Tantalidenfluch
Für das Verständnis des Dramas ist es wichtig, den Tantalidenfluch genauer zu betrachten. Darauf basiert im Endeffekt das Verhalten von Iphigenie und Orest.
Familiengeschichte
- Iphigenie und Orest sind Geschwister
- Sie stammen aus dem Tantalus-Geschlecht ab
- Eltern sind Agamemnon und Klytämnestra
- Agamemnon war Urenkel des Tantalus
Tantalus-Mythos
- Der Mensch Tantalus wurde einst von Jupiter zu den Göttern eingeladen und feierte mit ihnen
- Die Ehre ließ Tantalus übermütig werden, er prahlte und konnten mit den Göttern doch nicht mithalten
- Die Götter waren enttäuscht und urteilten streng über Tantalus‘ Vergehen
- Tantalus wurde gestürzt und seine Familie als Strafe von den Göttern verflucht; sie konnten weder geduldig sein, noch weise entscheiden oder sich mäßigen
- Alle Nachkommen werden seither aus Hass zu Mördern ihrer eigenen Familienmitglieder
- Tantalus‘ Sohn Pelops beging einen Mord, um die schöne Hippodamien zur Frau zu bekommen
- Deren Söhne Thyest und Atreus ermordeten ihren Stiefbruder Pittheus aus Neid
- Nach Pelops Tod entzweiten sich die Brüder: Weil Thyest mit Atreus‘ Frau eine Affäre hatte, vertrieb Atreus ihn aus dem Reich
- Thyest zog einen Sohn von Atreus als eingenes Kind auf, schickte ihn zurück und stachelte ihn an, seinen vermeitlichen Onkel zu ermorden
- Atreus erkannte den Plan und tötete den Jungen und damit unwissend seinen eigenen Sohn
- Als er die Wahrheit erfuhr, lockte Atreus seinen Bruder mit dessen beiden Söhnen nach Hause; dort tötete er die Kinder und setzte sie Thyest zum Essen vor
- Atreus ältester Sohn war Agamemnon, der seine Tochter Iphigenie opferte, als er gegen Troja in den Krieg ziehen wollte und von Göttin Diane aufgehalten wurde
- Während Agememnon im Kampf war, schmiedete Klytämnestra einen Plan, ihn zu ermorden. Damit wollte sie ihm die Opferung Iphigenies‘ heimzahlen, die sie ermordet wähnt
- Angefeuert von Elektren ermordete Orest seine Mutter Klytämnestra, um den Mord an Vater Agamemnon zu rächen
Goethes Fortschreibung des Tantalidenfluchs
- Goethe hat den Mythos durch die Fortschreibung für Iphigenie und Orest indirekt aufgegriffen
- Iphigenie hat sich zum Ziel gesetzt, dem Fluch zu brechen; um nicht zur Mörderin zu werden, wehrt sich sich so vehement gegen die Menschenopfer auf Tauris
- Unbewusst entgeht Iphigenie so dem Fluch; hätte sie die Fremden als Menschenopfer getötet, wäre sie zur Mörderin ihres Bruders geworden
- Mit ihrem Verstand und der vernünftigen Lösung der Situation kann Iphigenie ihren Bruder befreien und den Fluch bannen
- Orest hadert mit seinem Schicksal; er fühlt sich belastet und hilflos
- Zwar wurde er zum Mörder seiner Mutter, bereut die Tat aber und versucht alles, den Fluch mit Hilfe eines Orakelspruchs zu lösen
- Orest kann von seiner Schuld befreit werden und wird im Zwist mit Thaos nicht nochmal zum Mörder, sondern verhandelt gemeinsam mit Iphigenie mit dem König
- Am Ende schaffen die einst zu Gewalt verfluchten Geschwister es, ihre Freiheit friedlich zu erlagen