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Naturdarstellungen

Die Natur und Landschaft in Das Marmorbild werden gemäß dem romantischen Ideal der Eichendorrfschen Sprache beschrieben und im Folgenden werden wir uns insbesondere mit den Naturdarstellungen im Hinblick auf Florios Wach- beziehungsweise Traumzustand beschäftigen.

Typisch Eichendorffsche Naturdarstellungen

  • Offene Fläche: Generell schildert der Autor der Spätromantik die Natur auffallend häufig als weitläufige, „unermeßliche Landschaft“ (Abschn. 2, Z. 185), den Himmel als „unermeßlichen Himmelsdom“ (Abschn. 1, Z. 124) und „weit über die Felder weg lagen die Türme der Stadt im heiteren Sonnenglanze“ (Abschn. 2, Z. 164 f.). Das mehrmalige Erwähnen langer Alleen, beispielsweise als „hohe Kastanien-Alleen“ (Abschn. 1, Z. 6 f.) oder als „Hauptallee“ (Abschn. 1, Z. 75) verstärkt noch zusätzlich die Weite der landschaftlichen Natur. Diese offene und gleichzeitig mächtige Beschreibung der Natur bewirkt beim Leser, dass er sich selbst als Spezie der Flora und Fauna unterordnet und ihre Erhabenheit anerkennt
  • Vogel-Perspektive: Signifikant ist die Sicht, aus welcher Eichendorff seine Naturbeschreibungen äußert. Meist wird die Gegend von einer erhöhten Position aus beschrieben, wie etwa von einem Berggipfel (Abschn. 5, Z. 24), einem Fenster (Abschn. 1, Z. 320) oder vom Pferderücken aus (Abschn. 2, Z. 42 f.). Dieser erhöhte Blickwinkel besitzt einen göttlichen, überirdischen Charakter, welcher wiederum den Protagonisten in eine höhere Position hebt
  • Deutsch: Auch wenn sich die Handlung in dem italienischen Örtchen Lucca abspielt, so haftet der landschaftlichen Beschreibung Luccas nichts typisch Italienisches an, sondern wir erhalten eher den Eindruck, uns durch Merkmale wie „hohe Buchenalleen“ (Abschn. 2, Z. 81) und den immer wiederkehrenden Gesang der Nachtigallen (Abschn. 2, Z. 90), im heimischen Deutschland zu befinden. Die gewohnte Umgebung ruft bei den Lesern ein Gefühl der Geborgenheit und ein Gefühl der Verbundenheit zur eigenen Heimat hervor, was dem konservativ-patriotischen Ansatz der Spätromantiker entspricht
  • Wachzustand: Wann immer der Erzähler die, ihn umgebende, für Eichendorff typische Natur beschreibt, befindet er sich in einem wachen, zurechnungsfähigen Zustand, der von frischem Mut, Neuanfang und Lebensfreude gekennzeichnet ist. Außerdem soll nicht unbemerkt bleiben, dass die Wachzustände des Protagonisten vorrangig zu Tagesbeginn, also am Morgen zu beobachten sind

Naturdarstellungen in der Präsenz der Heidengöttin Venus

  • Begrenzt: Als Pendant zur weiten Landschaft, für welche der Autor ansonsten so bekannt ist, gestaltet Eichendorff die Umgebung um Venus herum als sehr konträr zu seinen üblichen Naturbeschreibungen. So gibt es in Venus' Garten „überall [...] Nischen“ (Abschn. 4, Z. 42) sowie dichte Wälder und in ihrem Schloss „vielfache Säulengänge“ (Abschn. 4. Z. 85), die einen verwirrenden, undurchsichtigen und zwielichten Eindruck beim Leser hinterlassen
  • Kontrolliert: Grundsätzlich zeichnet sich die Landschaft in Das Marmorbild durch ihre freie, vom Menschen unberührte Form aus. Allerdings finden wir zum Beispiel im Garten der Venus eindeutige Anzeichen dafür, dass die Landschaft und auch Tierwelt von Menschenhand geformt wurde. So ist etwa der Weiher „von hohen Bäumen“ (Abschn. 1, Z. 54) eingekreist, „Schwäne beschrieben still ihre einförmigen Kreise“ (Abschn. 1, Z. 372 f.) und „Unzählige Springbrunnen plätscherten [...] einförmig in der großen Einsamkeit“ (Abschn. 2, Z. 85 f.)
  • Tageszeit: Bis auf Florios Besuch in Venus' Lustgarten (Abschn. 2, Z. 81 ff.), der in der sengenden Mittagshitze (Abschn. 2, Z. 81 ff.) stattfindet, sind die landschaftlichen Naturdarstellungen meist in den abendlichen oder nächtlichen Kontext eingebettet. Mit der Dunkelheit überkommen Florio auch Empfindungen wie Einsamkeit (Abschn. 2, Z. 180) und „Blendung, Wehmut und Entzückung“ (Abschn. 1, Z. 383). Symbolhafte Erscheinungen wie die Schlange im Garten der Venus oder das heranziehende Ungewitter (Abschn. 4, Z. 151) deuten im Übrigen auf die Gefahren der Nacht/Dunkelheit hin
  • Traumzustand: Wann immer der Protagonist die traumähnliche Landschaft im Garten oder Lustgarten der Venus erlebt, ist er nicht bei Sinnen, sondern träumt. Florio, der in seinem verklärten Zustand nicht zwischen Wirklichkeit und Traum zu unterscheiden vermag, fühlt sich nach dem Erwachen aus einem seiner Traumzustände beklommen und unwohl. Durch sein Unvermögen, seine Erscheinungen nicht als pures Konstrukt seiner Imagination einordnen zu können, befürchtet er, wahnsinnig zu werden und es „erfasst ihn ein tödliches Grauen“ (Abschn. 4, Z. 180)

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