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Inhaltsverzeichnis

Motive

In dem Werk In der Strafkolonie finden sich unterschiedliche Motive, die sich durch den kompletten Handlungsstrang ziehen. Motive und Symbole, die auf den ersten Blick klar erkennbar sind sowie erst bei genauerem Hinsehen auffallen, werden im Folgenden näher dargestellt.

Der Hinrichtungsapparat

  • Der Hinrichtungsapparat stellt unübersehbar das Hauptmotiv des Werks dar; ihm wird eine herausragende Bedeutung zugeschrieben.
  • Er ist ein Symbol für Macht, Kontrolle, Disziplin und Diktatur.
  • Im Vordergrund der gesamten Handlung steht die ausführliche und begeisterte Beschreibung und Erklärung des Apparaten.
  • Die Beschreibung des Apparaten zeichnet sich durch eine besondere Visualität und einen Detailreichtum aus.
  • Es scheint, als würde der Apparat als personifizierter Gegenstand Teil der agierenden Protagonisten sein. Er bildet die Erzählgrundlage der Geschichte, den Mittelpunkt der Personenkonstellation sowie die Grundlage von Disputen im Werk.
  • Der Apparat gilt als „eigentümlicher Apparat“ (S. 38, Z. 1) und rätselhaftes, mysteriöses und besonderes Kunstwerk.
  • Der Apparat hat drei Bestandteile: Das Bett auf dem der Verurteilte liegt (Bett: beschönigende Beschreibung), die Egge und den Zeichner
  • Die sogenannte Egge, die im ursprünglichen Sinn der Bearbeitung von Feldern dient, wird hier zweckentfremdet. Sie besteht aus Glas, die einen das Stechen ihrer Nadeln beobachten lassen.
  • Der Zeichner ist das wichtigste Element des Apparaten: Er steht nicht nur visuell gesehen an der obersten Stelle des Apparaten, sondern auch auf der Inhaltsebene wird die große Bedeutung des Zeichners beschrieben. Der Zeichner steuert die Bewegungen der Egge bzw. der Nadeln und bestimmt somit die geschrieben Schrift.

Rituelle Symbole

  • Die Exekution kann als ritueller oder sogar religiöser Akt gesehen werden.
  • Dem alten Kommandanten wird beinahe eine Art göttliche Funktion zugeschrieben. Er ist das Vorbild und wird verehrt.
  • Die prognostizierte Wiederauferstehung des alten Kommandanten am Ende der Geschichte enthält ebenfalls einen sakraliserenden Verweis.
  • Die Zahlsymbolik könnte auf die Passionsgeschichte Christi verweisen: Zusammenhang mit den letzten 12 Stunden Jesus Leben; Einbruch der Finsternis in der sechsten Stunde
  • Die jahrelang bewährte Exekutionsart gehört zu den fest verankerten Riten in der Strafkolonie
  • Die öffentlichen Exekutionen aus der Vergangenheit werden auf eindringliche und mysteriöse Weise beschrieben: Der rituelle Akt wird hierbei mit einem großem Publikum gefeiert. Alle Beteiligten verbindet den Glauben an eine gemeinsame Weltanschauung und Vorstellung von Gerechtigkeit.

Schuld und Strafe

  • Der Grundsatz in der Strafkolonie ist, dass die Schuld immer zweifelslos ist.
  • Der Verurteilte hat sich aufgrund von Dienstversäumnissen schuldig gemacht und wird exekutiert.
  • Die Strafe für die Verurteilten ist dabei immer die Gleiche; bestraft wird mit Schmerzen und letztendlich mit dem Tod
  • Der Verurteilte kann dabei weder anklagen noch sich selbst verteidigen. Er wird auch nicht verhört und erfährt nichts von seiner Schuld.
  • Der Offizier schreibt dem neuen Kommandanten Schuld zu, da dieser das Filzstück im Apparaten nicht erneuert hat und ebenfalls nicht dafür gesorgt hat, dass der Verurteilte vor seiner Exekution nüchtern bleibt.

Schriftlichkeit und Urteil

  • Das Urteil wird dem Verurteilten auf den nackten Körper geschrieben. Es wird nicht mündlich ausgesprochen, sondern schriftlich tradiert. Es ist die Aufgabe des Verurteilten, sein Urteil zu entziffern.
  • Dem Urteil fehlt eine logische Begründung.
  • Das Geschriebene bedarf keiner Erklärung oder Interpretation. Die Wirkung des Geschriebenen stellt sich gleichzeitig mit dem Prozess des Schreibens ein. Die Bedeutung wird ohne Erklärung ersichtlich und resultiert am Ende in den Tod des Verurteilten. Dies zeigt die autoritäre Macht des Geschriebenen.
  • Das Geschriebene ist zweifelslos und sowie das Urteil nicht anzuzweifeln oder rückgängig zu machen.

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