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Paris, die Stadt des Verbrechens

Nun folgt eine Schilderung der Umstände, die die Angst der Kammerfrau erklärt. Der Erzähler zeichnet die grausame Geschichte eines Giftes nach, das - geruchs- und geschmacklos - keine Spuren hinterlässt. Dem Italiener Exili gelingt es, dieses Gift als erster herzustellen. Als die Behörden entdecken, dass er dieses Gift verkauft, wird er in ein Pariser Gefängnis gesperrt. Damit ist die Geschichte des Gifts aber nicht beendet. Exilis Zellengenosse, der Hauptmann de Sainte Croix, wird Exilis Schüler. De Sainte Croix ist ein ruchloser Charakter: Er hat ein Verhältnis mit der verheirateten Marquise de Brinvillier und sinnt nun, nach seiner Festnahme durch ihren Vater, auf Rache. De Sainte Croix wird aus der Bastille entlassen, nun aber mit dem Wissen um die Herstellung des tödlichen Gifts bewaffnet.
Der Hauptmann und die Marquise werden nun zu einem verbrecherischen Paar. Zuerst töten sie die Verwandtschaft der Marquise, danach töten sie aus reiner Lust am Mord wahllos Menschen. Unter dem Mantel der Großzügigkeit verteilen sie vergiftete Brote an die Armen. Schließlich tötet sich de Sainte Croix aber selbst durch das Gift, da ihm bei der Herstellung die Maske vom Gesicht fällt. Die Nachlassverwalter entdecken Briefe an die Marquise, die ihre Schuld beweisen. Der berühmte Polizeihauptmann Desgrais, der auch später in der Novelle noch auftaucht, schafft es durch eine List, die Marquise festzunehmen, welche dann sogleich hingerichtet wird. Die Morde hören aber nicht auf.
Der Erzähler schildert den Einfluss, den die vielen unvorhersehbaren Morde auf die Gesellschaft haben. Familien, Freunde und Verliebte misstrauen einander, überall vermutet man Mörder, man wähnt sich ständig bedroht. Ludwig XIV. setzt deswegen die Chambre ardente ein, einen Gerichtshof unter der Führund des Präsidenten la Regnie, die der Verbrechen Herr werden soll. La Regnie hat Erfolg, er entlarvt eine alte Frau der Giftmischerei. Diese Frau heißt la Voisin (= die Nachbarin) - ein Hinweis darauf, dass hinter der bürgerlichen Fassade Abgründe schlummern. Man findet bei ihr eine Liste, die eine Art Staatskrise auslöst. Auf ihr sind sämtliche Kunden verzeichnet - darunter auch angesehene Personen; Herzoginnen, ja selbst Kardinäle. La Regnie reagiert mit Gnadenlosigkeit, sein Gerichtshof wird zur Inquisition. Bei dem kleinsten Verdacht wird man schon eingesperrt, wenn die Unschuld nicht erwiesen wird, wartet der Tod auf den Angeklagten. Schuldige und Unschuldige sterben unter seiner Blutjustiz, doch wird die Zahl der Vergiftungen tatsächlich immer geringer.
Nun werden die Giftmorde aber durch andere Verbrechen abgelöst - eben jene, die die Kammerfrau von Scuderis in Sorge versetzen. Man vermutet eine Bande hinter einer Reihe von Einbrüchen und Morden, die immer zur Nachtzeit geschehen. Offenbar sind die Juwelen der Opfer das Ziel. Besonders die Verliebten, die ihre Geliebte des Nachts beschenken möchten, sind betroffen. Desgrais, nun Angestellter la Regnies, versucht, den Mörder auf frischer Tat zu ertappen, doch dieser schlägt immer dort zu, wo er nicht ist. Als Desgrais in schließlich doch entdeckt, verschwindet er wie von Geisterhand in einer Mauer.
Die Liebhaber schreiben nun ein Gedicht an Ludwig XIV., in welchem sie ihn über alle Maßen preisen und bitten, einen neuen Gerichtshof mit mehr Befugnissen zu gründen. Sie erhoffen sich dadurch Schutz vor den Verbrechern. Der König fragt von Scuderi, was sie davon hält, und diese antwortet mit den Versen „Un amant qui craint les volerus / n‘est point digne d‘amour“ (S. 18), was so viel heißt wie „Ein Liebender, der die Diebe fürchtet, ist der Liebe nicht wert.“

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