Auf einen Blick
Der Vater
- Großer, alter, stattlicher Mann; seit 5 Jahren arbeitslos und körperlich außer Form
- Nutzt seinen Sohn finanziell aus, obwohl er selbst arbeiten könnte
- Pater Familias, der allerdings die Meinung der Tochter achtet
- Verhält sich gegenüber dem verwandelten Gregor streng und grausam; erlangt nach der Verwandlung seine alte Stärke wieder
Die Mutter
- Schwache, kränkliche Frau, die sich leicht überreden lässt und damit eine passive Rolle einnimmt
- Liebt ihren Sohn auch nach dessen Verwandlung, emfpindet aber auch starke Furcht vor ihm
- Versteht ihren Sohn nicht (Grete ist laut Gregor das einzige ihm nahe Familienmitglied)
Die Schwester
- Wichtige Person in Gregors Leben; übernimmt nach seiner Verwandlung dessen Pflege
- Vernachlässigt seine Pflege im Laufe der Erzählung und will ihn am Ende loswerden
- Große Entwicklung: Vom unterschätzten Nesthäkchen wird sie zur selbstbewussten jungen Frau, von der sich selbst der Vater überreden lässt
- Spricht Gregors Todesurteil
Gregor
- Ehemaliger Soldat und nun Handelsreisender, der sein Privatleben für den Beruf aufgibt, um die Schulden seiner Familie abzubezahlen
- Selbstlos und aufopferungsvoll, lebt für seine Familie, vereinsamt aber durch die viele Arbeit
- Mit seinem Beruf unzufrieden (hat einen herablassenden Chef) - möglicher Grund für seine Verwandlung?
- Auch als Käfer noch rücksichtsvoll, will seiner Familie nicht zur Last fallen und ist traurig über deren finanzielle Not
- Verändert sich durch die Verwandlung auch innerlich: stellt Ansprüche an seine Familie, akzeptiert sein neues Aussehen, seine Vorlieben verändern sich
- Wird am Ende seines Lebens schwach, da er kaum noch isst und schläft; stirbt aber mit dem Gefühl der Liebe zu seiner Familie, die ihn beseitigen will
Die Handlung bleibt zum größten Teil auf den kleinen Kreis der Familie beschränkt, die aus Gregor, seinen Eltern und seiner Schwester Grete besteht. Andere Figuren wie Dienstmädchen, die Untermieter und der Prokurist treten jeweils nur kurz auf und sind nur oberflächlich gezeichnet. Doch auch die Familienmitglieder Gregors sind keine „runden“ Charaktere - bis auf die Passage nach Gregors Tod gibt es keine Stelle, die ihre Perspektive wiedergibt, immerzu bleibt Gregor Beobachter, wir erfahren nur seine Sicht auf die Dinge, die oftmals getrübt ist (s.
Sprache und Stil). Über ihre Beweggründe erfahren wir kaum etwas und müssen es uns anhand von Gregors Wahrnehmung erschließen. Somit bleibt Gregor, dessen Gedanken uns ungefiltert vermittelt werden, der mit Abstand komplexeste Charakter.
Der Vater
Gregors Vater ist ein alter, gesetzter Herr. Er ist zwar gesund, aber seit 5 Jahren arbeitslos, nachdem sein Geschäft scheiterte. In der Zeit seiner Arbeitslosigkeit ist er übergewichtig und schwerfällig geworden. Trotz seiner „mächtige[n] Brust“ (S. 21) ist er nun ermüdet und läuft sogar am Krückstock bei gemeinsamen Spaziergängen (S. 48). Die „ersten Ferien seines mühevollen und doch erfolglosen Lebens“ haben dem Mann also zugesetzt (S. 37). Da er selbst nicht mehr arbeitet, ist er auf Gregor angewiesen, bei dessen Chef er verschuldet ist. Zuerst war er erfreut über die Hilfe seines fleißigen Sohnes bei den Finanzen der Familie, doch mittlerweile haben er und die anderen Familienmitglieder sich an die Lage gewöhnt, es besteht daher kein inniges, warmes Verhältnis zu Gregor, der immerhin die Lebensgrundlage der Familie darstellt. Dieses Verhältnis zeigt sich bereits vor der Entdeckung von Gregors Verwandlung, als dieser nämlich sein Zimmer nicht verlassen will. Anstatt seinem Sohn mit Sorge zu begegnen - der ja bisher nicht durch Disziplinlosigkeit aufgefallen ist -, schlägt er mit der Faust an die Tür und ruft mit mahnender Stimme (vgl. S. 10), er scheint ihm also Vorwürfe zu machen. Daraus lässt sich schließen, dass der Vater Gregors Einsatz für die Familie für selbstverständlich ansieht. Dabei wird Gregor offenbar von seinem Vater betrogen.
Gregor wird von seinem Vater ausgenutzt: Die Familie besitzt aus der Zeit von dem Zusammenbruch des väterlichen Geschäfts noch Rücklagen, von denen Gregor nichts wusste. Für ihn hatte die finanzielle Situation der Familie demnach schlimmer ausgesehen, als sie war. Deshalb hat er so viel gearbeitet, dass er ständig auf Geschäftsreise gewesen ist und fast gar keine Zeit für sich selbst gehabt hat. Außerdem hat die Familie ohne sein Wissen immer einen Teil des monatlichen Gehalts angespart, ohne damit ihre Schulden abzubezahlen. Gregor hat im Glauben gearbeitet, die Familie stünde ohne ihn kurz vor dem Ruin. Dass der Vater in den 5 Jahren der Arbeitslosigkeit keinen Beruf mehr ausgeübt hat, liegt nicht an seiner Arbeitsunfähigkeit, sondern ist Faulheit zu nennen. Denn einige Zeit nach Gregors Verwandlung findet er eine Anstellung bei der Bank (S. 48) und erscheint nicht mehr so schwach, wie Gregor ihn vorher wähnte. Dass der Vater seinen Sohn ausnutzt, um die Familie zu ernähren und deren Schulden zu begleichen, ohne seinen Teil dazu beizutragen, beweist ein gestörtes Verhältnis zwischen Gregor und seiner Familie: Sie ist keine Gemeinschaft sich liebender Verwandter, sondern eine Nutzgemeinschaft. Und obwohl der Vater nicht mehr der Ernährer der Familie ist, macht er Gregor am Morgen seiner Verwandlung Vorwürfe, nimmt also eine dominante Rolle ein - trotzdem er sich weigert, für das Wohl der Familie zu arbeiten, sieht er sich als deren Oberhaupt.
Durch Gregors Verwandlung gewinnt der Vater seine alte Stärke wieder. Dies äußert sich zum einen durch die Wiederaufnahme der Arbeit, die sich auch auf sein Äußeres auswirkt: „Trotzdem, trotzdem, war das noch der Vater? Der gleiche Mann, der müde im Bett vergraben lag, wenn früher Gregor zu einer Geschäftsreise ausgerückt war [...]? Nun aber war er recht gut aufgerichtet; [...] der Blick der schwarzen Augen [drang] frisch und aufmerksam hervor; das sonst zerzauste weiße Haar war zu einer peinlich genauen, leuchtenden Scheitelfrisur niedergekämmt. (S. 48) Der Vater zeigt also seine alte Kraft und seine Dominanz. Diese setzt er auch in aggressiver Weise gegen den verwandelten Gregor ein, den die kräftige Statur seines Vaters einschüchtert. Als der Vater der Verwandlung seines Sohns gewahr wird, reagiert er zuerst mit „feindseligem Ausdruck“ (S. 21). Fortan tritt er seinem Sohn gegenüber gewalttätig und bedrohlich auf, treibt ihn mit dem Stock zurück in sein Zimmer und bewirft ihn im zweiten Teil mit Äpfeln, womit er ihn schwer verletzt. Die Mutter muss sogar um Gregors Leben flehen. Der Vater behandelt Gregor also nicht mehr als seinen Sohn und tritt ihm mit Ekel, Wut und Verachtung entgegen, betont damit seine eigene Macht. Erst im dritten Teil erkennt er, dass er Gregor „nicht wie einen Feind behandeln“ darf (S. 50), wobei auch da Gregor nur gestattet wird, die Familie durch die Tür zu beobachten, er bleibt immer noch ausgeschlossen und darf sich nicht aus seinem Zimmer hervorwagen.
Größte Kraft entwickelt der Vater nur, wenn er gegen Gregor handelt bzw. nach dessen Tod. Nach dem ersten Gewaltakt gegen Gregor im ersten Teil macht sich der Vater zunächst Sorgen um die finanzielle Zukunft der Familie, Gregor nimmt ihn dabei als alten, schwachen Mann wahr. Nach dem Apfelwurf zeigt sich der Vater von seiner Arbeit ermüdet und schläft abends erschöpft im Sessel ein. Beim Anblick Gregors zeigt der Vater sich aber immer stark und selbstbewusst. Fühlt der Vater sich stark, handelt er ziemlich grob, respektlos und eigensinnig. So drängt der Vater die Untermieter bei Gregors Anblick mit ausgebreiteten Armen in ihr Zimmer zurück (S. 61), was diese natürlich erzürnt. Hier zeigt sich der Vater als zudringlicher Mensch.
Oberflächlich gesehen ist der Vater nach Gregors Verwandlung der
Pater Familias, also die dominante Person der Familie. Gregor gegenüber benimmt er sich streng, machtbewusst und brutal; am nächsten Tag nach dessen Verwandlung beratschlagt er mit der Familie über die Vermögensverhältnisse. Er achtet darauf, die Kontrolle der Familie zu bewahren. Der Vater ist aber kein „Alleinherrscher“, denn Grete kommt ebenfalls eine wichtige und bestimmende Rolle zu. Sie ist es, die Gregor das Essen bringt, was auch für sie keine leichte Aufgabe zu sein scheint. Sie lässt sich diese wichtige Aufgabe nicht abnehmen und wacht sogar eifersüchtig darüber, sodass die Familie von ihr gewissermaßen abhängig ist. Sie handelt dem Vater zu Beginn der Erzählung nicht offen zuwider (so traut sie sich nicht, die Möbel aus Gregors Zimmer in Anwesenheit des Vaters zu entfernen), doch tut sie dies in seiner Abwesenheit. Am Ende des dritten Teils ist sie es, die Gregors Todesurteil spricht und die Tür hinter ihm verschließt, sie überredet den Vater, dass man sich mit Gregor nicht arrangieren könne.