Epoche
Joseph von Eichendorff fängt sein spätromantisches Werk Das Marmorbild 1817 an und im Herbst 1818 dann erscheint die Erstausgabe im Frauentaschenbuch für das Jahr 1819, welche wiederum sein guter Freund und gleichzeitig Herausgeber des Frauentaschenbuchs, Friedrich de la Motte Fouqué publiziert.
Historischer Kontext
- Die Aufklärung im 17./18. Jahrhundert bringt die bisher tief in den Köpfen verankerte religiöse Weltanschauung ins Wanken. Darauf folgt die Französische Revolution, welche nicht nur gesellschaftliches Umdenken, sondern auch Identitätskrisen einzelner Individuen hervorruft
- Eichendorff, der selbst 1815 an den Befreiungskriegen teilnimmt, findet sein Gleichgewicht unter anderem wieder, indem er sich verstärkt seinem Glauben und auch der Natur zuwendet
- Als Konsequenz der zahlreichen politischen und gesellschaftlichen Umwälzungen herrscht in der Romantikepoche in der Bevölkerung eine Unsicherheit gegenüber allem Unchristlichen und Unbekannten, wobei parallel dazu eine Faszination für das Übernatürliche besteht
- Zahlreiche Romantiker flüchten sich als Folge der rapide voranschreitenden Industrialisierung zurück auf das Land und suchen den Rückbezug zum Ursprünglichen, Wesentlichen. Das vermehrte Zuwenden zur Natur- und Tierwelt geht jedoch auch mit einer gewissen Realitätsverschiebung der vergangenen Epoche des Mittelalters einher, welche man ungeachtet ihrer auch dunklen Momente regelrecht glorifiziert
Definition Romantik
- Die Romantik ist eine Epoche in der Literatur, Kunst, Musik und Philosophie, die Ende des 18. Jahrhunderts begann und bis ins späte 19. Jahrhundert andauerte
- Man unterscheidet in der Romantik zwischen drei Zeiträumen: Der Frühromantik (bis 1804), der Hochromantik (bis 1815) und der Spätromantik (bis 1848)
- Die Welt der Romantik stellte ein Paralleluniversum zum vernunftgeleiteten bürgerlichen Dasein dar: Hier durfte man Träume und Sehnsüchte haben und es ging um das Unbewusste für unsere Augen Unsichtbare. Allerdings existierte im Weltbild der Romantiker auch Mystisches, Dunkles, Ungeheuerliches und die beiden antithetischen Begriffe teuflisch und heilig wurden einander gegenüber gestellt
- In dieser Literatur- und Kunstepoche wurde der Begriff der Universalpoesie vom Autor und Philosoph Friedrich Schlegel geprägt. Er besagte, dass die Poesie nicht länger an eine bestimmte Herkunft oder ein festes Schema geknüpft war, sondern sich die Künstler frei und von innen heraus entwickeln sollten. Dies bedeutete ebenso, dass neben dem Freiheitsgedanken, die Literatur durch die Einflüsse der Romantiker auch unbeständiger und fragmentartiger wurde
- So fortschrittlich der Freiheitsgedanke auch war - Romantiker bezogen sich ebenso zurück auf das Mittelalter und sehnten sich nach dem Ursprünglichen, also einer Welt ohne Technik. Auch das Heimatgefühl wurde in Werken der Romantiker großgeschrieben und so kam es nicht selten zu Lobliedern auf das eigene Land
- Der Glaube an die schützende Hand des Schöpfers und Gott selbst stand ganz vorne, wenn es um Werte in der Romantik ging. Demzufolge zeichnete den typischen Romantiker eine starke Zuversicht bezüglich des eigenen Schicksals und Lebensweges aus
- Die ehemals feste und vorgegebene Form literarischer Texte vermischte sich zunehmend, und so war es nicht selten, dass eine Erzählung Einflüsse anderer literarischer Textsorten wie Märchen oder Lieder aufwies
Merkmale der Epoche im Werk
- Das Marmorbild ist ein typisches Werk der Spätromantik, da es die Merkmale dieser literarischen Epoche, wie beispielsweise die Verbundenheit zur Religion, das Herausstellen des Menschen als Individuum sowie die Rückweisung aufklärerischer Gedankenansätze beinhaltet
- Nostalgische Rückbezüge: Zeitlich lässt sich die Märchennovelle in das Spätmittelalter einordnen. Stellvertretend für den mittelalterlichen Charakter der Erzählung dienen Bezüge wie das Musikantenspiel (Abschn. 1, Z. 149 ff.) zu Beginn des Werks oder die Rolle Fortunatos als Sänger, die mit dem mittelalterlichen Beruf des Troubador gleichzusetzen ist. Es lassen sich außerdem sowohl christliche als auch antike Bezüge erkennen: So ist es kein Zufall, dass die Zither (Zither als Begriff in Florios Lied, Abschn. 1, Z. 337), ein Zupfinstrument, von dem griechisch antiken Instrument Monochord abstammt. Ein Bezug zum christlichen Glauben lässt sich bei der Laute (Lautenspielerin Abschn. 2, Z. 132) feststellen, bei der es sich um ein Begleitinstrument handelt, welches besonders gerne im christlichen Mittelalter verwendet wurde
- Verwandlungsthematik: Das Thema Verwandlung wird in Eichendorffs Erzählung auf zweierlei Arten realisiert. Zum einen findet die Verwandlung der Heidengöttin Venus in eine fleischgewordene Schönheit statt und zum anderen stellt der Maskenball, auf welchem Florio sowohl Bianka als auch Venus zu begegnen scheint, einen zentralen Ort des Doppelgänger-Geschehens dar. Der Topos Verwandlung bildet besonders für Romantiker ein reizvolles Thema, da er die Welt in ein mystisches, teilweise nicht-erklärbares und fantastisches Licht taucht, was der romantischen Lebensauffassung Eichendorffs Zeitgenossen entspricht
- Natur als träumerischer Ort der Ruhe: Wann immer der Ort des Geschehens in Das Marmorbild im Grünen situiert ist, wird die Atmosphäre als „fröhlich“ (Abschn. 1, Z. 7), in „träumerischer Stille“ (Abschn. 1, Z. 378), „traumhaft“ (Abschn. 2, Z. 64) und „duftig“ (Abschn. 4, Z. 46) beschrieben und mit einem „Meer von Stille“ (Abschn. 4, Z. 135) verglichen. In der Natur findet Florio Ruhe, sie löst in ihm ein Gefühl der Neugeburt (Abschn. 5, Z. 174) aus
- Göttliche Macht und Erhabenheit: Der religiöse Aspekt der Novelle lässt sich unter anderen an den verschiedenen Figuren der Märchennovelle aufzeigen. Eine zentrale christliche Rolle repräsentiert Bianka als Stellvertreterin für die Jungfrau Maria, welche durch Attribute wie Unschuld, Schönheit, Reinheit und Keuschheit glänzt. Der Ausgang des Werks deutet auf die Erhabenheit des Christentums gegenüber dem heidnischen Götterglauben hin, da sich Florio am Ende anstatt für die verführerische Venus für die engelsgleiche (Abschn. 5, Z. 179) Bianka entscheidet