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Erzählweise

Durch die ausführliche Rezeptionsästhetik- und Geschichte des vorliegenden Werk Fontanes sind im vergangenen Jahrhundert unzählige Analyseansätze der erzählerischen Form sowie dem sprachlichen Stil entstanden. Heute profitieren wir als Leser davon. Im Rahmen dieses Unterpunktes komprimieren wir die Flut an analytischem Wissen auf die beiden Erzählformen aus auktorialer und personaler Perspektive.

Erzählperspektive

Im Gesellschaftsroman Effi Briest lassen sich zwei unterschiedliche Erzählerperspektiven finden. Wir werden in den folgenden Abschnitten die jeweiligen Erzählweisen erläutern und entsprechend mit Beispielen belegen
Personaler Erzähler: Eine personale Erzählerrolle zeichnet sich dadurch aus, dass sie die Sicht einer Einzelrolle im Werk übernimmt und somit sozusagen in der Sicht eines singulären Charakters „gefangen“ ist. In der personalen Perspektive teilt sich der Sprecher meist in direkter Rede mit. Ein weiteres Merkmal der personalen Erzählperspektive stellt die Haltung des Autors zum Text dar. Haben wir es mit einem personalen Erzähler zu tun, so wird dieser die innere Befindlichkeit und Meinung der entsprechenden Figur im Stück mit dem Zuschauer teilen, anders als ein auktorialer Erzähler. Für den Leser bedeutet dies, dass er stark von dem Meinungsbild des Erzählers beeinflusst werden vermag, da dieser die Distanz zwischen Erzähltem und erzählender Position aufhebt.
Personales und auktoriales Schema wechseln sich in Effi Briest ab, wobei streckenweise eine Dominanz der jeweiligen Erzählform nachzuvollziehen ist. Auch beweist das vorliegende Werk, dass es möglich ist, beide Erzählformen ineinander übergehen zu lassen. Fontane verwendet für die Figurenbeschreibungen sowohl die personale Erzählform als auch die Dialogform. Ein Beispiel für die Charakterisierung durch den personalen Erzählbericht stellt die Schilderung von Gieshüblers großzügigem Wesen, insbesondere Effi gegenüber dar (Kap. 13). Im entsprechenden Abschnitt wird beschrieben, wie der Apotheker der schwangeren Protagonistin „allerhand Blätter und Zeitungen“ (Kap. 13, Z. 29), „Feigen und Datteln, Schokoladentafeln“ (Kap. 13, Z. 32 f.) sowie eigenhändig gepflanzte Blumen sendet (Kap. 13).
Wiederum eine Stelle, in welcher das Wesen eines Charakters im Dialog von einer anderen Figur anstatt vom Erzähler selbst beschrieben wird, ist, als Effi das erste Mal über die Majorin und den Major von Crampas spricht. Mit Äußerungen wie etwas, dass Crampas Ehefrau „immer verstimmt, beinahe melancholisch [...] aus Eifersucht“ (Kap. 13, Z. 114 f.) sei, entsteht das Bild einer verbitterten, unsympathischen Dame im Kopf des Lesers. Dem gegenüber stellen wir Effis Beschreibung vom Major, welcher in ihren Augen „ein vollkommener Kavalier, ungewöhnlich gewandt“ (Kap. 13, Z. 130) ist. Der Wirkung einer personalen Erzählform kann sich ein Publikum kaum entziehen. Fontane setzt diesen Erzählstil geschickt ein und spielt mit der psychologischen Reaktion der Leserschaft.
Auktorialer Erzähler: Während ein beachtlicher Teil des 330 Seiten langen Romans von einem personalen Erzähler geschildert wird, lassen sich jedoch auch längere Passagen im auktorialen Schreibstil vermerken. Ein auktorialer Erzähler hat dem Leser meist einiges an Wissen über die Handlung und die einzelnen Figuren voraus, was ihn sozusagen allwissend macht. In Effi Briest verwendet Fontane die auktoriale Erzählform etwa dann, wenn er Zeitraffer einschiebt.
Als Mittel zur Darstellung und Komprimierung von Tempus und Raum werden über längere Textabschnitte hin etwa Beschreibungen oder Sachverhalte, mitunter auch detailliert, dargestellt. Eine beispielhafte Stelle für Thematisierung von zeitlichen sowie räumlichen Verhältnissen bildet die Beschreibung des Anwesens in Hohen-Cremmen im ersten Kapitel. Auch die Darlegung der Hochzeitsreise wird in einer reduzierten Erzählweise im auktorialen Erzählstil wiedergegeben.
Ein Beispiel für die Schilderung der eben genannten Reise gibt etwa „Mitte November - sie waren bis nach Capri und Sorrent gekommen - lief Instettens Urlaub ab“ (Kap. 6, Z. 2 f.) wieder. Als final belegbare Textstelle soll der Anfang des 32. Kapitels genannt werden, in welchem Fontane mit der Äußerung „drei Jahre waren vergangen, und Effi bewohnte seit fast ebenso langer Zeit eine kleine Wohnung“ (Kap. 32, Z. 2 f.) einen längeren Zeitraum innerhalb eines Satzes im auktorialen Stil zusammenfasst.
Der auktoriale Erzähler realisiert seine Darstellung der Handlung meist in einer Berichtsform, welche teils von Elementen der indirekten, beziehungsweise erlebten Rede unterbrochen wird.

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