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Erzählweise

Wirkung der Erzählweise

  • Bereits unter dem Punkt Erzählperspektive wurde auf die Ansprachen an Chamisso durch den Ich-Erzähler Peter Schlemhil hingewiesen. Dadurch wird sowohl der Leser als auch Chamisso selbst als Autor zu einem besonderen Teil der Geschichte. Außerdem fungiert Schlemhil durch seine direkten Anreden, Berichte bzw. Ansprachen ebenfalls als Autor. Das alles passiert im Werk auf literarisch überaus kunstvolle Weise und der gesamte Themenkomplex des Erzählens, Schreibens, Dichtens und Rezipierens wird somit ebenfalls zu einem Thema im Werk gemacht.
  • Das detailreiche und lebendige Erzählen Schlemhils sorgt im besten Fall für einen interessierten Leser, der sich in seine Lebensgeschichte und persönliche Perspektive hineinversetzen kann.
  • Die gesamte Erzählsituation samt Ansprachen an Chamisso und den der eigentlichen Geschichte vorangestellten Briefe sorgt für einen Briefcharakter des Werks und lassen die Geschichte real wirken bzw. legitimieren ihren Wahrheitscharakter stark.
  • In direkten Ansprachen wirkt auch die Figur Peter Schlemhil, durchaus real für den Leser. Anders ist dies in der eigentlichen Rahmengeschichte, in der Schlemhil von seinem Leben erzählt. Hier wird der Leser oft Teil von wundersamen Szenen und es bleibt unklar, inwiefern Schlemhil hier überhaupt noch als reale Figur agiert. Vielmehr wirken diese märchenhaften Szenen humoristisch und komisch. Diese Durchdringung von Realität und Fiktion ist ein sehr typisches Merkmal der Romantik, das man im Werk auch spielerisch in der Erzählweise wiederfindet.

Die Sprache

  • Die Sprache im Werk ist leicht verständlich und und man trifft oft auf eine typische, eher natürlich gehaltene Alltagssprache.
  • Weiterhin wirkt die Sprache, wie es für eine märchenhafte Erzählung typisch ist, sehr bildhaft. Der Dichter arbeitet dafür mit Farben und Klängen.
  • Das Werk beinhaltet eine Vielzahl von Monologen Schlemhils, die dem Leser einen tiefen Einblick in seine Gedanken- und Gefühlswelt geben.
  • Außerdem fallen lange Schachtelsätze in den Passagen auf, in denen Schlemhil seine Überlegungen und Gedanken äußert. (Z. B. S. 24, 26) Ebenfalls spricht der Protagonist in langen und ausschweifenden Sätzen, wenn er in Form von Monologen über Mina spricht. (z. B. S. 27)
  • Bei genauerer Betrachtung fällt einem die Vielzahl von verwendeten Adjektiven auf, die für eine lebhafte Sprache sorgen und insbesondere innerhalb Personenbeschreibungen zum Einsatz kommen. (z.B. S. 27, 29, 32)
  • Auffällig sind auch die sprechenden Namen im Werk. Zwei Namen sollen im Folgenden exemplarisch vor dem Hintergrund ihrer Wortherkunft näher erklären werden: Der Etymologie nach weist das Wort Schlemhil auf das Ostjüdische zurück und bedeutet so viel wie Tollpatsch, Pechvogel oder unschuldiges Opfer. Der Name Rascal ist dem Englischen zu entnehmen und kann mit Gauner, Schlingel oder Schurke übersetzt werden. Diese Namen beschreiben die jeweiligen Protagonisten und ihre Charaktere auffällig gut.
  • Auch in diesem Werk korrespondieren Inhalt und Form bzw. die Sprache miteinander. Sie bilden eine gemeinsame Einheit und die gegenseitige Durchdringung und Überschneidung der zwei Welten (Realität und Fiktion) zeigt sich auch in der verwendeten Sprache. Es sind typische Szenen und Begegnungen vorhanden, denen etwas Magisches anmutet. Hier finden sich besonders viele Stilmittel. Die Begegnungen mit dem Teufel haben immer etwas Unheimliches und Mystisches, das sich auch in der Sprache verdeutlicht. Hingegen ist das Philistertum und Leben in der bürgerlichen Stadt vielmehr in klarer, deutlicher und einheitlicher Sprache verfasst.
  • Typische romantische Motive wie Gefühle, Liebe, Subjektivität, Hinwendung und Leidenschaft lassen sich ebenfalls in der Sprache beobachten (Z.B. in den Monologen Schlemhils und den Dialogen zwischen ihm und Mina). Der Geist und die Emotionen stehen im Mittelpunkt. Der rationale Verstand rückt dabei in den Hintergrund.
  • Ebenfalls fällt das sprachliche Phänomen der romantischen Ironie auf: Dazu zählen die märchenhaften Gegensätze, aber auch die ständige Durchdringung von Fiktion und Realität. Zweiteres entsteht z. B. durch den Wechsel von fiktiven, wundersamen Szenen und die Realität abbildenden Briefen. Gedichte, selbstreflexive Briefe oder Stadt- und Straßennamen legitimieren, im Gegensatz zu unglaubwürdigen und komischen Ereignissen im Werk die Authentizität und Wahrheit der Geschichte und ihres Protagonisten Peter Schlemhil. Durch die romantische Ironie verbliebt der Leser in dieser verwirrenden Schwebe.

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