtgesagte, nämlich die wahre Gefühlswelt der Ich-Erzählerin; zwischen den Zeilen lässt sich dabei immer wieder herauslesen, dass sie ihre Emotionen keineswegs im Griff hat
- Die Ich-Erzählerin ist insgeheim voller Unsicherheit und heimlicher Sehnsüchte, die sie zu verschweigen versucht; dem Leser wird durch ihr Verhalten klar, dass sie sich ein Leben mit Stein durchaus vorstellen könnte, dass sie sich sogar danach sehnt, von ihm geliebt zu werden; aussprechen aber würde sie diesen Gedanken nie
Scheiternde Kommunikation
- Analysiert man das Kommunikationsverhalten von Stein und der Ich-Erzählerin, fällt auf, wie oft dieses scheitert
- Die beiden reden immer wieder aneinander vorbei und schaffen es unter anderem auch daher nicht, endlich eine echte Beziehung aufzubauen
- Die Ich-Erzählerin schafft es nicht, Stein ehrlich ihre Gefühle zu offenbaren; anstatt ihre eigenen Emotionen und Wünsche auszudrücken, versucht sie zuerst, sich bei ihm durch scheinbar objektive Fragen rückzuversichern, dass sie ihn nicht missversteht
- Stein selbst ist nicht der redseligste Mensch und spricht ungern direkt über seine Gefühle; er will der Ich-Erzählerin vielmehr durch sein Verhalten klarmachen, was er sich wünscht; dass sie eine eindeutige Antwort bzw. Liebeserklärung aus ihm herauskitzeln will, wird ihm nicht klar
- Besonders beispielhaft für dieses gescheiterte Kommunikationsverhalten ist die Situation, als die Ich-Erzählerin Stein fragt, ob er wirklich 80.000 Mark ausgegeben hat, um ihr eine von vielen Optionen zu zeigen (Vgl. S. 152); anstatt ihr ehrlich zu sagen, dass er sich wünscht, mit ihr gemeinsam im Haus zu leben, schweigt er
- Ein gegenseitiges Aufeinandereingehen in den Gesprächen fehlt außerdem völlig, meist enden die Gespräche der beiden daher auch nach kurzer Dauer wieder ohne Ergebnis
- Wie mangelhaft die Kommunikation zwischen den beiden abläuft, zeigt sich am Ende der Erzählung auch in der knappen und einseitigen Kommunikation über Postkarten, die Stein der Ich-Erzählerin schickt (Vgl. S. 155); nicht einmal schriftlich kommt ein richtiger Dialog zustande