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Natur-Metaphorik

Gärten in der Märchennovelle

Aus den Darstellungen und Beschreibungen der verschiedenen Gärten in Das Schloss Dürande ist es möglich, Rückschlüsse über die Verfassung der jeweiligen Institution zu ziehen.
  • Garten bei der Jagdhütte: Besonders in der Eingangsszene wird vom Autor verdeutlicht, mit welcher Vehemenz sich die Natur wieder zurückholt, was ihr einst genommen. Die kleine bescheidene Bleibe Renalds und Gabrieles ist „vor Blüten kaum“ (S. 6, Z. 8) mehr zu sehen und „überwaldet [sowie] weinumrankt“ (S. 6, Z. 9). Dieser Garten steht im Gegensatz zum strengen und inszenierten Gartenmodell der französischen Gartenarchitektur. Eher erinnert der verwilderte Garten an englische Gärten, in welchen die Vorstellung eines gelungenen Gartens aus ungezähmtem Wachstum und bewusster Unterstützung der bereits vorhandenen Natur bestanden
  • Gartenanlage in Versailles: Renald sucht das Versailles an einem „Wintertage“ (S. 49, Z. 2) auf. Das Licht der Sonne beschreibt Eichendorff als „lau, aber falsch“ (S. 49, Z. 3), was als Omen für das nahende Ende der Ära Ludwig XVI. stehen könnte. Der Schlossgarten wirkt aufgrund der „verlassenen Marmorbilder“ (vgl. S. 49, Z. 6) leblos und auch „kein Vogel sang mehr“ (S. 49, Z. 5). Der blättrige „Goldregen“ (S. 49, Z. 19), welcher beim Auftritt des Königs von den „hohen Bäumen“ (S. 49, Z. 18) fällt, kann als eine Art letzte Ölung des Königs verstanden werden
  • Grüne Anlage im Kloster: Die Gärten in der Klosteranlage werden als „kühl [und] duftig“ (S. 15, Z. 6) beschrieben und ein friedlicher Charakter geht von ihnen aus. Zusammen mit den schützenden Klostermauern bilden sie einen sicheren und geborgenen Ort, sodass Gabriele nach ihrer Ankunft trotz der noch fremden Umgebung in einen tiefen Schlummer fällt. Auch die Präsenz zahlreicher Tiere wie etwa des Storchs zeigen einmal mehr die Hülle und Fülle und damit verbundene Zeitlosigkeit der religiösen Institution für den Romantiker Eichendorff auf
  • Schlossgarten aus Gabrieles Märchen: Im Schloss aus Gabrieles Erzählung sind die Gesänge der Vögel verstummt (vgl. S. 21). Dies deutet wie in der Beschreibung des Schlossgartens Dürande darauf hin, dass sich der Adel zunehmend von der Natur entfernt hat und keinen Zugang mehr zu ihr besitzt. Des Nachts erstrahlt der Garten jedoch in seiner ganzen Pracht und Flora und Fauna erwachen zum Leben. Die gefangen gehaltene Prinzessin im Märchen schafft es, mithilfe der Tiere aus dem Schlossgarten zu fliehen, bevor der nächste Tag anbricht und die Anlage wieder in Leblosigkeit erstarrt
  • Schlossgarten am Schloss Dürande: Den Garten des alten Grafen säumt ein inzwischen ausgetrockneter Wallgraben, die Bäume sind teils verwildert und die herbstliche Jahreszeit verstärkt noch den verlassenen Eindruck der Gärten, da die meisten Pflanzen bereits verwelkt sind. Diese Impression des Leblosen könnte als Metapher für den Untergang der Aristokratie stehen. Interessant jedoch ist die Beobachtung, dass der Schlossgarten nach Renalds und Hippolyts Heimkehr wieder in voller Pracht und Blüte erstrahlt. Starb also mit dem alten Grafen das Ancien Regime und ist das Wiederaufleben der Flora und Fauna bei der Rückkehr der jungen Männer als vorbestehender Neuanfang zu interpretieren?

Welche Bedeutung wird der Natur in Das Schloss Dürande beigemessen?

  • Atmosphärisch: Eichendorff vermag es, mit seinen pittoresken Naturdarstellungen, so auch den Beschreibungen der Gärten im Werk die Stimmung der jeweiligen Szenerie zu beeinflussen. Als der Schlossgarten in Dürande etwa zum Zeitpunkt des Ablebens des alten Grafen selbst leblos daliegt, überkommt einen als Leser ein beklemmendes Gefühl der Einsamkeit, Kälte und Hoffnungslosigkeit. Liest man wiederum die detailreiche und ausgeschmückte Darstellung des verwilderten Gartens am Jagdhaus, möchte man am liebsten direkt aufbrechen und diesen Garten einmal selbst besuchen
  • Meinungsinstrument: In seinen Naturbeschreibungen stellt der Autor insbesondere Kontraste gekonnt dar. So spielt er etwa auch mit den Antonymen Tag und Nacht, Lärm und Stille, dunkel und hell sowie Gut und Böse. Die Verwendung dieser Gegensätze ermöglicht es Eichendorff, seine eigenen Anschauungen zu Religion, Politik und Gesellschaft teils eindrücklich, teils subtil zu vermitteln. Hierbei ist es für Eichendorff erstrebenswert, eben jene Zerissenheit und Widersprüchlichkeit der Gegensätze zu überwinden und beide Komponenten in Harmonie und Gleichgewicht miteinander zu bringen
  • Der Garten als verlorenes Paradies: Eine sehr persönliche Komponente trägt der Garten für Eichendorff, da er ihn in direkten Bezug mit seinen eigenen Kindheitserinnerungen setzt, welche durch idyllische Momente in und mit der Natur geprägt waren. Eichendorff ist es ein Anliegen, den Spagat zwischen Funktionalität und Poesie im Leben zu bewerkstelligen. So stellen die Natur und damit auch Gärten eine Art Zufluchtsort aus dem Alltag für ihn dar, deren malerische und zauberhafte Identitäten er seinen Lesern nicht vorenthalten möchte

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