Der Pfarrer
Der Pfarrer vertritt, seinem Beruf entsprechend, die Kirche und gleichzeitig die christliche Gemeinde Güllen. Er sollte eigentlich der mit den höchsten moralische Ansprüchen sein. Doch auch hier zeigt sich, dass wie in der Politik auch die Kirche nicht frei von weltlichen Zwängen ist.
Als der gejagte Ill im zweiten Akt Zuflucht beim Pfarrer sucht, ist dieser alles andere als hilfsbereit. Er erklärt Ills Angst als „Gespenst seines Gewissens“ und dass der Grund seiner Furcht in seiner Sünde liege. So versucht er, Ill zu beschwichtigen und von den Anschaffungen der Güllener abzulenken. Als Ill jedoch den Klang der neuen Glocke hört und daraufhin den Pfarrer anklagt, durchbricht dieser zum ersten Mal seine Aneinanderreihung religiöser Floskeln. Er fordert Ill zur Flucht auf, da er in ihm die Versuchung sieht - und nicht etwa in der Milliarde der Zachanassian. Was wieder einmal die verdrehten Moralvorstellungen der Güllener demonstriert.