Florio
Bei Florio handelt es sich um den Protagonisten in Das Marmorbild und um einen reisenden Sänger und Poeten, der in Italien die Liebe mit all ihren Facetten kennenlernt, erlebt und genießt.
Infos zur Person
- Der Name Florio stammt vom italienischen Wort florere, was wiederum mit blühen übersetzt wird. Nicht umsonst wird der Protagonist auch mit einer "jungen blühenden Gestalt" (Abschn. 1, Z. 100) verglichen
- Es handelt sich, wenn man Fortunatos Gesang Glauben schenkt, bei Florio um einen schönen Jüngling (Abschn. 1, Z. 159 f.)
- Florio wuchs selbst idyllisch auf dem Land auf, wo er die Stille und Ruhe der Natur genießen konnte (Abschn. 1, Z. 31 f.)
Charakter
- Sehnsüchtig: Die Hauptfigur reist nach Italien, um sich frei zu fühlen. Er sehnt sich sowohl nach landschaftlicher als auch gesellschaftlicher Abwechslung von seinem bisherigen Umfeld und erwartet neue Erfahrungen, Menschen und Abenteuer erleben zu können
- Naiv: Grundsätzlich vom Guten ausgehend wirkt Florios Art naiv und leichtgläubig, was ihn angreifbar für alles Böse und Dunkle macht. Aus diesem Grund ist es für den finsteren Ritter Donati auch möglich, Florio in den Bann zu ziehen und sich subtil über dessen Gläubigkeit lustig zu machen, ohne dass der Protagonist dies bemerkt (Abschn. 3, Z. 12 f.)
- Sprunghaft: Nachdem Florio, zunächst noch verzaubert von der Begegnung mit Bianka, wenig später auf die Marmorstatue der Venus trifft, lässt er sich für deren Schönheit begeistern (Abschn. 2, Z. 136 f.). Doch auch in der Art und Weise, wie Venus ihm erscheint, lässt sich ein rapider Stimmungswechsel erkennen: während ihn die Marmorstatue im einen Augenblick noch "vor Blendung, Wehmut und Entzücken." (Abschn. 1, Z. 383) die Augen schließen lässt, kommt sie ihm kurze Zeit später schon "fürchterlich weiß und regungslos" (Abschn. 1, Z. 386) vor und "ein nie gefühltes Grausen überfiel da den Jüngling." (Abschn. 1, Z. 388)
- Gläubig vs. heidnisch: Der göttliche Glaube fungiert im Falle Florios als Lebensretter. Eichendorff inszeniert die Rolle und Bedeutung von Religion so in Das Marmorbild, dass sich Florio immer wieder zwischen den beiden antagonistischen Seiten hin - und hergerissen fühlt. Der Protagonist selbst wuchs in einem gläubigen Zuhause auf und verbindet mit dem Glauben auch ein Heimatgefühl, wobei ihn seine Sehnsucht und Neugierde immer wieder mit den Versuchungen der dunklen Seite konfrontiert. So fühlt er sich auch zur heidnischen Marmorstatue Venus hingezogen und der dunkle Ritter Donati fungiert als Vermittler zwischen Venus und Florio
- Verträumt: Florio träumte bereits in seiner Kindheit gerne vor sich hin und "sah stundenlang zu, wie die Wolken über die schwüle Gegend wegzogen." (Abschn. 4, Z. 131 f.) im Garten seines heimatlichen Lusthauses. Diese träumerische Ader hat er sich bis ins Erwachsenenalter bewahrt, und auch jetzt verliert er sich noch gerne in Tagträumereien. So "schweifte er wohl eine Stunde lang allein zwischen den ewigwechselnden Bildern umher."(Abschn. 1, Z. 76 f.), als Fortunato ihn in Lucca (italienische Stadt) Willkommen heißt (S. 3ff)
- Bescheiden: Als Fortunato bei ihrem Aufeinandertreffen mutmaßt, "Nun, so seid ihr sicherlich ein Poet!" (Abschn. 1, Z. 17)", wird Florio "über und über rot" (Abschn. 1, Z. 19) und spielt seine Gesang - und Dichtkünste herunter und meint, er sei bei Weitem noch kein guter Poet oder Sänger