Entwicklungsroman
Der Roman Irrungen, Wirrungen von Theodor Fontane kann als Entwicklungsroman interpretiert werden.
Merkmale eines Entwicklungsromans
- Der Held des Romans muss Schwierigkeiten überwinden und seinen Platz im Leben finden
- Er steht im Konflikt mit seiner Umwelt bzw. der Gesellschaft
- Mit der Zeit entwickelt sich der Held weiter und überwindet die Probleme
- Die Romane spiegeln zeittypische Moralvorstellungen und Gesellschaftsthemen wider
- Meist sind Entwicklungsromane in Ich-Form erzählt oder lassen den Leser durch personale Erzählpassagen in den Helden hineinschauen
Bothos Entwicklung
- Botho ist anfangs gefangen im Zwiespalt zwischen Liebe und Vernunft
- Er will sich vor Lene nicht eingestehen, dass ihre Liebe keine Zukunft hat
- Gleichzeitig will er sein elitäres Leben nicht verlieren
- Konfliktscheu geht er einer Entscheidung so lange wie möglich aus dem Weg
- Bothos Zwiespalt schlägt sich auch sprachlich nieder; zu Beginn der Handlung bleibt er oftmals stumm oder kann schlecht argumentieren
- Als schwacher Charakter lässt er sich von seiner Mutter und seinem Onkel sagen, dass er Käthe zu heiraten hat
- Allerdings startet damit auch Bothos Entwicklung
- Er beginnt darüber nachzudenken, wer er ist
- Botho erkennt, dass er schwach ist, und nicht gegen die Gesellschaft aufbegehren kann und will
- Er kommt zu dem Schluss, dass er sich nach Ordnung sehnt, also nach einer ordentlichen Ehe
- Mehr und mehr findet Botho dadurch seinen Platz in der Gesellschaft
- Als Rexin ihn um Rat fragt, kann er diesem erklären, warum er sich gegen Lene entschieden hat
- Gleichzeitig regt Käthes ständiger Plauderton Botho dazu an, sich selbst davon abzuwenden
- Waren seine Aussagen anfangs oft inhaltsleer, bemüht er sich um Authentizität; so löst er tatsächlich sein Versprechen ein, Frau Nimptsch einen Kranz ans Grab zu bringen
- Botho hat seinen Weg zwischen Anpassung und Weiterentwicklung gefunden
Lenes Entwicklung
- Lene ist der gesellschaftlichen Entwicklung weit voraus
- Sie ist emanzipiert, verdient ihr eigenes Geld, interessiert sich für politische Themen und ziert sich nicht, eine Beziehung mit Botho einzugehen
- Damit beginnt ihr Konflikt
- Sie selbst sieht kein Problem in der Liebe zu einem Adligen; sie weiß aber, dass die Gesellschaft die Liebe nicht duldet
- Um weiteren Schmerz zu verhindern, sieht sie die Liebe von Anfang an nur als kurzes Glück
- Sie passt sich den gesellschaftlich, hinterhergebliebenen Ansichten an und heiratet schließlich Gideon Franke
- Ganz aufgeben will sie ihre emanzipierte Art trotzdem nicht; so steht sie offen zu ihrer vorehelichen Liebe