Raummotive
Judith Hermann arbeitet in ihrer Erzählung Sommerhaus, später mit einer Vielzahl an Motiven. Hier sollen zunächst die Raummotive genauer betrachtet werden.
Das wohl wichtigste Motiv wird direkt im Titel des Werkes genannt, das Haus.
Das Haus
- Das Haus als Motiv steht sinnbildlich für das unterschiedliche Verständnis von Beziehung, das Stein und die Ich-Erzählerin haben
- Für Stein symbolisiert das Haus eine perfekte Beziehung, die quasi auf festen Grundpfeilern steht
- Die Ich-Erzählerin dagegen empfindet die festen Mauern des Hauses als eine Art Gefängnis und als typisches Spießbürgertum
Steins Traum vom Haus
- Stein sucht von Beginn der Handlung an nahezu exzessiv nach einem eigenen Haus, sein Lebensplan und Selbstverständnis hängen existenziell davon ab
- So lange er noch kein eigenes Haus hat, arbeitet er stellvertretend an den Häusern von Freunden
- Das Arbeiten an einem Haus gibt Stein offenbar eine Art Sicherheit und Stabilität
- Als Stein endlich sein Haus gefunden hat, reagiert er extrem euphorisch, da für ihn ein Lebenstraum in Erfüllung geht
- Sein Zukunftsplan vom Haus ist für ihn auch fest mit der Ich-Erzählerin verknüpft; er lädt sie direkt zu einer Hausbesichtigung ein
- Auch durch die Größe des Hauses, das Stein sich kauft, wird deutlich, dass er keineswegs plant, dort alleine einzuziehen
- Für Stein ist das Haus als Ganzes also das perfekte Symbol für ein gemeinsames, auf Dauer ausgerichtetes Familienleben
Der Zwiespalt der Ich-Erzählerin
- Für die Ich-Erzählerin und ihre Clique steht der Besitz eines Hauses für spießbürgerliches Leben und die Aufgabe jeglicher, persönlicher Freiheit
- Dass man ein Haus langfristig kauft und sich damit für ein ortsgebundenes Leben entscheidet, widerspricht ihrem Prinzip der Unabhängigkeit
- In ihrem Weltbild ist die Ich-Erzählerin dabei extrem stur, obwohl sie bei der Hausbesichtigung kurz beginnt, sich in Tagträumen ein gemeinsames Leben im Haus vorzustellen
- Dass sie das Haus als „Ruine“ (Vgl. S. 148) bezeichnet, lässt darauf schließen, dass ein Haus für sie mit althergebrachten Vorstellungen verknüpft ist
- Trotz des heruntergekommenen Zustandes des Hauses empfindet die Ich-Erzählerin das Haus zwischendurch auch als „schön“ oder vergleicht es mit einem „stolzen Schiff“ (Vgl. S. 148), was deutlich macht, dass sie sich der Faszination eines Hauses auch nicht entziehen kann
Der Kirchturm
- Der Kirchturm ist ein Symbol für Beständigkeit, der Turm der Kirche in Canitz hat schließlich schon viele Jahrzehnte überdauert
- Beim Anblick des Kirchturmes empfindet auch die Ich-Erzählerin ein positives Gefühl, nennt ihn „schön und rot“ (Vgl. S. 148)
- Der Kirchturm ist also ein positiver Bezugspunkt, sowohl für die Ich-Erzählerin als auch für Stein
- Stein romantisiert den Kirchturm, wenn er erwähnt, wie schön der Sonnenuntergang hinter dem Kirchturm anzusehen ist (Vgl. S. 151)
- Passend zu seiner Begeisterung für ein Haus ist Stein auch von dem Kirchturm fasziniert und wählt den Anblick für seine Postkarten, da auch der Kirchturm für Stabilität und Dauerhaftigkeit steht