Sprache
Im Folgenden soll die Sprache von Hans-Ulrich Treichel in seinem Werk Der Verlorene analysiert werden.
Sprache allgemein
- Sachlich: Der Autor beschreibt Fakten und Tatsachen; alle Schilderungen enthalten Informationen, was zu einer hohen sprachlichen Dichte führt
- Emotionslos: Keine stimmungsvollen Beschreibungen der Umwelt oder bildliche Darstellungen der inneren Gefühle
- Einfach: Der Autor verzichtet auf ausführliche oder komplizierte Schilderungen; die Handlung wird knapp und aufs Nötigste beschränkt wiedergegeben
- Jugendlicher Wortgebrauch: Da der Ich-Erzähler im Großteil der Handlung ein Jugendlicher ist und aus großer Nähe erzählt, finden sich viele damals jugendsprachliche Redewendungen und Worte wie z.B. „gescheites Kerlchen“ (S. 121) oder „Wichtigtuer“ (S. 154)
Schreibstil
- Hypotaktischer Stil: Der Autor arbeitet mit langen Sätzen; er verschachtelt Haupt- und Nebensätze zu komplexen Satzgefügen; z.B. „In gewisser Weise setzten alle weiteren Photos, die von mir in meiner Kindheit gemacht worden waren, die Tradition dieses ersten Photos fort, nur daß auf späteren Photos statt des Fußes der rechte Arm, die halbe Gesichtshälfte oder wie auf dem Schwimmbadphoto ein Auge zu sehen war.“ (S. 9)
- Parataxe: An einigen Stellen nutzt der Autor den parataktischen Schreibstil, um eine stärkere Wirkung der Aussage zu erreichen; so etwa als der Erzähler seine Gefühle für Arnold beschreibt: „Ich trauerte um Arnold, und ich war stolz auf ihn, ich teilte mit ihm mein Kinderzimmer und wünschte ihm alle Milch dieser Welt. Ich hatte einen toten Bruder, ich fühlte mich vom Schicksal ausgezeichnet.“ (S. 11)
Ironie und Sarkasmus
- Der Ich-Erzähler schildert seine Erlebnisse und Erfahrungen mit ironischem Unterton, z.B. wenn er von den gezwungenen Ausflügen mit seinen Eltern und seinem Hausarrest danach berichtet (S. 19 ff.)
- Er arbeitet bei seinen Erzählungen mit Sarkasmus, etwa bei der Feststellung, dass die Hinterkopfaufnahmen beim Fotografen die besten, akkuratesten Fotos von ihm sind (S. 68)
- Stellenweise bekommen die Schilderungen unfreiwillig eine witzige Wirkung, z.B. beim grotesken Schweinekopfessen (Vgl. S. 38 ff.)
- Auch der Titel des Werkes kann als sarkastisch oder ironisch betrachtet werden, da sich Der Verlorene offenkundig zwar auf den vermissten Arnold bezieht, indirekt aber der Ich-Erzähler in der Familie der wahre Verlorene ist, da er von seinen Eltern kaum wahrgenommen wird und dadurch seine Identität nie finden konnte