Charakterisierungen
In Schillers Werk Maria Stuart steht, wie schon der Name sagt, die schottische Königin Maria Stuart im Mittelpunkt. Sie ist die Protagonistin des Werks. Die zweite Hauptperson ist Königin Elisabeth, die Maria Stuart als Antagonistin gegenübersteht.
Neben den beiden Hauptpersonen spielen im Werk vor allem Mitglieder des englischen Hofes eine wichtige Rolle, sowie die treue Amme der schottischen Königin.
Im Folgenden werden die wichtigsten Personen des Trauerspiels einzeln charakterisiert.
Im Folgenden werden die wichtigsten Personen des Trauerspiels einzeln charakterisiert.
Maria Stuart
Maria Stuart ist die Königin von Schottland, die nach einem Aufstand ihres Volkes wegen ihrer Heirat mit dem Mörder ihres ersten Mannes, nach England geflohen ist und sich dort Hilfe von ihrer Verwandten Königin Elisabeth erhoffte.- Etwa 25 Jahre alt
- Große geistige Reife
- Katholikin
- Schöne, attraktive Frau
- Verführerisch, leidenschaftlich und impulsiv
- Liebenswürdige Person
- Königliches Auftreten
- Selbstbewusst
- Politische und religiöse Beharrlichkeit
- Betrachtet ihre Situation sachlich und objektiv
- Kann Gedanken an Gattenmord nicht loswerden
- Reue und Buße im Gefängnis
- Leidet unter den Vorwürfen von Elisabeth
- Bleibt lange Zeit hoffnungsvoll
- Beweist moralische Selbstdisziplin
- Nimmt ihr Schicksal mit erhabener Haltung an
Königin Elisabeth
Elisabeth I. ist die aktuelle Königin von England, fühlt sich allerdings von Maria Stuart bedroht, die ebenfalls einen legitimen Anspruch auf den Thron von England hat. Maria Stuart bringt sie dadurch in eine Zwickmühle: Einerseits würde Elisabeth ihre Rivalin gerne durch die Verurteilung los werden, andererseits befürchtet sie, dann als grausame Herrscherin bei ihrem Volk zu gelten.- Um die 30 Jahre alt
- Protestantin
- Schön, aber weniger anmutig als Maria
- Sehr männlich erzogen
- Noch nicht verheiratet; will am liebsten als Jungfrau sterben
- Unterdrückt ihre Gefühle zugunsten ihres Amtes
- Verantwortung des Amtes belastet sie
- Königliches, mächtiges Auftreten
- Unnahbare Person
- Stolz, aber innerlich unsicher
- Sucht nach Lob und Schmeicheleien
- Unentschlossen und feige
- Richtet sich nach Zweckmäßigkeit
- Intrigant und heuchlerisch; will mit allen Mitteln ihren Ruf schützen
- Kaum moralisches Denken
- Endet einsam
Robert Dudley, Graf von Leicester
Der Graf von Leicester spielt insofern eine der wichtigsten Nebenrollen, da er als Mann zwischen den beiden Königinnen steht. Er ist einerseits der engste Vertraute von Königin Elisabeth, andererseits hegt er heimlich Gefühle für Maria Stuart. Die Intrigen am Hof hängen alle mit ihm zusammen.- Mitglied des englischen Königshofes
- Schmeichelt sich bei Elisabeth ein
- Heuchlerisch; will nur die Krone
- Fähnchen im Wind; richtet sich nur nach Elisabeths Launen
- Verliebt sich heimlich in Maria
- Feige; wagt keinen Rettungsversuch
- Ehrgeiz mächtiger als seine Gefühle
- Intriganter Verräter; prangert Mortimer an, um sich zu retten
- Erkennt seine moralische Schwäche nach Marias Hinrichtung
- Verbannt sich freiwillig
George Talbot, Graf von Shrewsbury
Der Graf von Shrewsbury gehört neben Leicester und dem Baronen Burleigh zu den wichtigsten Personen im Staatsrat. Was seine Persönlichkeit angeht, könnte er sich aber kaum extremer von seinem jüngeren Kollegen unterscheiden.- Wichtiger Berater der Königin
- Hoch betagt und erfahren
- Aufrecht; er dient treu und gewissenhaft
- Gerecht und milde; Fürsprecher für Maria
- Vertreter des Humanitätsprinzips
- Er warnt Elisabeth vor den Folgen einer Verurteilung; will sie versöhnlich stimmen
- Will Ausgleich zwischen Staatsinteressen und individuellem Wohl
- Nutzt statt Intrigen edle Mittel
- Keine eigennützigen Interessen
Wilhelm Cecil, Baron von Burleigh
Wilhelm Cecil ist Baron und Großschatzmeister am englischen Königshof. Anders als Shrewsbury, der einen großen Gerechtigkeitssinn hat, geht es Burleigh nur um das Einhalten der Gesetze und Regeln.- Großschatzmeister und Berater Elisabeths
- Vertritt konsequent die Interessen des Staates und der Königin
- Legt großen Wert auf den Willen des Volkes
- Hinterfragt die Rechtmäßigkeit und Moral dahinter nicht
- Eifriger Diplomat; tut alles, um seine Ziele zu erreichen
- Lässt das Urteil eigenmächtig vollstrecken
- Sieht Maria Stuart als Gefahr für den Staat
- Nicht unparteiisch; hasst Maria wegen ihrer Religion
- Fanatischer Protestant
Graf von Kent & Staatssekretär Wilhelm Davison
Graf von Kent und Davison sind Nebenpersonen am englischen Hof. Beide haben - anders als die bisherigen Männer - keinerlei Einfluss auf Königin Elisabeth. Graf von Kent wird lediglich als eine Art Zeremonienmeister eingeführt. Davison seinerseits ist ein Neuling in seinem Amt. Zwar ist er eifrig bei der Sache, allerdings erscheint er überfordert. Diese Schwäche nutzt Elisabeth bewusst aus, um die Bürde der Urteilsvollstreckung abzuwälzen.Ritter Amias Paulet
Ritter Paulet wurde von Königin Elisabeth beauftragt, Maria Stuart in Gewahrsam zu halten. Damit hat sie ihn gewissermaßen in ein Dilemma gebracht. Als Ritter dient er seiner Königin. Als Maria Stuarts Hüter fühlt er sich aber auch dieser gegenüber verantwortlich.- Wachsam und aufmerksam
- Gewissenhaft und pflichtbewusst
- Als Hüter streng und hart
- Religiös übereifrig; spielt den Seelsorger für Maria
- Trotzdem gerecht zu Maria
- Englands Ruf und Ehre ist ihm heilig; er will daher einen fairen Prozess
- Nicht von Ehrgeiz verdorben; weist Burleighs Mordplan an Maria zurück
- Loyal gegenüber beiden Königinnen; hält Maria gefangen, übergibt aber auch ihren Brief
Mortimer
Mortimer ist der Neffe von Paulet. Er kam erst kürzlich von einer Auslandsreise zurück nach England. Was sein Onkel aber nicht weiß: Mortimer ist in Rom heimlich zum Katholizismus konvertiert und steht insgeheim auf Maria Stuarts Seite.- Jüngling
- Fanatischer Katholike
- Will Maria befreien und Katholizismus einführen
- Kann sich gut verstellen; keiner erkennt sein wahres Ich
- Sucht heimlich Verbündete
- Verliebt sich in Maria
- Leidenschaftliche Entschlossenheit; würde sein eigenes Leben geben
- Verliert die Besinnung und den Anstand
- Überschätzt sich; legt sich mit Leicester an
- Sieht sich als Märtyrer
Hanna Kennedy
Hanna Kennedy ist die Amme von Maria Stuart. Sie ist die einzige Bedienstete, die auch in der Gefangenschaft an der Seite der schottischen Königin bleiben durfte.- Amme und engste Bezugsperson von Maria Stuart
- Auch im Kerker immer bei ihrer Königin
- Steht Maria Stuart treu zur Seite und verteidigt sie
- Innige Anteilnahme an Maria Stuarts Leid
- Beruhigt, tröstet und ermutigt Maria Stuart
- Hat eine abergläubische Seite
- Begleitet Maria Stuart bis aufs Schafott