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Die Dantonisten

Die Dantonisten sind politisch Nachsichtige. Sie wollen Robespierres Schreckensherrschaft beenden. Dieser Wille schweißt sie als Gruppe zusammen, ansonsten sind sie sehr unterschiedliche Charaktere. Die Dantonisten sind somit keine feste Partei, sondern eher eine Gemeinschaft von Männern, die eine grobe politische Vorstellung eint. Unter ihnen findet sich der enge Freund Dantons, Desmoulins, der an der Politik interessierte Philippeau sowie Lacroix, Hérault-Séchelles und Legendre, die Dantons Lebenswandel teilen.
Desmoulins ist vielleicht der stärkste Charakter unter den Dantonisten. Zumindest zeigt er unter ihnen die meiste charakterliche Tiefe. Ihm erweist Danton auch die größte Sympathie unter seinen Verbündeten. Desmoulins ist ein sehr gebildeter Mensch, was sich an seinem reichhaltigen Wortschatz und den vielen Parallelen offenbart, die er vom politischen Geschehen zur Geschichte zieht. So vergleicht er Hérault mit dem Sokrates (S. 6) und Robespierre sowie die anderen Jakobiner mit Jesus und seinen Anhängern (S. 29). Als Publizist einer satirischen Zeitschrift, die den politischen Kurs analysiert, beweist er sowohl Geistesschärfe, Witz und Mut. Diese Zeitschrift ist es schließlich auch, die ihm zum Verhängnis wird: Robespierre wird darin karikiert und beschließt deshalb, auch Desmoulins zu verurteilen.
Desmoulins tritt wie Danton für eine politische Mäßigung und für die Gnade ein. Er möchte eine volksnahe Republik, in welcher Normalität herrscht und kein Wohlfahrtsausschuss, der seine Politik inszeniert. Auch er ist ein Epikureer, er möchte, dass dessen Ansichten diejenigen der toten, radikalen Revolutionshelden Marat und Chalier ablösen (S. 8). Trotz seiner Verehrung für Epikur lebt er nicht so ausschweifend wie Danton. Er vergnügt sich nicht mit Prostituierten, nimmt nicht an Kartenspielen teil. Er führt eine leidenschaftliche Ehe mit seiner Frau, Lucile, die er über alles liebt. Im Gegensatz zu Danton ist er ein politischer Idealist, weshalb er Danton am Anfang des Dramas zur Aktion drängt. Desmoulins ist von der eigenen Sache überzeugt und möchte die Politik verändern, er hat sie nicht aufgegeben wie Danton. In seinem Willen zur Tat unterscheidet er sich zwar von Danton, den er ständig zur Aktivität reizen will, doch stimmt er in der Weltanschauung mit ihm überein: Als Danton den Menschen als Sinnsuchenden definiert, dessen politisches Bestreben letztlich nichts anderes ist als seine Suche, greift Desmoulins seine Thesen auf und formuliert sie um. Danton bezeichnet ihn deshalb als sein „starkes Echo“ (S. 33). Wie Danton ist er auch an der Kunst interessiert und spricht sich für eine realistische, am Leben orientierte Kunst aus (S. 38).
Im Dramenverlauf entwickelt auch er sich sehr. Der anfangs politisch motivierte Desmoulins wird in der Gefangenschaft politisch desinteressiert. Er resigniert, die Politik und der eigene Name sind ihm nicht mehr wichtig. Seine Gedanken sind bei seiner Frau Lucile. Desmoulins fürchtet um ihr Leben und möchte bei ihr sein. Seine Liebe ist somit stärker als sein politisches Engagement. Verbittert geht er schließlich in den Tod. Den Menschen definiert er als einen (mit Dummheit assoziierten) Schafskopf (S. 78), der sich über die Unwichtigkeit des eigenen Lebens hinwegtäuscht. Mit Zynismus betritt er schließlich die Guillotine. Der optimistische und engagierte Desmoulins ist am Ende des Dramas kaum wiederzuerkennen.
Lacroix verbindet mit Danton vor allem der Epikureismus. Der gewitzte und sehr intelligente „Spitzbub“, der er zugibt zu sein (S. 24), vertreibt sich gerne die Zeit mir Prostituierten. Seine Sprache ist oft geprägt durch viele sexuelle Andeutungen und Zweideutigkeiten. Als Politiker ist er weniger Idealist denn Realist. Er analysiert die politische Lage perfekt, erkennt schon früh, dass Robespierre plant, sie hinzurichten, um seine eigene Macht zu erhalten. Er weiß, dass er kein moralisches Leben führt, seine Politik gründet sich also nicht auf den Willen, ein besseres Leben für andere zu bewirken. Lacroix ist vor allem ein persönlicher Feind Robespierres, dessen Machtpolitik er verachtet. Robespierre hasst Lacroix ebenso, von ihm stammt die Bezeichnung Lacroix‘ als Spitzbub.
Lacroix drängt Danton mit anklagenden Worten zum Handeln, da er ahnt, dass die Dantonisten dessen Schicksal teilen. Um sich zu retten, will er den Wohlfahrtsausschuss stürzen (S. 31). Sein Kampfgeist erlischt aber im Gefängnis, als er sich des Zustands der Gefangenen gewahr wird (S. 56). Er ist ungläubig darüber, was ihre Politik bei den Menschen angerichtet hat. Kurz vor seinem Tod erwacht jedoch der Politiker in ihm erneut. Er reflektiert über die Vorwürfe, die man ihnen macht, bezeichnet Robespierre als Nero und das Robespierre unterstützende Volk als Esel (S. 77 f.). Mit seinen letzten Worten klagt er das Volk als ignorant und Robespierre als Tyrannen an.
Hérault-Séchelles (auch: Hérault) gilt als sehr schöner Mann. Er liebt das Kartenspiel und die Frauen. Robespierre unterstellt er Allmachtsphantasien, als Epikureer will er den Frieden und keine blutige Revolution. Hérault macht sich gerne über andere Menschen lustig, wie er am Ende des Dramas beweist, als er die letzten Worte der anderen Dantonisten ironisch kommentiert. Daraus kann man schließen, dass er ein Zyniker ist, der dem Leben keine große Achtung erweist. Er steht zwar auf Dantons Seite, doch glaubt er nicht an ihn (S. 9). Für St. Just war er früher ein wichtiger Repräsentant des Volkes, doch scheint er nun ein unwichtiger oder ersetzbarer Politiker zu sein (S. 29). Hérault sieht als Atheist, der Thomas Paynes Schlussfolgerungen unterstützt (vgl. S. 52), keinen höheren Sinn im Leben. Als dem Tode Geweihter schert er sich nicht mehr um die Nachwelt, sie geht ihn „eigentlich nichts an“ (S. 78). Somit hat er keine große politische Ambition, er möchte nicht für ein politisches Prinzip sterben.
Philippeau wird von Büchner nur sehr wenig Text zugeteilt. Das Wissen über ihn beschränkt sich auf die wenigen Textzeugnisse im Drama. Er zeigt sich dem Leser als einseitiger Charakter. Er ist lediglich an der Politik interessiert, er möchte die Schreckensherrschaft beenden. Den Tod der Dantonisten will er deshalb abwenden, weil dieser Frankreich „seinen Henkern“ (S. 33) überlasse - dies weist ihn als politischen Idealisten aus. Im Gefängnis vergleicht er sich mit einem gnädigen Priester, der ein Beispiel für gute und nachsichtige Politik gibt (S. 54). Er möchte die anderen Dantonisten aufheitern, indem er versucht, das Positive an ihrer Lage zu sehen, was er mit naiven Argumenten zu belegen versucht. So meint er, dass ihre Zeit noch nicht gekommen sei (S. 66) und, als ihr Tod nicht mehr abzuwenden ist, dass sie zumindest für einen höheren Sinn sterben würden (S. 79).
Legendre ist gewissermaßen ein Außenseiter unter den Dantonisten. Er ist weniger intelligent als die übrigen, durch seine die dekadenten Reichen anklagende Rede vor den Jakobinern verschuldet er ihre Verfolgung. Er wird nicht festgenommen, da er noch bei den Jakobinern engagiert ist. Zwar tritt er vor dem Konvent für einen gerechten Prozess für Danton ein, doch beweist seine Rede im Jakobinerclub, dass er nicht so gemäßigt ist wie Danton. Mit diesem verbindet ihm vor allem, dass er sich auch gerne mit Prostituierten vergnügt.

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