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Religiöse Bezüge

Das Thema Religiosität spielt eine zentrale Rolle in Eichendorffs Märchennovelle Das Marmorbild. Wie auch in seinen zahlreichen, weiteren Werken verwendet der Spätromantiker Eichendorff eine „geistige Poesie“ in seiner Sprache, die den eigenen, christlichen Glauben des Autors widerspiegelt. Wir werden uns im Folgenden der Gegenüberstellung von Heidentum und Christentum in dem Werk widmen.

Religiöse Aspekte in der Märchennovelle

  • Figuren: Personen in der Novelle, die über eindeutig religiöse Merkmale verfügen sind zum einen Florio, dessen Platz zwischen Christentum und Heidentum noch nicht klar definiert ist. Eben diese Ungewissheit macht Florio für die dunkle Seite, die heidnische Venus und den zwielichten Donati empfänglich, da er selbst noch keinen ausgeprägten Selbstsinn besitzt. Während Florio noch herausfinden muss, welcher Seite er sich zugehörig fühlt, besitzt Fortunato eine starke Persönlichkeit und stellt einen Mentor in allen Lebenslagen für den Protagonisten dar. Fortunato beabsichtigt Florio, mit Ratschlägen wie „Laßt [...] die Melancholie, nur frisch hinaus in Gottes freien Morgen“ (Abschn. 2, Z. 38 f.) und Warnungen wie „Hütet Euch“ (Abschn. 1, Z. 39) vor dem Bösen zu schützen, indem er ihm den Weg zum göttlichen Glauben aufzeigt. Bianka wiederum verkörpert die weibliche Vertreterin des Christentums in der Novelle: Mit ihrer unschuldigen, reinen und vergebenden Art erinnert sie einen stark an die Gottesmutter Jungfrau Maria
  • Zeitalter: Zeitlich lässt sich das Geschehen in Das Marmorbild in das Mittelalter einordnen. Dass Eichendorff die Handlung in diesen historischen Kontext einbettet, geschieht nicht durch Zufall. Zum einen ist der Rückbezug auf das Mittelalter typisch für die spätromantische Literatur und zum anderen stellt spezifisch diese historische Epoche ein wichtige, christlich-geprägte Ära dar. Grund für den verstärkten Rückbezug auf Vergangenes war, die damit verbundene Möglichkeit, sich aus der eigenen Realität zu flüchten. Die Revolution und die gesellschaftlichen Umstrukturierungen bringen das bis dato unerschütterte Weltbild ins Wanken und mit der Rückbesinnung auf vergangene Zeiten erhofft man sich wiedereinkehrende Ruhe und Harmonie
  • Wiedergeburt: Insbesondere die Jahrezeit Frühling und die Tagezeit Morgen sind maßgeblich für die Symbolik der Wiedergeburt in der Märchennovelle. Letztere beinhalten einen Neubeginn, einen frischen Start und einen damit verbundenen, unberührten Zauber. Beispielhaft für die Wiedergeburt steht Florios finale Entscheidung, dem Ort Lucca den Rücken zuzukehren und der mystischen Figur Venus abzuschwören. Dass Eichendorff für Florios Aufbrauch aus Lucca einen Morgen gewählt hat, steht wiederum sinnbildlich für einen Neubeginn, also eine Wiedergeburt

Aspekte des Heidentums in der Märchennovelle

  • Figuren: Denen, dem Christentum zuzuordnenden Charakteren stehen Donati und Venus gegenüber, die wiederum für das Ungläubige, Heidnische stehen. Donati wird als „schön aber blaß und wüst“ (Absch. 1, Z. 239) beschrieben und für Florios Glaube hat er nur ein „abscheuliches Lachen“ (Abschn. 3, Z. 13) übrig. Donati fungiert zudem auch als Vermittlerfigur zwischen Florio und Venus, obwohl er weiß, dass Venus bezüglich Florio keine guten Absichten hat. Venus wiederum besitzt zwar eine schöne, verführerische Hülle, zeigt jedoch auch ihr „schreckliches Gesicht“ (Abschn. 4, Z. 167 f.), das bleich (Abschn. 4, Z. 178) ist und mehr tot als lebendig scheint
  • Zeitalter: Bezüge wie die Figurenwahl der heidnischen Figur Venus lassen Rückschlüsse auf die Griechische Antike zu. Venus bildet das Gegenstück zur griechischen Göttin Aphrodite, die ebenso für Fruchtbarkeit, Schönheit und Sinnlichkeit steht, wie Venus. Ein weiteres Indiz für die Einflechtung des antiken Zeitalters in die Märchennovelle ist beispielsweise die Figur der Najade, die eine Nymphenfigur in der griechischen Mythologie darstellt und nicht zu vergessen die verkleidete Bianka als schöne Griechin (Abschn. 2). Auch der Gesang der Sirenen (Ende Abschn. 1), welchen Florio von seinem Fenster aus hört, ist ein Verweis auf die Antike. Es handelt sich bei Sirenen um Fabelwesen (Kreuzung aus Tier und Mensch) der griechischen Antike handelt, die mit ihren Gesängen Seefahrer anlocken, um sie dann aus dem Hinterhalt zu töten
  • Verführung: Das Thema Sinnlichkeit steht der christlichen Unschuld und Reinheit gegenüber. Es findet seinen Ausdruck in dem äußerlichen Reiz, welcher von Venus ausgeht und zu welchem sich Florio hingezogen fühlt. Neben physischer Erotik, die Venus mit ihren „schönen Formen [...] bald enthüllend, bald lose verbergend“ (Abschn. 4, Z. 90 f.) ausstrahlt, findet auch eine andere Art der Verführung Florios statt. So überkommt den Protagonisten etwa nach seiner Begegnung mit Venus eine „solche unendliche Wehmut“ (Abschn. 4, Z. 227), die mit einer Todessehnsucht gleichzusetzen ist

Gegenüberstellung von Heidentum und Christentum

  • Himmel vs. Wasser & Erde: Bei den christlichen Figuren handelt es sich vorrangig um Himmelswesen, wie bespielsweise Nachtigallen, Schmetterlinge (Abschn. 1), Tauben (Abschn. 4) und den Mond (Abschn. 1). Die Antike, bzw. das Heidentum wird im Werk von Wasser- und Erdwesen verkörpert: Beispielhaft dafür sind auf Tiere, wie die Schwäne auf dem Weiher (Ende Abschn. 1) oder die Schlange im Garten (Abschn. 4) hinzuweisen. In der Präsenz der christlich-frommen Figuren Bianka und Fortunato wird außerdem vermehrt der Himmel beschrieben, unterschiedlich gefärbt, mal als „Abendgolde“ (Abschn. 1, Z. 57), mal mit „tiefblauem Grunde“ (Abschn. 5, Z. 179). Im Kontext Venus wiederum tauchen Darstellungen des Wassers, wie etwa der „Weiher in trüben Wellen“ (Abschn. 1, Z. 386) auf
  • Gut vs. Böse: Gehen wir vom Wohlergehen Florios aus, lassen sich die beiden Seiten, zu welchen er sich gleichermaßen hingezogen fühlt, auf die dunkle, ungläubige und die helle, christliche Seite beschränken. Die religiösen Figuren Bianka und Fortunato haben nur das Beste für den Protagonisten im Sinne und möchten ihn durch den göttlichen Glauben in seiner Entwicklung als junger Mann stärken. Wiederum Donati und Venus scheuen sich nicht davor, Florio vom rechten Weg abzubringen und haben vordergründig ihr eigenes Wohl, als das des jungen Reisenden im Sinne
  • Leben vs. Tod: Wenn sich unsere Hauptfigur morgens und in der Gegenwart von Fortunato und Bianka befindet, fühlt er sich „vergnügt“ (Abschn. 3, Z. 2) und „fröhlich“ (Abschn. 5, Z. 183). Auf der anderen Seite wecken die Begegnungen mit Donati und Venus, die außerdem meist am Abend oder in der Nacht stattfinden, „eine solche unendliche Wehmut [...], dass er sich unwiderstehlich sehnt, [...] zu sterben“ (Abschn. 4, Z. 227 f.) und nicht selten verfällt er in „unseliges Brüten und Träumen“ (Abschn. 4, Z. 229)

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