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Die zwei Welten

Zunächst sollte man bei genauerer Arbeit mit dem Werk einen Blick auf die typisch romantischen Weltverhältnisse werfen. Der ständige Einfall des Wunderbaren weist ebenfalls eine starke Affinität zum Romantischen auf. Beide Erfahrungswelten zeichnen sich durch bestimmte charakteristische Eigenschaften und Besonderheiten aus, die in diesem Abschnitt näher erläutert werden sollen.

Die Welt des Wunderbaren und die des Wirklichen

  • In einem zentralen Zusammenhang mit der wunderbaren Welt, steht die Naturverbundenheit. Der gefühlsbetonte und naturverbundene Schlemhil ist auffällig oft in der Natur unterwegs.
  • Auch sprachlich kann man in Bezug auf die zwei Welten Unterschiede feststellen. Im Gegensatz zur realen Welt, die sich durch eine eher distanzierte, normale, sachliche Alltagssprache auszeichnet, trifft man in wunderbaren Passagen auf poetische, sprachliche Vielfalt.
  • Weiterhin steht die magische Welt im Werk für Akustik und Farben.
  • Die beiden Welten stehen in einem Dualismus zueinander. Nach der Zweiheitslehre meint dieser Begriff die Gegensätzlichkeit bzw. Polarität zweier Sphären. Im Werk werden die Sphäre des Wirklichen und die des Wunderbaren dualistisch konstatiert. Genauer gesagt, leiten sich die Welten voneinander ab. Dies ist an der Durchdringung und der gegenseitigen Beeinflussung beider Welten zu erkennen.
  • Schlehmhil kristallisiert sich als ein Grenzgänger, der sich zwischen beiden Welten bewegen kann, jedoch in der realen Welt keinen Platz findet. Er verfällt einer Grenzsituation, die durch seine plötzliche Scttenlosigkeit ausgelöst wird.
  • Im Kontext der gattungs- und epochenspezifischen Merkmale fällt auch eine starke Ambivalenz auf. Die Ambivalenz fungiert im Werk als wichtiges Gattungsmerkmal. Ambivalenz steht in diesem Kontext für eine Zerissenheit bzw. Zwiespältigkeit bezogen auf die zwei Sphären. Schlemhil leidet stark unter seiner Einsamkeit und würde wahrscheinlich lieber in der Gesellschaft integriert sein, weshalb er an Geld gelangen möchte. Später sehnt er sich jedoch nach der Freiheit und Individualität, die er in der bürgerlichen Welt nicht erlangen kann. Die findet er hingegen in der Wissenschaft, da er sich nach Erkenntnissen und Wissen über z. B. die Natur oder das Klima sehnt.
  • Schlemhil entscheidet sich letztendlich für die wunderbare Welt, die zwar anfangs noch stark boshaft konnotiert ist, jedoch für Erfüllung sorgt, nachdem der Fluch um den Geldsack gelöst ist, da Schlemhil ihn wegwirft.
  • Der Protagonist reift und wächst an seinen Erfahrungen, die er mit der wunderbaren Welt gemacht hat bzw. macht. Außerdem wird ihm bewusst, dass das Leben in der wirklichen Welt einen Stillstand für seinen Verstand bedeutet, welcher in der philisterhaften Gesellschaft nicht vorankommt oder einem Fortschritt zuteilwird, sondern konstant bleibt. Philisterhafte Vorstellungen sind immer gleichbleibend, spießig und kommunistisch geprägt, doch Schlemhil möchte seinen Verstand auf eine höhere Ebene bewegen.

Die progressive Universalpoesie

  • Im Kontext der Verschränkung des Wunderbaren und Wirklichen soll an dieser Stelle noch der Begriff der progressiven Universalpoesie aufgefasst werden. Der Begriff meint die Verschränkung von Gattungen der Kunst- und Naturpoesie. Er umfasst alle Bereiche des Lebens und alle Kunstgattungen.
  • Der Begriff stammt vom Philosophen Friedrich Schlegel und lässt sich auf die Zeit am Ende 18. Jahrhunderts zurückführen.
  • Der Begriff der progressiven Universalpoesie wird in Peter Schlemhils wundersame Geschichte durchaus erfüllt und stellt ein wichtiges Motiv der Romantik dar.
  • Im Werk sorgt die progressive Universalpoesie auch für die Poetisierung des (bürgerlichen) Lebens und für die auffällige Selbstverständlichkeit des Wunderbaren im Werk. Schlemhil erfährt eine Bewusstseinserweiterung und Grenzüberschreitung, wenn er auf das Wunderbare trifft.

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