Epoche
Die Novelle Mario und der Zauberer von Thomas Mann wurde von ihm 1929 verfasst und 1930 zum ersten Mal veröffentlicht. Im Folgenden soll das Werk so gut es geht einer Epoche zugeordnet werden.
Das Jahr 1929 spricht für die literarische Epoche der Neuen Sachlichkeit, der das Werk auch in den meisten Punkten entspricht. Allerdings finden sich auch noch einige Aspekte, die zu der vorangegangenen Epoche des Expressionismus passen.
Neue Sachlichkeit
- 1923 - 1933
- Themen: Probleme der Gesellschaft, die politische Situation, das alltägliche Leben
- Aufgabe der Autoren: Die Realität objektiv und sachlich darstellen; nüchterne Auseinandersetzung mit der Wirklichkeit; Bezug zum historischen Hintergrund
- Ziel: Mit desillusionierten Texten Leitbilder für die Menschen schaffen
- Form: Schlichte Formen wie Reportagen, Sachberichte und Romane; sachliche und ungekünstelte Sprache; einfache Charaktere
Expressionismus
- 1910 - 1925
- Themen: Wahnsinn und Rausch; das Hässliche und Böse als Gegenstand der Erzählung
- Aufgabe der Autoren: Bekanntes soll in einer verfremdeten Welt aufgezeigt werden; existenzielle Probleme durch ekstatische Darstellung zum Ausdruck bringen
- Ziel: Schrei nach Erneuerung nach dem Krieg und der schlechten Lage des Landes
- Form: Pathos und Lyrik; imposante Bilder, künstlerische Sprache und komplexe Syntax; extreme Verkürzung der Darstellung
Einordnung des Werkes
- Zeit: Der Zeitpunkt des Schreibens entspricht der Neuen Sachlichkeit; die wahren Begebenheiten von Manns Italien-Reise fallen eher in die Zeit des Expressionismus.
- Themen: Zwar stellt Mann mit der Figur des Cipolla das Böse dar, der die Menschen in eine Art Rausch versetzt (Expressionismus), doch generell beschreibt er in seinem Werk die angespannte politische Lage in Italien und die daraus resultierenden Probleme der Gesellschaft (Neue Sachlichkeit).
- Aufgabe: Mann wollte mit seinem Werk wohl auf die Gefahr des Faschismus hinweisen, indem er objektiv und sachlich die Wirklichkeit in Italien beschreibt (Neue Sachlichkeit). Die Tatsache, dass er die Mechanismen zwischen Führer und Volk im übertragenen Sinne als Hypnose dargestellt hat, ist ein Zug des Expressionismus.
- Form: Zwar verzichtet Mann in seinem Werk auf großen Pathos und lyrische Sprache (Expressionismus), doch für eine reine sachliche und nüchterne Darstellung ist der Erzähler stellenweise zu emotional und zu subjektiv.