Stilmittel
Schiller nutzt in seinem Drama Maria Stuart eine hohe, öffentliche Sprache, um den höfischen Stand der Figuren widerzuspiegeln. Dabei macht er keine individuellen Unterschiede zwischen den einzelnen Figuren, die Rückschlüsse auf den jeweiligen Charakter geben könnten. Ihm geht es vielmehr darum, anhand der Benutzung von hypotaktischen Strukturen und vieler Stilmittel die Sprache im Drama allgemein von der Alltagssprache abzuheben. Damit schafft er beim Zuschauer eine größere Distanz zum Geschehen, die nötig ist, wenn diese als neutrale Richter über den Konflikt entscheiden sollen.
Grundsätzlich lässt sich die Sprache im Drama als bildhaft, plastisch und klar bewerten. Außerdem ist sie durch den Hang zur Übertreibung sehr theatralisch. Auffällig ist auch die häufige Verwendung von doppelten Genitiven wie „der Kirche Trost“ (S. 10, Z. 183) oder „der Gegnerin Triumph“ (S. 96, Z. 2755). Eine weitere Besonderheit ist, dass Schiller anstelle der Namen Eigenschaften der Person nennt (Periphrasen), so zum Beispiel „die Aufgegebene“ (S. 47, Z. 1356) oder „die List‘ge“ (S. 69, Z. 1994).
Schiller nutzt die Sprache im Drama auch dazu, ganz bewusst die Zweipoligkeit des Konflikts und das Aufeinanderprallen der verschiedenen Positionen hervorzuheben. Daher entschied er sich für eine antithetische Grundstruktur, dass heißt er arbeitete mit vielen Parallelen und Gegensätzen. Die Parallelen beziehen sich meist weniger auf den Inhalt, als vielmehr auf den identischen Satzbau. Antithesen finden sich vor allem in den Monologen und in den Streitgesprächen. So zum Beispiel Verbrechen vs. Tugend oder Sein vs. Schein im siebten Auftritt des ersten Aufzuges.
Neben den Antithesen finden sich in Maria Stuart außerdem zwei wichtige Metaphern. Einerseits die Feuermetapher, anhand deren die Gefährlichkeit und Sinnlichkeit von Maria veranschaulicht werden soll. Sie wird im dritten Auftritt des zweiten Aufzuges zum Beispiel „Liebesfackel“ (S. 45, Z. 1282) genannt. Andererseits arbeitet Schiller mit der Dunkel-Matapher, „keinen Schutz als in der Dunkelheit“ (S. 56, Z. 1607).
Die Antithesen, Parallelismen und Metaphern sind allerdings bei Weitem nicht alle Stilmittel,
die Schiller benutzt. Es findet sich eine Vielzahl an rhetorischen Mitteln, von denen einige
im Folgenden beispielhaft aufgezählt werden:
- Epipher: „Ihr überrascht mich nicht, erschreckt mich nicht“ (S. 23, Z. 585)
- Ellipse: „Zum Krieg mit England aufgeregt -“ (S. 34, Z. 934)
- Inversion: „Ich hab‘s nicht getan - Jedoch, gesetzt ich tat‘s! - Mylord“ (S. 34, Z. 936)
- Rhetorische Frage: „Hab ich Pflichten gegen England?“ (S. 34. Z. 944)
- Epitheton: „Heiliges Gewand“ (S. 35, Z. 969)
- Sentenzen: „Der Ring macht Ehen“ (S. 43, Z. 1210)
- Chiasmus: „Ihr Leben ist dein Tod! Ihr Tod dein Leben“ (S. 46, Z. 1294)
- Alliteration: „Größern Glücks“ (S.73, Z.2121)
- Polyptoton: „Wenn Hass dem Hass begegnet“ (S. 76, Z. 2190)
- Vergleich: „Steht nicht da, schroff, wie die Felsklippe“ (S. 79, Z. 2269)
- Personifikation: „Fahr hin, lammherzige Gelassenheit“ (S. 84, Z. 2437)