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Ich-Erzähler

Die Ereignisse werden aus der Sicht eines namenlosen Ich-Erzählers berichtet. Dieser ist nicht nur Erzähler, sondern zeitgleich Hauptfigur der Handlung. Der junge Deutsche schildert seine Erlebnisse aus dem Jahr 1940 und 1941, als er auf der Flucht vor den Nazis war.

Infos zur Person

  • Namenloser Erzähler
  • 27 Jahre alter Deutscher, nennt sich selbst noch einen „Burschen“
  • Ausbildung zum Monteur
  • 1937 aus einem Konzentrationslager über den Rhein geflohen
  • Ende des Winters 1940 aus einem Arbeitslager in Rouen entkommen
  • War vor dem Krieg sechs Monate mit der jungen Französin Yvonne Binnet (17) liiert
  • Unverheiratet und kinderlos

Charakter

  • Widersprüchliche Person: Der Erzähler bleibt namenlos und taucht gerne in der Anonymität unter; er lebt unter falscher Identität in Marseille und hat Freude daran, andere Menschen zu täuschen; er ändert immer wieder seine Meinung, einmal etwa bewundert er den Arzt, dann hasst er ihn; seine Stimmung schwankt ständig, mal fühlt er sich heimisch in Marseille, mal wird er von Fernweh geplagt
  • Depressiv: Der Erzähler wird immer wieder von Langeweile und Einsamkeit gequält; in Paris klagt er über den „Cafard“, was so viel bedeutet wie Katzenjammer; er spricht von Weltschmerz und empfindet große innere Leere; oftmals bemitleidet er sich selbst und hält andere wie etwa Georg Binnet oder den Arzt für glücklicher und gesegneter
  • Wankelmütig: So widersprüchlich er als Person im Ganzen ist, so wankelmütig ist der Erzähler in seinen Entscheidungen; ihm ist alles so gleichgültig, dass er keine finale Entscheidung treffen will; zum Thema Transit ist er unschlüssig, mal will er abfahren und ist wie vom Wahn gepackt, dann sieht er wieder alles als bloßen Zeitvertreib an
  • Intelligent und lernfähig: Der Erzähler weiß, die Erfahrungen Anderer perfekt für sich zu nutzen und lernt aus Fehlern; er kombiniert geschickt und erkennt, wer ihm in welchen Angelegenheiten helfen kann; er nutzt die komplizierten Vorschriften und Regeln taktisch zu seinem eigenen Vorteil aus; in Verhandlungen kann er sich durchsetzen und beweist Schlagfertigkeit
  • Überheblich: Ihm ist bewusst, wie intelligent und gewieft er ist, was ihn oftmals anmaßend wirken lässt; der Erzähler hält sich sogar für klüger als alle anderen und misst sich absichtlich mit dem Arzt oder vor allem dem mexikanischen Konsulatskanzler; er täuscht andere gerissen und erfreut sich an seinem Erfolg dabei; er hat Spaß daran, „durcheinandergeratenes Garn zu entwirren“ und dann absichtlich wieder für Chaos zu sorgen
  • Furchtsam: Er fühlt sich nach all seinen Kriegserfahrungen schnell in die Enge getrieben; wenn er bei seinem echten Namen gerufen wird, zuckt er zusammen; er reagiert empfindlich und ängstlich auf den Klang deutscher Stimmen oder auf den Anblick von Hakenkreuzen; er vermutet hinter der Hotelwirtin eine korrupte Frau, die ihn an die Polizei verraten will
  • Frauen zugetan, aber bindungsunfähig: Der Erzähler hatte in seinen jungen Jahren und trotz Flucht bereits drei Affären, einmal mit Yvonne Binnet, dann mit Nadine und später seine unerfüllte Liebschaft zu Marie; er verliebt sich schnell, kann sich aber nicht auf eine Beziehung einlassen; bei Yvonne hatte er Angst, verletzt zu werden; Nadine wurde er schnell überdrüssig; Marie erobert sein Herz, ohne ihn auch nur anzusprechen; er traut sich nicht, Marie seine Liebe zu gestehen; er tut alles dafür, Marie zu helfen und sie zu schützen; andere Frauen beschreibt der Erzähler auffallend genau, er achtet extrem auf das Äußere und wertet schnell und oberflächlich, etwa bei Nadines dicker Freundin auf der Präfektur
  • Eifersüchtig und neidisch: Er beneidet den Arzt um seine beruhigende Wirkung auf die Binnets oder Paul für seine mächtige Position; er ist eifersüchtig auf den Arzt, der Maries Freund sein darf; der Erzähler kann nicht einmal ertragen, wenn der Arzt vor seinen Augen Maries Hand hält; er tut alles dafür, seinen Rivalen loszuwerden; er ist schließlich sogar eifersüchtig auf den toten Schriftsteller Weidel, weil Maries Herz ihm über den Tod hinaus gehört
  • Liebevoll: Er ist nicht nur liebevoll und hilfsbereit im Umgang mit Marie, sondern auch mit dem Stiefsohn von Georg Binnet; für den Jungen kauft er Bücher, obwohl er selbst kaum Geld hat; er kümmert sich rührend, als der Bub krank ist; er übernimmt die Rolle einer Art Vaterfigur
  • Träumerisch: Er klammert sich an die Binnets in seiner Sehnsucht nach einer behüteten Kindheit und Jugend, die ihm durch den Krieg genommen wurde; ohne leiseste Gefühlsbekundungen von Marie zu ihm, träumt er schon von einem gemeinsamen Leben mit ihr, er malt sich die Zukunft detailliert aus; er sehnt sich nach dem gewöhnlichen Leben mit Frau und Kindern in einer geborgenen Heimat

Gestohlene Identität als Weidel

  • Einst berühmter und einflussreicher Schriftsteller in Deutschland
  • Antifaschist und Nazigegner
  • Schrieb unter anderem einen politischen Text über Missstände in Spanien
  • Lebte ärmlich und floh aus Köln nach Paris
  • Wurde in Paris von seiner jungen Ehefrau Marie getrennt
  • Nach Ablehnung seines neuesten Manuskripts und der Flucht seiner Frau nahm er sich das Leben
  • Hatte zuvor eine bezahlte Schiffspassage und einen Transit nach Mexiko organisiert

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