Sprache & Stil
Nachdem wir uns bereits intensiver mit den Stilmitteln als solchen auseinandergesetzt haben, analysieren wir nun die Sprache und den Stil in der Novelle genauer und arbeiten prägnante, sprachliche Merkmale des Werks heraus. Auch wenn die beiden sprachlichen Merkmale Stil und Sprache über Schnittstellen zueinander verfügen, machen wir es uns zur Aufgabe, beide Elemente differenziert voneinander zu betrachten.
Stil
- Hypotaktisch: Der Satzbau in Das Haus in der Dorotheenstraße ist verschachtelt aufgebaut und gliedert sich in Hauptsätze sowie subordinierte Nebensätze. Sowohl die parenthetische als auch hypotaktische Struktur des Textes führt dazu, dass sich das Erzählte fließend und schnell lesen lässt. Durch die hohe Anzahl an eingeschobenen Sätzen erscheint der Schreibstil des Autors zwar zeitweilig sprunghaft, jedoch ist es möglich, den Gedankengängen Hartmut Langes zu folgen
- Deskriptiv: Insbesondere in der Exposition in Kapitel 1 werden wir Zeuge von Langes ausführlichen Beschreibungen. Beispielsweise stellt er das Ufer des Teltowkanals und „die wenigen Häuser, die unmittelbar am Wasser stehen“ (S. 73, Z. 9f) dar sowie die „Buchen und Fichten“ (S. 73, Z. 15), die das Haus in der Dorotheenstraße umgeben. Diese Deskriptivität veranschaulicht den erzählten Text und regt die Fantasie des Lesers an, der wiederum seine eigene Interpretation der Bilder im Kopf formt
- Detailliert: Auch wenn sich der Autor teilweise knapp ausdrückt, wie etwa, wenn es um die Figur Xenia Klausen geht, so lohnt es sich dennoch, denjenigen Situationen vermehrte Aufmerksamkeit zu schenken, in denen er detailgetreu einzelne Passagen formuliert. Auffällig ist, dass im ersten Kapitel eine Art Zoom-Perspektive verwendet wird, die den geografischen Standort des Hauses der Klausens explizit einfasst. So erfahren wir als Leserschaft Einzelheiten über den Teltowkanal und dass sich dieser „im Süden Berlins gute siebenunddreißig Kilometer von der Havel bis zur Spree“ (S. 73, Z. 1ff) erstreckt
- Sachlich: Mit seinem nüchternen Schreibstil erzielt der Autor, dass man sich als Leser weniger mit den Protagonisten des Stücks identifiziert und eine Art Distanz zum Geschriebenen wahrt. Emotionale Situationen wie etwa der Abschied am Flughafen in Berlin von Xenia und Gottfried (S. 75) oder auch der Moment, in welchem Klausen erkennt, dass seine Frau ihn betrügt (S. 86) werden neutral erzählt, sodass man als Leser weniger ergriffen ist, als es unter anderen Umständen der Fall wäre
Sprache
- Einfache Prosa: Der Autor der Postmoderne verwendet eine verständliche und klare Sprache, die es dem Leser ermöglicht, dem Handlungsstrang gut zu folgen. Dies schafft Hartmut Lange, trotz seines hypotaktischen Satzbaus, indem er einfache Ausdrücke verwendet und darauf verzichtet, komplizierte Termini mit in seine Novelle einzubeziehen
- Indirekt und distanziert: Auch wenn die Sprache in Das Haus in der Dorotheenstraße klar zu verstehen ist, bedeutet dies keineswegs, dass sie direkt oder gradlinig sei - ganz im Gegenteil. Lange verwendet größtenteils eine indirekte Schreibweise, die sich vornehmlich an Passagen wie „Man beratschlagte“ (S. 75, Z. 9) oder „Man verabredete“ (S. 80, Z. 19) zeigt. Durch die Verwendung des undefinierten Personalpronomens man erhält das Geschriebene einen Beigeschmack von Ungewissheit und Anonymität, welcher nicht in eine gesunde Beziehung zwischen zwei Menschen gehört
- Unheimlich: Es sind keine gruseligen Wörter, die der Sprache in der Novelle einen bedrohlich-beklemmenden Charakter verleihen, sondern vielmehr subtile Anmerkungen des Autors wie etwa „die Möbel, die, nachdem die Nachttischlampe nicht mehr brennt, ihre Schatten werfen“ (S. 79, Z. 1ff). Ebenso, dass man „sich allzu sicher [im Haus in der Dorotheenstraße] fühlen“ (S. 93, Z. 9) sollte, kündigt etwas scheinbar Unheilvolles an und kann zwar leicht von einem unaufmerksamen Leser übersehen werden, durchbricht jedoch immer wieder die rationale und vernünftige Sprache in der Novelle