Auf einen Blick
- Klassischer Dramenaufbau mit 5 Akten (Regeldrama)
- Akte erfüllen jeweils ihre klassische Funktion (Exposition, steigende Handlung, Peripetie, retardierendes Moment und Katastrophe)
Kabale und Liebe ist ein typisches
Regeldrama, das dem klassischen Dramenaufbau mit seinen 5 Akten entspricht. Der Aufbau der Tragödie fügt sich also den künstlerischen Normen seiner Zeit.
Der 1. Akt ist eine
Exposition, in der wichtige Personen vorgestellt werden und der Handlungsverlauf bzw. Konflikt angedeutet wird. Von Miller erfahren wir die Hintergründe für die Beziehung zwischen Luise und Ferdinand, seine Frau erzählt dem hinterlistigen Sekretär Wurm von der Liebe. Der wiederum berichtet dem einflussreichen Präsident von Walter davon, was die titelgebende Kabale auslöst. Als sich Luise und Ferdinand begegnen, wird deutlich, wie sehr sie sich lieben. Auch trifft Ferdinand auf seinen Vater, ihre Wesensverschiedenheit wird uns vorgestellt. Die wichtigsten Verstrickungen und Beziehungen werden dem Leser also bereits im ersten Akt präsentiert, Personen wie der Herzog und die Lady Milford treten hier zwar noch nicht auf (der Herzog auch im weiteren Verlauf der Tragödie nicht), doch erfahren wir durch das Gespräch zwischen Wurm und dem Präsidenten auch von ihnen. Was eine Exposition erreichen soll, nämlich den Leser in die Handlung einzuführen, wird uns im 1. Akt geboten.
Der 2. Akt ist eine
Komplikation bzw.
steigende Handlung. Die Spannung steigt, einerseits durch das erkenntnisreiche Gespräch Milfords und Ferdinands, in dem sie sich als gute Seele des Herzogtums und liebende Natur offenbart, andererseits durch den Liebesbeweis Ferdinands an Luise: Er versichert, sie niemals aufzugeben und gegen alles zu verteidigen. Am Ende des Aktes gibt es noch ein
erregendes Moment, das auf den Höhepunkt hinarbeitet. Präsident von Walter erscheint bei den Millers und droht ihnen mit dem Gefängnis. Ferdinand stellt sich offen gegen seinen Vater und droht ihm mit der Aufdeckung seiner Verbrechen. Es wird deutlich, dass es bei diesem Konflikt letztlich um Leben und Tod geht. Auch der 2. Akt erfüllt seine Aufgabe im Sinne des klassischen Dramas, er baut Spannung auf und liefert den Stoff für den Höhepunkt.
Der 3. Akt schließlich ist die
Peripetie, hier wendet sich das Blatt für Luise und Ferdinand endgültig und der Weg zu ihrem tragischen Ende beginnt. Der Präsident entwickelt mit Wurm seinen Plan, Ferdinand einen falschen Liebesbrief unterzujubeln. Luises Eltern werden gefangengenommen. Luise spricht mit Ferdinand und will sich von ihm trennen, da sie ihre Liebe ohnehin für unmöglich hält. Ferdinand wirft ihr vor, einen Liebhaber zu haben. Die
Klimax schließlich, der Höhepunkt, ist das Auftauchen Wurms, der Luise den fatalen Brief diktiert. Luise wird gezwungen, ihr eigenes Leben zu zerstören. Die Spannung erreicht hier ihren Gipfel, bevor die Katastrophe einsetzt. Der 3. Akt lässt die Konflikte offen ausbrechen und lässt uns mit vielen Fragen zurück.
Der 4. Akt ist ein
retardierendes Moment, in dem die Katastrophe hinausgezögert wird und die Spannung etwas sinkt. Dabei wirft das retardierende Moment aber auch die Hoffnung auf, dass das Drama doch nicht so endet wie befürchtet. Ferdinand konfrontiert den Hofmarschall mit dem falschen Liebesbrief, dieser gibt zu, Luise gar nicht zu kennen. Im Gespräch mit dem Vater behauptet der Präsident, Luise als Ehefrau seines Sohns zu akzeptieren, woraufhin Ferdinand ihn flugs verlässt. Typisch für ein retardierendes Moment ist auch die Konfrontation Luises mit Lady Milford und die lange Unterhaltung der beiden. Luise zeigt noch einmal ihr edles Wesen und kündigt ihren Selbstmord an. Um das zu verhindern, will die beschämte Lady Milford außer Landes fliehen. Da der Hofmarschall die Intrige zugegeben, Präsident von Walter vorgeblich sein Einverständnis gegeben und Lady Milford ihren Anspruch auf Ferdinand aufgegeben hat, ist die Möglichkeit einer Versöhnung Luises und Ferdinands gegeben. Somit wird die Spannung für den 5. Akt erhöht.
Die
Katastrophe bleibt im 5. Akt aber nicht aus. In einem Monolog hadert Ferdinand zwar mit seinem Gewissen, fasst aber den folgenschweren Entschluss, Luise und sich umzubringen. Im Todeskampf erzählt Luise ihrem Geliebten, dass der Brief gefälscht und alles eine Kabale vom Präsidenten war. Der Konflikt endet mit dem Tod Luises und Ferdinands, der schlimmste Fall ist eingetreten. Jedoch wird die Intrige offenbar, Wurm und Präsident von Walter werden von den Gerichtsdienern gefasst und der Präsident versöhnt sich im letzten Moment noch mit dem Sohn. So siegt trotz des Tods der Liebenden letztlich die Wahrheit.