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Aufbau

Johann Wolfgang von Goethes Werk Iphigenie auf Tauris ist ein klassisches Drama und folgt daher einem streng vorgegebenen Aufbau. Es hat fünf Aufzüge mit einer jeweils variierenden Zahl von Auftritten.

Geschlossenes Drama

  • Einheit der Handlung: Die Handlung ist in sich geschlossen und führt ohne Nebenhandlungen zur Lösung hin; alle Szenen bauen aufeinander auf und sind nicht austauschbar
  • Einheit des Ortes: Die Handlung spielt an nur einem Schauplatz, auf der Insel Tauris vor Dianas Tempel
  • Einheit der Zeit: Die Handlung erstreckt sich über einen kurzen Zeitraum, es gibt keine Zeitsprünge
  • Wenige Personen: Hauptperson ist Iphigenie. Nebenpersonen sind König Thoas, Orest, Pylades und Arkas
  • Hoher Stand: Die Figuren gehören dem Adel oder der gehobenen Gesellschaft an und sprechen eine hohe Sprache, hier im Blankvers verfasst

Pyramidaler Aufbau

Die Struktur von Iphigenie auf Tauris kann anhand des Dramenschemas von Gustav Freytag dargestellt werden. Nach diesem Modell weisen geschlossene Dramen eine pyramidale Struktur auf.
  • 1. Aufzug: Exposition
    Iphigenie wird als Person eingeführt. Sie leidet als Fremde auf Tauris unter Heimweh. Weil sie hofft, wieder zu ihrer Familie zurückkehren zu können, lehnt sie einen Heiratsantrag von König Thoas ab. Dies bringt sie auf Tauris mehr und mehr in Bedrängnis, da der König seine Milde verliert
  • 2. Aufzug: Steigende Handlung mit erregendem Moment
    Orest und Pylades kommen als Gefangene hinzu, die Iphigenie als Priesterin für Thoas opfern soll. Pylades bittet bei Iphigenie mit einer falschen Geschichte um Hilfe
  • 3. Aufzug: Höhe- und Wendepunkt
    Orest offenbart Iphigenie seine wahre Herkunft. Die beiden erkennen, dass sie Geschwister sind. Orest verfällt in einen Wahn. Erst durch Iphigenie kommt er wieder zu Verstand und die Flucht wird geplant
  • 4. Aufzug: Fallende Handlung und retardierendes Moment
    Iphigenie bekommt Gewissensbisse, weil sie für eine Flucht den König täuschen muss. Arkas redet auf sie ein, dass sie den König mit seinen Wünschen erhören soll. Pylades dagegen will ihr klar machen, dass ihre Situation den Betrug rechtfertigt
  • 5. Aufzug: Lösung des Konflikts
    Thoas erfährt von den Fluchtplänen und stellt Iphigenie zur Rede. Diese entscheidet sich, ihm die ganze Wahrheit zu sagen und legt ihr und Orests Schicksal in Thoas‘ Hände. Sie kann einen Kampf zwischen den beiden Männern verhindern und Thoas dazu bringen, sie in Frieden ziehen zu lassen

Funktion

  • Die Tragödie soll eine Handlung nachahmen, die der Zuschauer gut verstehen und auf seine Wirklichkeit übertragen kann
  • Die wenigen Darsteller sollen bewirken, dass die Zuschauer sich in die Personen hineinversetzen können und mit ihnen mitfühlen. Dafür sind die Figuren wie alle Menschen nicht perfekt gestaltet, sondern sind fehlbar
  • Durch die Konflikte, Intrigen und Zerrissenheit der Figuren will Aristoteles beim Zuschauer Jammer (éleos) und Schauder (phóbos) hervorrufen
  • Nach Aristoteles Theorie findet beim Zuschauer durch die Tragödie eine innere Reinigung statt, die sogenannte Katharsis.
    Hier gibt es bei Iphigenie auf Tauris eine Besonderheit: Goethe will diese Reinigung nicht indirekt beim Zuschauer erreichen, sondern lässt seine Hauptfigur die Reinigung innerhalb der Handlung direkt durchleben. Während Iphigenie anfangs bereit ist, Thoas zu täuschen, erkennt sie, wie wichtig die Wahrheit ist

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