Kommunikation zwischen dem Ehepaar Klausen
Der letztendliche Grund für den Untergang der Ehe der Klausens liegt in der gescheiterten Kommunikation zwischen dem Ehepaar. Wir werden uns im Zuge der nachfolgenden Analyse näher damit beschäftigen, welche kommunikativen Muster letzten Endes zum Ende der Partnerschaft führen.
Resignation und Trost
- Was zunächst einmal als liebevolle Geste gedeutet werden könnte, stellt sich als ein weiterer Versuch Herr Klausens heraus, die vorhandenen Probleme in seiner Ehe zu verdrängen. Dass Klausen Xenia tröstet (S. 76), ist zwar prinzipiell ein positives Anzeichen, jedoch fühlt „er [...] [sich dazu] gezwungen“ (S. 76, Z. 12f). Der entscheidende Faktor ist hier, dass der Trost alleine ihre Probleme nicht löst, sondern nur „verschiebt“
- Offensichtliche Meinungsverschiedenheiten werde in der Ehe der Klausens nicht ausdiskutiert, „man beratschlagte“ (S. 75, Z. 9) und „man verabredete“ (S. 80, Z. 19) Fakten und Umstände, jedoch werden die grundlegenden, emotionalen Themen gemieden und verschwiegen
- Der Tatsache geschuldet, dass die Novelle nur einen Ausschnitt aus dem Leben der Klausens beleuchtet, können wir lediglich mutmaßen, wie ihre Partnerschaft vor der erzählten Handlung aussieht. Allerdings kann aufgrund der resignierten Grundstimmung, die insbesondere von Xenia ausgeht, davon ausgegangen werden, dass Beziehungskonflikte bereits seit einiger Zeit existieren. Beispielsweise drückt die Ehefrau zwar klar ihren Standpunkt zum Thema Umzug nach London aus, nimmt jedoch Klausens Umzug kommentarlos hin (S. 75)
- Der Leser erhält den Eindruck, dass sich in die Ehe der Klausens ein Kommunikationsmuster eingeschlichen hat, welches eine oberflächliche Harmonie gegenüber einer fundamentalen Verbundenheit priorisiert. Dass Xenia nicht nach London ziehen möchte und dies einen drastischen Einschnitt in ihre Ehe bedeuten würde, ignoriert Klausen (S. 75, 76, 80). Wiederum sucht Xenia ebenso wenig das Gespräch zu ihrem Mann und gibt anfangs vor, um den Schein der intakten Ehe zu wahren, nach London umziehen zu wollen. Letztendlich jedoch hält sie ihr Versprechen nicht und versetzt ihren Mann am Flughafen (S. 81f)
- Durch den Mangel an kommunikativem Austausch ist es Gottfried möglich, seine eigenen Interpretationen der Umstände zu entwickeln. Damit schafft er, obwohl er eigentlich die Nähe zu seiner Frau sucht und Verständnis für ihr Verhalten aufbringen möchte, eine immer größer werdende Distanz zwischen sich und seiner Xenia. Anstatt seine Partnerin zu fragen warum sie am Abend seines Theaterbesuchs nicht erreichbar gewesen sei, legt er sich seine eigene Erklärung zurecht und schiebt es auf „die Angewohnheit [seiner Frau] [...], ihr Handy in der Handtasche liegenzulassen“ (S. 78, Z. 12f)